Verlernt.

Weil das Kind, das gegangen ist, jetzt vor dem Haus stehend, erkennt und vermisst, dass es kein Kind mehr ist. [Kettcar; Verloren; Sylt; 2008]

Man hat es vergessen. Worte sind Gefallen und haben eines bemerkbar gemacht. Nichts ist, wie es damals war, all die Freude verloren und die Stimmen verstummt. Man hat es doch glatt vergessen. Ich erhebe mich, schiebe den Stuhl langsam zum Tisch. Verabschiede mich und mache mich auf den Weg. Meter vor dem Auto schrecke ich zurück und bleibe stehen. Das kann es nicht gewesen sein.

Ich drehe um und setze meine Schritte fort, weg von dem Auto, dem Heimbringdienst, dem Zuhause. HInaus in die weite Welt, an Orte, die ich vergessen, an Orte, die ich noch nie gesehen habe. Um zu denken und zu überlegen. Nachdenken über die Vergangenheit und über die Jahre, die mich zu dem machten, was ich jetzt bin. Und dann lege ich mich nieder, auf offene Wunden. Auf offene Fragen, mit Antworten verbunden.

Ich habe vergessen und lehne mich an. An die Parkbank und den Zaun. Die Zigarette wird kürzer und kürzer, Asche bröckelt auf mein Shirt. Die Gedanken spielen Pingpong und niemand gewinnt. Wie konnte ich nur, wieso denn bitte?  Gerade das scheinbare Elend der heutigen Jahre ist auf dem Vergessen des Vergangenen aufgebaut. Ein Kind war ich und wollte es ewig bleiben. Wollte kindlich denken und kindlich entscheiden. Wollte lauthals lachen und das Leben genießen. Die Verantwortung anderen geben und das Leid leben. Bis das Lachen wieder mein Leben befreit.

Man hat es vergessen. Hat verlernt, ein Kind zu sein. Nie mehr wird es, wie es hätte sein können. Wir haben verloren.

Ein Gedanke zu „Verlernt.“

  1. Ich habe kürzlich auch bei einem Menschen darum gekämpft, dass er den „Pan“ in sich rauslassen möge.. Leider vergeblich.. Ich kann es noch, und bin froh drum. Kind sein. Kindisch. Ich liebe es..

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