Erde

Ich öffne die Augen. Meine rechte Gesichtshälfte schmerzt. Langsam hebe ich meinen Kopf, spüre, wie Kieselsteine von meinem Gesicht abfallen.Über mir dieses violette Damenfahrrad. Und die gesamte Welt um neunzig Grad gedreht. Kein Auto bleibt stehen. Und ich bleibe noch eine Zeit lang liegen, gähne und lege das etwas blutende Gesicht wieder in den Schotter.

Lege mich nieder in die Muttererde. Und koste den Geschmack von Gras. Sammle meine Körperteile langsam auf. Das Fahrrad trete ich weg und bleibe doch liegen. Ich weiß nicht, wie ich vom Friedhof zu diesem Straßengraben gekommen bin. Weiß nicht, wo ich mich nun genau befinde.

Ich blicke zum Himmel. Die Sonne steht hoch. Doch ich erkenne nichts wieder. Nicht diesen Baum, der nur wenige Meter entfernt von mir Schatten wirft. Ich zerre mich langsam unter die vielen Blätter. Und schlafe wieder ein. Ein Auto hält.

13 Gedanken zu „Erde“

  1. also ich weiß gar nicht warum, aber ich tue es einfach: Du hast Talent, was das Schreiben betrifft. Schade, dass es in Deutschland/Österreich (?) nicht so was wie „creative writing“ wie in den USA gibt.
    „Ich öffne die Augen. Meine rechte Gesichtshälfte schmerzt. Langsam hebe ich meinen Kopf, spüre, wie Kieselsteine von meinem Gesicht abfallen.Über mir dieses violette Damenfahrrad. Und die gesamte Welt um neunzig Grad gedreht. Kein Auto bleibt stehen. Und ich bleibe noch eine Zeit lang liegen, gähne und lege das etwas blutende Gesicht wieder in den Schotter.“
    Der erste Absatz ist klasse!
    gruß

  2. ja, sagen wir so. gern geschehen. bei mir ist es so, dass ich bücher stets nur kaufe, wenn mich die ersten Zeilen, ja der erste Satz anspricht. oft lege ich das buch sofort weg, wenn dem nicht so ist.
    Bei Deinem diesen ersten Absatz hätte ich weitergelesen. Da ist Potential [sagt die Literaturexpertin; nein… scherz, aber „Literaturliebhaberin“]
    LG

  3. für mich ist der anfang einer geschichte auch immer sehr wichtig. schon einige male habe ich mehr oder weniger lange zeit damit verbracht, einen ersten satz oder einen ersten absatz zu schreiben. und erst, als ich mit ihm vollkommen zufrieden war, konnte es mit der geschichte losgehen. und dass ich nun, nach mehr als 70 a4-seiten wieder unzufrieden damit bin, zeigt wohl, dass auch ich mich weiterentwickle.

    und noch mal vielen dank! das aus dem mund einer literaturliebhabern, das ehrt mich wirklich.

  4. Genau so geht es mir auch. Es gab im letzten Jahr einen Wettbewerb der Stiftung Lesen. Gesucht wurde die beste Begründung für den „schönsten, bewegendsten, origienellsten.. wie auch immer“ ersten Satz. Ich wollte auch mitmachen, konnte mich aber nicht recht für ein Buch bzw. ersten Satz entscheiden.
    Ich denke auch, dass Deine Unzufriedenheit nichts Schlechtes sein muss und Zeichen dafür sein kann, dass Du Dich weiterentwickelst.
    Nichts zu danken!
    Glaube, es ist wichtig, dass man auch mal von außen motiviert wird.
    Dir einen schönen Samstag.
    Viele Grüße aus Frankfurt

  5. Und welcher Satz hat gewonnen? „Ilsebill salzte nach.“ Ich weiß nicht, abgesehen davon, dass ich eine Abneigung gegen Grass entwickelt habe, gibt es wohl doch schönere Sätze.

    Dir wünsche ich noch viele tolle Anfänge, Mittelteile und Schlüsse! =)

  6. Hey
    Gar nicht zum Geschriebenen, eigentlich mehr gaestbucheintragmaessig… ich wollte mich nur mal kurz melden. Kontakte pflegen und so, auch wenn ich dich ja eigentlich nicht kenne… Nun ja. Schick siehts aus hier, jetzt.
    Ah, keine Ahnung, wie ich da jetzt gerade draufkomme, aber… ich hab einen Buchtipp fuer dich, irgendwie dacht ich mir beim Lesen, dass mich das irgendwie an dich erinnert, warum auch immer… ‚Ich bin Duke‘ von Tina Uebel…
    Verwirrt und zusammenhangslos? Jap. Aber das ist ok, zumindest fuer mich… und dir bleibt ja immer noch die Loeschen-Funkrtion… Also. Bis dann. Eigentlich muesst ich mir grad ne Wohnung finden, aber das ist ja auch eher nebensaechlich… ^^

  7. Schön mal wieder etwas von dir zu hören. Wie gehts dir jetzt?

    Hm, werd mir das Buch mal bestellen, klingt schon irgendwie interessant, die Kurzbeschreibung auf Amazon. Viele Dank für den Tipp.

    Was ist da bitteschön zusammenhanglos? Ich freu mich einfach, dass du dich mal wieder meldest. Dein Blog scheint ja off zu sein. Hm, wo bist du denn gerade? Noch unterwegs oder schon sesshaft? Und ich lösch hier ja sowieso gar nichts. Und schon gar nicht deinen Kommentar.

    Und nach –> http://just4ikarus.wordpress.com/2007/08/28/dearest-helpless-emotion-sickness/ hab ich jetzt wirklich was getan. Hab mich immer irgendwie auch an diesen Kommentar erinnert. Ist viel passiert.

  8. @kiwikuenstler:
    “Ilsebill salzte nach.” Hm.. ja, in der Tat. Ich mag Grass auch nicht so sehr [habe ihm aber auch noch nie eine ehrliche Chance gegeben]. Bestimmt gibt es schönere. Der schönste LETZTE Satz für mich ist von Marcel Reich-Ranicki: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, / daß wir zwei beieinander sein.“ Nicht mal von ihm selbst, sondern von Hofmannsthal.
    Aber es ist ein wunderschöner letzter Satz, der sich nur aus dem Kontext seiner Autobiographie „Mein Leben“ erschließt. Ich besitze das Buch nicht mal, aber habe es vor Jahren mit großer Begeisterung gelesen.
    Und das IST definitv der schönste letzte Satz, den ich jemals las.

  9. Freut mich, dass du was unternommen hast nach meinem Kommentar… wirklich! Denn wenn schlechte Laune schlimmer wird, ist das gefährlich…

    Also, ich bin gerade in Schweden (ich liebe Schweden!). Karlshamn, um genau zu sein. Im Sommer wohl n Touristenort, im Winter eher weniger… Besser so. (ich hasse Touristen! 😉 Auch, wenn ich selbst ständig eine bin…)
    Blog ist uebrigens nicht off, nur die Kurzadresse irgendwie… hab mal die Langadresse hier angegeben bei Website..

    (Wohnungsuchen ist uebrigens Mist. Bzw. eher das Finden… Was solls.)

    Oh, was ist aus dem Extrazimmer geworden? Ich wollt grad mal gucken, aber das letzte ist von November..?

  10. Es war nicht die schlechte Laune, die mich zu diesem Schritt zwang. Sondern ein familiärer Todesfall, ein viel zu heftiger Schicksalsschlag. Aber das Schöne: Jetzt wird irgendwie alles aufgearbeitet.

    Schön, deine Reiseberichte, werde mich heute Abend / Nacht näher damit befassen. Und meinen Blogroll aktualisieren.

    So wegen Wohnungsuchen … schon mal sowas wie http://www.hospitalityclub.org/ oder so versucht?

    Naja, das Extrazimmer ist irgendwie gerade geschlossen. Hätte eigentilch schon wieder die Frage nach Thema 3 gestartet, aber bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet.

  11. Familiärer Todesfall… tut mir Leid fuer dich. Also, wenn das geht… Floskel, klar. Trotzdem.

    Der Hospitalityclub ist zwar ne tolle Sache, aber ja mehr fuers Reisen… na ja, ich hab jetzt 2 gefunden, wo ich nachher mal anrufen werde. Passt schon.

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