Father And Son

 

Ich hatte immer einen Vorsatz … ich möchte nie so ein Vater sein, wie du es bist.

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Wir sprechen wieder miteinander. Nach zwei großen, ausartenden Differenzen sprechen wir wieder miteinander. Nehmen uns wieder ernst. Sprechen auf Vater-Sohn-Basis. Doch ich habe mein Vertrauen in dich verloren.

Wenn ich an meine Familie denke, denke ich immer zuerst an meine Mutter. Sie war immer für mich da. Sie unterstützte mich immer, soweit es ging. Kam ich von der Schule nach Hause, war sie schon da. Musste ich mal weg, konnte sie mich irgendwo hinfahren. An dich erinnere ich mich immer nur, wie du abends nach Hause kamst, schnell etwas aßt und dann auf der Couch schliefst. Ich erinnere mich an dich nur als einer, der so viele Zigaretten rauchte, der leicht ausrastete, und dem man nur schwer etwas recht machen konnte.

Ich habe dir schon oft an den Kopf geworfen, dass du nicht mein Vater seist. Du seist nur mein Erzeuger. Ein Vater ist auch für einen da. Du bist mein Vater, das weiß ich, und das weißt auch du. Nur ich verstand und verstehe es immer noch nicht, warum du dir so wenig Zeit für deine Familie genommen hast. Warum dir die Arbeit so wichtig war, warum der Stammtisch und deine kommunalpolitische Arbeit so viel Zeit in Anspruch nehmen konnte, die Familie dabei aber nur einen kleinen Platz in deinem Leben bekommen hat.

Du hast dich manchmal nicht mehr unter Kontrolle. Von meiner Mutter habe ich vielleicht drei verdiente Ohrfeigen bekommen. Von dir mehr. Nein, du hast mich nie grün und blau geschlagen. Ohrfeigen waren es. In einem Streit. Wo du dich einfach nicht mehr zu helfen wusstest. Damit hast du mich einfach enttäuscht. Ich dachte, man kann all das auch anders lösen. Anders als mit dem Schlagen eines Kindes, oder eines jungen Mannes.

Jetzt, wo mein Neffe, dein Enkelsohn da ist, da denke ich mir … wenn du doch nur so viel Zeit mit mir verbracht hättest. Du würdest mich dann verstehen. Würdest zu mir helfen. Würdest dich auf meine Seite stellen. Wärst Vater und Ansprechpartner. Aber das bist du einfach nicht. Und ich will eben dies sein.

Aber ich merke es, in meinen Zügen, meinem Verhalten, meinem Auftreten und allem … ich werde dir immer ähnlicher. Es gibt ihn also wirklich, diesen Teufelskreis. Man kommt aus dieser Rolle, die man von einem Vater gelehrt bekommt, nicht mehr heraus. Für Generation wird das weitergegeben.

Aus Erzählungen von meiner Mama habe ich erfahren, dass du es mit deinem Vater auch nicht leicht hattest. Ich habe ihn leider nie kennen gelernt. Er starb bevor ich überhaupt realisieren konnte, dass er mein Großvater war. Aber kannst du dich noch ändern? Kannst du noch das werden, was ich von dir verlange? Möchtest du das überhaupt?

Ich würde es mir wünschen … aber sei wenigstens ein guter Großvater für meinen Neffen. Dass du wenigstens da einmal etwas richtig machst.

3 Gedanken zu „Father And Son“

  1. ich denke jeder von uns nimmt sich mindestens einmal im leben vor, GANZ anders als seine eltern zu werden. „ich werde meinen kindern immer erlauben mit nassen haaren vom schwimmen nach hause zu kommen.“, „meine kinder werden nie solche peinlichen sachen machen müssen“, „ich werde mir immer zeit für meine familie nehmen“ …..

    von daher: danke für diesen text!

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