Tapetenwechsel.

Ich falle hinein, falle heraus. Halte mich fest, stürze zurück. Stoße mich und blicke nach vorne. Hinein in dieses grelle Licht aus Dunkelheit erbaut.

Wie viele Jahre mag es denn nun schon her sein, als ich mehrmals jährlich in diesem großen Zimmer mit diesem großen Bett, dem riesigen Kasten und den zwei Fenstern hinaus zu den Obstbäumen, schlafen durfte. Und ich minutenlang Probleme hatte, nach dem Abdrehen des Lichtes die grässliche Tapete aus dem Kopf zu bekokmmen.

In welchem ich einen meiner ersten Liebeskummer zu verarbeiten versuchte, immer mit den Gedanken und dem Aufeinandertreffen. So viel Schmerzhaftes. Das Zimmer ist schon nicht mehr. Das Bett auch nicht. Nur die Fenster scheinen noch zu sein. Und es stimmt. So sehr sich auch die Welt verändert, und Dinge verschwinden, die früher einmal die Grenzen der Welt bedeuteten, so bleibt doch immer die Erinnerung. Wie viele Jahre mag es her sein.

„Wovon sprichst du?“. Von der Seite sprichst du mich an. Ich habe meinen Blick nach oben erhoben und versuche sinnlose Details an der Decke zu finden. Einfach so vor mich hingesprochen, erfasse ich die Frage gar nicht wirklich. Erst dann. „Von Erinnerungen.“ Sicherlich folgt jetzt die Frage, wie ich darauf komme. Ich nehme sie vorweg und verwerte hingegen schon die Antwort. „Weil …“ Ich stocke.

Immer mal wieder beginne ich ohne ersichtlichen Grund. Versinke in den Erinnerungen, die mir eigentlich schon lange nicht mehr untergekommen sind. Jetzt tauchen sie wieder auf. Wie die raren Rückfälle in die Vergangenheit, die Alzheimerpatienten öfter mal haben. Wo dann alles stimmt, während in der Gegenwart so vieles falsch zu laufen scheint.

Ich kehre zurück zu unserem Gespräch. Und während ich dich so ansehe, wundert es mich, wie sehr es mir bei dir auffällt. Wir haben uns jetzt mindestens schon zwei Jahre nicht mehr gesehen. Und während wir uns alle irgendwie weiterverändert haben, ich ein Anderer wurde, und mein Freundeskreis sich weiterentwickelt hat, bist du immer noch der Gleiche. Irgendwie erschreckend. All die Veränderungen die die Entwicklung mit sich bringt, scheinen an dir vorübergegangen zu sein.

„Worüber sprachen wir?“, frage ich. „Über unsere Liebesleben.“. Du lachst. Und ich versinke wieder in Erinnerungen. Wieso muss das in jedem Gespräch zum Thema gemacht werden. Und während du mir von deiner Freundin und den beiden Exfreundinnen erzählst, die du seit den letzten zwei Wochen hattest, beginne ich zu lächeln, drehe das Licht ab und bekomme einfach diese grässliche Tapete nicht mehr aus dem Kopf.

[Ein Beitrag von vor vier Jahren. Und ich weiß übrigens nicht mehr, über wen ich da geschrieben habe.]