Und du bleibst stehen. [6]

Zebrastreifen . 03122010

Und du bleibst stehen. Mitten auf der Straße, die Fußgängerampel schwenkt gewohnt schnell wieder auf das bedrohliche Rot um. Du bleibst einfach stehen und blickst gebannt nach oben. Siehst dir die Lichter an, und die Gebäude, die Nacht und ihre Sterne. Bevor die ersten Autofahrer ihre Hupen betätigen können, nehme ich deine Hand, meine „Komm schon, komm runter hier.“ und ziehe dich auf das andere Ende. Der Verkehr nimmt wieder seinen gewohnten Lauf.

„Was war denn das?“, frage ich und blicke immer noch in dieses eine, dein verzaubertes Gesicht. „Was war denn gerade los mit dir?“

Und mit einem breiten Grinsen und dem Gefühl für das Gegenüber, als wolle man in einem Schwall alles von der Seele reden ohne auch nur einmal tief Luft zu holen, setzt du an und meinst ja doch nur: „Ach, nichts.“

Wir gehen weiter, die Großstadt fühlt sich nicht gut an heute. Hier sind zu viele Menschen und zu laut und zu hell ist es auch. Ich würde mich am Liebsten verkriechen und den Abend Abend und die Nacht Nacht sein lassen. Aber ich kann dich hier jetzt nicht einfach so zurücklassen. Nach diesem … Etwas, was da gerade mitten auf der Straße passiert ist. Ich lege meinen Arm um deine Hüfte, möchte dir Stütze sein, möchte dir helfen. Möchte dir nahe sein.

„Weißt du, als ich gerade über die Straßen gehen wollte, … und etwas um mich herum umherblickte und tief einatmete.“ – „Mhm.“ – „Da bemerkte ich zum ersten Mal seit Langem, dass ich glücklich bin. Das es mir gut geht. Das es so passt wie es ist.“ – „Hm. Ein schönes Gefühl, oder?“ – „Natürlich! Ein unglaubliches.“

Immer noch sehe ich das Glitzern in deinen Augen, als wärst du in einer anderen Welt. Aber vielleicht reflektieren sie auch nur die vielen Lichter um uns herum. Dein Hand fühlt sich warm an und langsamen Schrittes gehen wir weiter. Wo wir hingehen? Es ist egal. Aber irgendwann bleibe auch ich stehen, sehe nach oben, atme tief ein. Nichts. Ich bin enttäuscht. Du bemerkst das.

„Ach, du darfst dir nichts erwarten. Du darfst nicht darauf hoffen, dass es passiert. Aber wenn es denn endlich kommt, fühlt es sich so wunderbar an, ich sag’s dir!“