Du hast mir heute gesagt, dass dir immer öfter Dinge einfallen, wo du bei der Erziehung von meiner Schwester und mir falsch gelegen bist. Falsch gehandelt, falsch entschieden hast. Du erinnerst dich sogar noch an deine Worte, vor 20 Jahren oder was auch immer. Aber nein, du … ihr beide, meine Eltern, habt vielleicht nicht alles richtig gemacht, aber ihr ward vor allem eines: immer für mich da.

Foto: TW Collins | flickr
Das hier ist ein Dankeschön. Ein Dankeschön dafür, dass ihr mir keinen Weg vorbestimmt habt. Ihr habt all meine Entscheidungen, so irrational und kaum nachvollziehbar sie auch manchmal gewesen sein mögen, akzeptiert. Seid mir helfend zur Seite gestanden, als ich in Wien nicht das neue Zuhause gefunden habe, auf das ich mich so lange schon freute. Als ich wahrscheinlich mehr Zeit bei euch als in Wien und die meiste Zeit wohl im Zug verbrachte. Und jetzt, wo St. Pölten genau das geworden ist, mein neues Zuhause, der Platz für mein Herz, da seid ihr immer noch da. Und wir reden, tratschen, jammern uns am Telefon alle paar Tage die Ohren voll, und freuen uns, wenn wir uns nach 3 Wochen oder einem Monat mal wieder kurz für 2 Tage sehen.
Oder damals, als ich in der 7. Schulstufe zu straucheln begann und die Frage im Raum stand, ob ich in die Hauptschule wechseln oder im Gymnasium ein Jahr wiederholen solle. Immer wenn ihr für die Hauptschule ward, wollte ich im Gymnasium bleiben. Und umgekehrt. Aber dann habt ihr schließlich das akzeptiert, was ich wollte. Und mich so bei einem sehr wichtigen Schritt unterstützt. Denn das war der Grundstein für den Großteil meiner Freundschaften, die viel enger kaum sein könnten.
Und dann rufe ich dich an, Mama, nach einem langen Tag, der mit einer E-Mail begann, die ich zwar (wenig) überrascht akzeptierte, die mir aber die kommenden Stunden über mehr und mehr zu denken gab und mir die Ruhe nahm, die sonst in mir liegt. Und du einfach nur sagst: „Vielleicht ist es besser so.“ und „Du brauchst dir keine Vorwürfe machen.“ und noch so viel mehr. Und du nicht einmal lachst oder übers Telefon den Kopf schüttelst, als ich dir sage, dass ich mich in meiner Zukunft nicht unbedingt als Medienmanager sehe, vielleicht nicht einmal als Journalist für ein Print- oder ein Onlinemagazin. Sondern, dass ich irgendwann einmal als Schriftsteller leben möchte. Eher bald, aber immerhin. Du verstehst es. „Du wirst deinen Weg schon machen.“, meinst du und zählst mir auf, woran meine schriftstellerische Arbeit oft scheitert. Am Perfektionismus, an der Tatsache, dass ich schnell mit etwas Fertigem nicht mehr zufrieden bin. Du kennst mich.
„Ich habe mal wieder in deinen Texten gelesen. Es ist unglaublich, wie du über so Furchtbares trotzdem so wunderschön schreiben kannst.“ – Stille. – „Dankeschön!“ Und auch wenn ich sie dir ausdrucken muss, da du das Internet und das Internet dich nicht mag. Und auch wenn du erst spät Fan meiner Werke geworden bist, so zählt deine Meinung so unglaublich viel. So ein Anruf an einem Samstag Vormittag tut so gut, solche Worte zu hören helfen mir über alle Maße.
Papa und du, du und Papa. In vielen Dingen könntet ihr wohl kaum unterschiedlicher sein, aber was euch verbindet ist eure Liebe und wahrscheinlich auch der Glaube an eure Kinder. Ihr helft uns, wo ihr nur könnt. Wir können auf euch zählen, unser Wohl ist eure Aufgabe. Und das macht ihr großartig. Ihr lasst uns leben, gebt uns die Freiheit alles zu tun, und nehmt uns immer wieder aus vollem Herzen auf, wenn wir Unterschlupf brauchen. Oder so etwas wie „Familie“.
Wir werden schön langsam groß. Meine Schwester wird im September sechs-, ich kommenden Monat dreiundzwanzigt. Ich kann euch nur danken, für diese unglaublichen dreiundzwanzig Jahre. Für die Hochs, bei denen ihr dabei ward, für die Tiefs, die wir miteinander durchlitten. Für die unzähligen Umarmungen, und auch die Streite, die unser Zusammensein doch ausmachten. Für den Glauben an mich, selbst wenn ich ihn vorübergehend verloren habe. Ohne euch wäre ich wohl nichts. Oder zumindest nicht das, was ich heute bin.
Und dafür danke ich euch. Aus ganzem Herzen. Aus tiefster Überzeugung. Aus vollem Respekt. Dankeschön, Mama und Papa! Danke, dass es euch gibt.














