Feels Like The First Time.

Das Warten und dieser kurze Moment.

Wenn ich meine Augen schließe, bleiben sie es nicht. Sie zittern vor sich hin. Mit der Musik in den Ohren, gefühlvoll und traurig. Aber nicht der Grund für dieses Gefühl heute. Für dieses Gefühl jetzt. In letzter Zeit habe ich manchmal diesen Anflug von komischem Kribbeln im Bauch. Kein schönes Gefühl, eher störend und beunruhigend. Nicht verliebt grummelnd sondern verstört krabbelnd. Ich wüsste nicht, was genau das sein könnte, aber in genau diesen Momenten schaffe ich es nicht, die Augen zu schließen.

Sie zu schließen und nicht sofort zu beginnen, mit Gedankenfetzen um mich zu werfen. Ganz still sitze ich dann vor dem Computer oder auf dem Balkon oder in meinem Bett und alles stürzt herein und ich habe keine Ahnung, was denn nun los ist. Warum ich mich so fühle, und was ich hier jetzt nun eigentlich fühle und ich warte und denke nach und manchmal kommen mir die unglaublichsten Gedanken und manchmal auch wunderbare Ideen und dann lenke ich mich ab und sehe in die Sterne oder in den blauen Himmel oder ich schließe die Augen ganz fest, sodass ich kein Zittern zulasse.

Oft denke ich auch an ihn, und wie schön es jetzt wäre, wenn er hier wäre. Und wie bescheuert ich es finde, wenn man sagt. Sein Körper ist jetzt zwar tot, aber er lebt in eurer Erinnerung, in euch, weiter. Ja, dort lebt er und jedes Mal wenn irgendetwas passiert, was er genauso getan hat, und wenn ich am Kühlschrank oder an der Ecke mit den Bildern vorbeigehe, sehe ich sie mir an, zum Tausendsten Mal, und zum tausendsten Mal verstumme ich. Nach außen hin und auch ganz innen drin. Ich habe nichts zu sagen, und ich frage mich ständig, ob es das ist. Ob er so in mir weiterleben soll, als Beweis, dass Vergangenes so großartig war und die Gegenwart nur das Resultat einer Substraktion oder der miese Rest einer Division ist. Wenn es so ist, weiß ich nicht, ob er nicht einfach nur tot sein könnte. Einfach nur tot, und die Erinnerung würde nich jedes Mal wieder aufflackern und die Erinnerung würde mir nicht mehrmals täglich eine Hieb in die Magengegend geben. Aber es ist doch die Erinnerung, das ist es doch, was mir bleibt. Und so denke ich nach.

Ich denke nach und komme einfach nicht weiter. Seit Tagen ist es nun schon so und ich sträube mich dagegen, aber jedes Mal, wenn die Sonne untergegangen ist, wenn ich im Wohnzimmer sitze oder auf meinem Bett, wenn die ganze Welt schläft und ich vielleicht gerade meine letzte Zigarette hinter mir habe, dann kommt dieser Moment. Und ich fürchte mich etwas vor den Gedanken und den Ideen und vor den Augen, die zittern. Und ich freue mich dann schon auf den nächsten Tag und die Sonne und die Unbeschwertheit und alles. Doch dieses Gefühl bleibt noch einige Zeit und geht nicht. Und das jeden Tag und. Und ich finde keine Antwort auf all die Fragen, keine Fragen auf all die Antworten.

Am Tisch.

Ich bin kein Verräter und fühl mich wie einer.

Manchmal habe ich fast hochnäßig davon gesprochen, wie schön es denn sei, dass unsere Familie keinen nicht-matieriellen Verlust hat erleiden müssen. Alles andere könnte man ersetzen, das war uns klar.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen. BUMM.

Ein Tod, der so überhaupt nicht in die 10-Jahres-Gedanken hineingepasst hatte. Erstens weil keine zehn Jahre seit dem letzten Versterben vergangen sind. Und weil definitv kein eineinhalbjährige Junge hätte sterben sollen. Das war nicht der Plan, dass war nicht Routine.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen. BUMM.
BUmm.
bumm.

Drei Tumore in drei verschiedenen Menschen, die ich auf unterschiedliche Weise liebe, weil auch die Nähe unterschiedlich ist. Und dreimal die Ungewissheit. Und die Sprachlosigkeit. Und der Gedankenballast. Und manchmal auch die Verantwortung.

Man wünscht sich, die ganze Welt auskotzen zu können. Aus diesem Alptraum aufzuwachen und alles ist okay. Glaubst du denn ehrlich, dieses Leben macht Spaß

Manchmal vielleicht. Wenn ich es zu vergessen versuche. Wenn ich versuche, aus der Realität zu flüchten. Weil man es nicht ständig aushält. Bin ich melodramatisch? Wahrscheinlich.

Ein Toast. Auf das Leben. Das Glück.

Es lässt einen aufleben, wenn ein Lichtblick erscheint.

Meine Cousine Manuela hat heute um ungefähr 11 Uhr eine „pumperlgsunde“ Luisa geboren. Ein neuer Schatz auf dieser Welt, ein Sonnenschein, ein Wunderwesen. A Wonderwall.

Alles Liebe und Gute, liebe Luisa, liebe Manuela und lieber Ernst.

Warum kann das Leben nicht nur aus solchen Glücksmomenten bestehen. Und kommt mir jetzt ja nicht mit dieser beschissenen Theorie. So von wegen: Wenn man stets glücklich ist, würde man es nicht mehr schätzen. Das ist dämlich.

In ANbetracht all der Dinge kann ich eines nicht gebrauchen. Sie. Nicht jetzt. UNd nicht mit diesen Gefühlen und Gedanken in mir. So gespalten wie sie sind. Und doch werde ich es darauf anlegen, sie zu sehen. Wie Houellebecq so schön sagt. Das Leid. Die Geburt der Kunst.

Dankeschön.

Geschrieben, gestern, um 20 Uhr ca. im ICE nach Hause.

Woanders.

Ich komm‘ nicht mehr mit.

Dein Lächeln, in dieser Schneekugel. Ich kann so oft schütteln, wie ich will, nichts wird sich verändern. Wieder einmal eine tausende Wörter lange E-Mail. Mit meinen Gefühlen und meinen Gedanken und den Informationen aus meinem Leben, die dich wahrscheinlich nicht einmal interessieren werden. Und dieses Mal war es das Einzige mal, an dem ich nicht auf Senden druckte. Es gelangte nur in den Entwürfe-Ordner. Und da liegt es nun und wartet und wird vielleicht irgendwann einmal ausgedruckt und dann gelöscht. Ich weiß nicht was los ist.

Denkst du denn ernsthaft, dieses Leben macht Spaß. Es ist schräg. Da ist man jahrelang im wohlbehüteten Raum, auf der Insel der Seeligen, nichts passiert, nur das Vorhersehbare und dann plötzlich spürt man vier verschiedene Dinge. Schreckliche Dinge, wenn man bedenkt, welche Folgen sie haben könnten. Ich will erst gar nicht daran denken. Ich will einfach nur weg und ich wünsche mir, dass alles wieder okay ist, wenn ich zurückkomme. Dass die Welt lächelt und nichts jemals passiert ist. Und ich werde zurückkommen und es ist dasselbe wie vorher.

Ich bin nicht Gott und möchte auch nie im Leben die Verantwortung für so etwas tragen. Ich würde mir nur gerne etwas wünschen. Ein, zwei, drei Wünsche. Ich weiß nicht, wie viele. Aber ich wüsste, was mein erster Wunsch wäre. Ein Wunsch, der uns alle wieder glücklich machen würde und ich weiß, dass gerade das so verdammt unmöglich ist. Ich will woanders hin. Weg aus dieser Welt. Ich könnte mir einen Drogentrip vorstellen, mit Abheben, und Downkommen. Und einfach mal für nichts Sorge zu tragen, einfach mal all den Scheiß machen, den man sich nie traute, den man nicht machte, um Sorge um andere. Ich will nicht immer die Last tragen, die man mir auflegt. Ich will Scheiße bauen. Einfach so.

Damit ich mir und der ganzen Welt sagen kann: Fick dich. Die Welt hat es verdient, diese Worte endlich wieder zu hören. Es ist verdammt noch mal nicht einfach. Du hast dich nie gemeldet und ich werde es nach dieser kleinen Reise womöglich auch nie mehr tun. Weil auch die Worte an dich gerichtet hätten werden können. Du weißt nicht, was du verpasst. Erhebt euer Glas.

Ein Toast. Auf das Leben. Seine Lügen.

5 Minuten Fast-Food-Text.

Stillgestanden.

Als für wenige Sekunden alle Zeiger der Uhr stillstanden, konntest du endlich genug Mut fassen, um Träume zu zerstören.

Du hast den Zeitpunkt perfekt abgewartet. Wir haben uns die wenigen Stunden vorher geküsst. Haben uns berührt, und haben gesprochen. Wir haben gesprochen und ich wollte schon wieder gehen. Als wir auf dieses eine Thema zu sprechen kamen. Ich hätte gehen sollen, aber ich wollte es wissen. Die Dinge, die für dich wichtig in einer Beziehung waren, konntest du nicht erfüllen. Ich war ewig dazu bereit. Und du eben nicht.

Mach immer was dein Herz dir sagt. Immer was dein Herz …

Ich fühlte mich gut. Verdammt noch mal, wie kann man sich nach so etwas gut fühlen. Dass man nicht in einer Beziehung steckte, in welche man viel zu viel Energie reinstecken musste? Dass man endlich einmal selbst den Mut hatte? Dass jetzt endlich eine normale Freundschaft bleiben kann? Ach, wie naiv bin ich gewesen. Vielleicht hast du es schon seit jeher gewusst, als du zum ersten Mal einen Traum zerstört hast. Warum ist es wieder soweit gekommen, warum hast du mir erneut die Welt versprochen und deine Zuneigung und hast rein gar nichts davon gehalten.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint,
in Empfindsamkeit vereint.

Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich darüber, dass du so bist, wie du eben bist. Ich bereue nicht, dass ich dich geliebt habe, und dass ich stets Verständnis zeigte, und dass ich mehr in die Beziehung steckte als du, und dass ich dich vielleicht immer noch liebe. Ich bereue, dass ich in dir einen liebevollen und wunderbaren und wertvollen Menschen sah.

Zwischen „Komm zurück“ und „Wirklich Schluss“

Ich habe immer noch den Versuch gestartet. Oftmals ist es geglückt, man hat sich gemeldet, man hat sich gesehen. Man hat sich für den Anderen gefreut und man war froh, sich gegenseitig als Freund zu haben. Ich habe den Beginn unseres Versuchs eines Freundschaftsaufbaus versiebt, ich gebe es ja zu, aber du könntest dich melden. Es wäre das wenigste. Auf einen Kaffee oder so.

Die Erinnerungssplitter liegen herum
Ich tret rein

Und ja, ich lade dich ein. Es ist ein Versuch. Ich bin dumm, ich weiß, aber ich würde mich freuen, wenn du kommen würdest. Zu meiner Feier zum Ende des Zivildienstes. Du könntest damit zeigen, dass dir noch ein kleiner Funke an mir liegt. Es ist nicht viel, was ich verlange.

Wir Müssen Das Nicht Tun.

Agnostik für Anfänger.

Es wurde Zeit. Manchmal nehme ich mir für ein gutes Buch einen bestimmten Tag vor, an dem ich die letzte Seite lese und es dann zufrieden zuschlage. Zuschlage und beruhigt ins Bücherregal zurückstelle. Oder ich freue mich auf irgendeinen wunderbaren Tag. Und wenn man dann diese eine letzte Seite liest, oder kurz vor diesem Tag steht, will man nicht, dass es schon vorbei ist. Aber es gibt auch Dinge, da freut man sich trotz all der Wehmut des Vergangenen, des Zurückliegenden, auf das Ende. Und es wäre doch schon wieder so infantil, schon wieder von einem Ende zu sprechen. Ich habe schon oft davon gesprochen, dass ich damit abgeschlossen habe, aber ich habe es nie wirklich. Ich habe mir Brücken gebaut, die mich nicht wirklich auf den Tatbestand haben blicken lassen. Gestern Abend aber kam mir der Gedanke.

Was ist schon Freundschaft.
Freundschaft?
Was ist es schon?

Ich habe Freunde. Auf ein halbes Dutzend Menschen schätzungsweise kann ich immer zählen. Ich will nicht nachzählen und irgendwelche Unterscheidungen machen, weil irgendwann einmal irgendetwas vorgefallen ist. Aber ich denke, dass doch, und trotz der kommenden Entfernung dieses halbe Dutzend bestehend bleibt. Aufgeteilt auf der Welt. Aber warum?

Warum?
Warum, verdammt noch mal sehne ich mich so nach einer Freundschaft zu ihr. Diesem Menschen, den zu lieben nicht sinnvoll, und auf den zu warten viel zu schmerzhaft ist?
Warum denn bitte schön.

Ich habe genug Freunde. Warum würde ich mir so gerne wünschen, dass sie sich meldet und mich fragt, wie es mir geht, und ich aus ihrer Stimme höre, dass es sie wirklich interessiert. Warum würde ich mich gerne mit ihr auf einen Kaffee treffen. Warum würde ich mit ihr gerne sprechen. Warum würde ich ihr mein komplettes Leben erzählen. Und warum meldet sie sich nicht. Und fragt nicht. Und trifft nicht. Und spricht nicht. Und erzählt nicht. Warum.

Ein Gedanke, der mir kam, war Gefühlskälte. So à la … „Naja, das war nun eben mein erster Freund, wir hatten eine Beziehung, eine mitunter sehr schöne. Ich habe alles verkackt. Alles ging den Bach runter, weil ich nicht dazu imstande war, etwas an Energie in die Beziehung zu stecken und ich ihn alles habe versuchen lassen. Aber dann hat er mich zu sehr eingeengt mit seinem Wunsch nach Freundschaft, wo doch wieder Gefühle da waren. Es hat wohl keinen Sinn, also melde ich mich auch nicht mehr. Sehe ich ihn eben nicht mehr. So wichtig war er mir auch nicht.“

Vielleicht denkt sie so, wünschenswert wäre es nicht. Denn Gefühlskälte ist wohl eine der schlechtesten Charaktereigenschaften, die ein Mensch haben kann. Ja, in manchen Momenten der Wut und der Trauer schreibe ich ihr viele negativen Eigenschaften zu. Aber sie hat sich nicht gemeldet. Ein Treffen verlief vollkommen anders, wir haben seit fünf Monaten nicht mehr miteinander gesprochen obwohl so viele Worte nötig wären. Sie nimmt mir die Möglichkeit einen Punkt zu machen. Ich möchte nicht aufdringlich sein, möchte nicht ständig danach fragen, ob sie vielleicht für einen Kaffee Zeit hat. Sie soll sich melden. Sie soll mir zeigen, dass ihr etwas daran liegt, dass sich eine Freundschaft entwickelt.

Aber sie meldet sich eben nicht. Wir müssen das nicht tun. Aber ich weiß es nicht. Du weißt, dass ich es hasse, wenn Menschen, die ich liebgewonnen haben, aus meinem Leben verschwinden. Wie sehr es mir weh tut. Und trotzdem machst du es gerade. Hau ab, du verdammtes Stück Mensch. Du, die mir den Kopf verdreht hat, und in mir zum ersten Mal das wahre Gefühl der Liebe ermöglichte. Dass mich im Regen stehen ließ, ohne Antworten und mir Hoffnungen machte, nur um mich wieder und immer wieder im Regen zurückzulassen.

Wenn ich nur all den Mut und all die Kraft hätte, ich würde mir vor dich stellen. Und würde dich anschreien, wie sehr ich dich hasse und wie sehr ich es beschissen finde, dass du keinen einzigen Funken Anstand hast und dich irgendwann einmal meldest. Dass ich dir scheißegal bin und einfach so aus deinem Leben gestrichen. Dass wir nie funktioniert haben, und das alles nur wegen dir. Wie sehr ich von dir enttäuscht bin und wie gern ich dich nie mehr wieder sehen möchte. Dass du jetzt einen wunderbaren Menschen als potentiellen guten Freund verloren hast. Dass du schon wieder verloren hast, wie immer. Dass du endlich aus meinem verdammten Kopf verschwinden sollst und dass ich es hasse, immer noch zu hoffen. Ich würde dir ins Gesicht schreien und würde wahrscheinlich zu Weinen beginnen, weil gerade diese Wörter, gerade all das seit Wochen und Monaten in meinem Kopf entstanden sind und endlich Freiraum brauchen.

Und nachdem ich Kettcar schon für Titel und Einstiegszeile verwendet habe, hier noch einmal deutschsprachige Musik. Klee.

Wir können das, denn wir sind anders.

Wir können es nicht. Ich versuche es nun endlich zu begreifen. Wir können es nicht. Können nicht Freunde sein, weil du, wie in die Beziehung, nichts investieren möchtest.

Und ich Vollidiot dachte, wir wären anders.
Wären anders.
Als all die anderen.
Und dann du.
Pah.

Du weißt wahrscheinlich gar nicht, was du für einen wunderbaren Menschen aus deinem Leben verlierst. Wen du verlierst, was für eine Persönlichkeit und was für einen Freund du hättest haben können. Einer, der immer für dich da gewesen wäre und mit dir über alles geredet hätte, der mit dir über deine neuen Beziehungen gesprochen hätte und der mit dir gelacht hätte. Du hast es versaut. Schreib es dir auf die Stirn. Okay? Du hast mich verloren. Du hast verloren. Aber wahrscheinlich weißt du das gar nicht. Du verstehst nicht.

Der Agnostizismus ist eine Weltanschauung, die insbesondere die prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens betont.

Wir müssen das nicht tun. Okay. Und ruf mich jetzt ja nicht in den nächsten paar Tagen an. Damit ich zusammenbreche, mit all der Wut und der Angst und dem Frust. Damit ich mich nicht freue, deine Stimme mal wieder zu hören. Ich will es nicht.

Verlieren.

Du kannst ja tun was du willst. Aber irgendwie würde ich dir gerne so viele Dinge ins Gesicht schreien.

Niemand kann bestätigen, dass eine Freundschaft nach einer Beziehung funktioniert. Ich war immer in diesem Glauben und viele Male hat es funktioniert. Doch du machst es mir nicht wirklich leicht. Wir hatten Abstand, einige Monate haben wir uns nicht gehört und gesehen. Irgendwann kamen wir wieder in Kontakt, machten uns ein Treffen aus. Um wieder einmal lange zu reden. Doch als wir uns dann sahen, fiel dir ein, dass du keine Zeit mehr hast. Du müsstest irgendwo hinfahren und ließest mich zurück. Es könnte mich nicht stören, doch ich hasste diesen Tag dafür.

Als wir uns das nächste Mal in einem Instant Messenger kontaktierten, kamen wir über Smalltalk nicht hinaus. Ich wartete auf irgendeine Antwort von dir, und erst als du offline gingst, hast du dich noch von mir verabschiedet. Kein Wort von dir, dass du nun eine Woche in London sein würdest, kein Wort von dir. Erst durch Zufall bin ich drauf gekommen und warte nun.

Frage mich, ob du dich jemals wieder meldest bei mir. Oder ob ich dir so egal bin, wie es mir zurzeit eben scheint. Wenn es so ist, kann ich nichts tun. Aber du weißt doch, wie schwer es mir fällt, einen liebgewonnenen Menschen aus meinen Leben verschwinden zu sehen. Wenn du dann einfach weg bist, und ich in Wien, wir werden uns nur ganz selten sehen. Wahrscheinlich stets zufällig. Und von Freundschaft wäre dann überhaupt nicht mehr zu sprechen. Dann könnte ich wenigstens sagen, du hättest es versaut.

Ich würde dich ewig dafür hassen, wenn ich denn irgendwann im Stande wäre, dich zu hassen. Wie kann es nur sein. Für mich unvorstellbar. Für dich wahrscheinlich nicht einmal einen Hauch anstrengend. Schreib am besten ein Buch. „How to lose someone, who loved me, forever“. Die Frage „Why are we still friends“ würde sich dann schon wieder in Luft auflösen.

This Is Me.

Ich beneide jeden Menschen, der sich selbst in wenigen Worten erklären kann. Mir fällt es schwer.

„Das bin also ich.“ Ein klein bisschen verstört blicke ich in den Spiegel. Hm. Will ich das überhaupt. Dinge über mich herauszufinden, die nur ich wissen kann. „Das bin ich.“ Ich wiederhole den Satz und versuche weiter zu denken. Doch die Gedanken drängen sich nicht gerade vor. Ich überlege mir, was ich bin.

„Ein Mensch.“
„Etwas zu dick.“
„Gefühlsüberladen und schüchtern.“
„Bei weitem nicht vollkommen.“
„Anders.“
„So, wie alle anderen.“
„Manchmal nervig. Manchmal übertrieben.“

Nicht viel kommt dabei heraus. Dinge, die ich schon längst weiß. Die mich an mir stören und die einfach mir gehören. Die meine Einzigartigkeit ausmachen und mich doch zu einem unter mehr als 6,7 Milliarden Menschen. Das ist vielleicht gut. Der vollkommene Mittelpunkt möchte ich sowieso nicht sein. Aber da muss es doch mehr geben. Positives und Wichtiges.

„Ich habe Freunde.“
„Ich habe Familie.“
„Ich habe Talent.“
„Ich bin …“

Besitz? Wer rechnet schon mit Besitz. Man kann keine Familie besitzen und keine Freunde. Es muss schon einen Grund geben, warum ich von allen unterstützt werde. Warum ich immer darauf zählen kann, dass irgendjemand Zeit für mich hat. Ich kann sie jetzt nicht nennen, diese Gründe. Aber es gibt sie. Viel zu wunderbar sind all die Freundschaften und die Familienverkettungen.

„Ich bin glücklich.“

Das ist es. Ich habe einen Weg gefunden. Das sind sie. Die drei Wörter. Die mich beschreiben. Und selbst wenn ich es mal nicht bin, ist es das, wonach ich streben. Ich möchte glücklich sein, und möchte ebenso glücklich machen. Und das funktioniert nur wirklich, wenn man es selbst ist. Ich bin glücklich, mit all meinen Makeln, meinen riesigen Fehlern, die ebe die Meinen sind. Eigenheiten, die mich ausmachen. Ich bin glücklich. Auch ohne Sonne.

Anders.


Langsam den Entschluss in meinem Kopf entstehen lassen. Wenn alles in Liebe, Freundschaft und Traumwelt nicht richtig läuft, ist es vielleicht wichtig, sich mal auf eines zu konzentrieren. Alles andere rechts außen liegen lassen. Weil eine dreifache Anstrengung einfach zuviel ist. Da nimmt man sich einfach zurück und zieht das eine Ding durch. Mein Leben mal anders. Bis zu meinem 20. Geburtstag.

Man konnte es mitverfolgen. Meine Probleme in der Liebe. Gefühle und Gedanken und Verliebtheit und Hoffnung und Absturz und Fall. Der regelmäßige Ablauf. Vielleicht kommt der Blog viel zu schmalzig rüber und vielleicht spürt man es nicht. Aber es tut mir schon weh. Wenn mir Menschen das Gefühl geben, mich zu lieben, es aber schlussendlich doch nicht bereit sind. Wenn ich als alleine unter Paaren sitze, ja, das ist ein beschissenes Gefühl. Ich wünsche mir einen Menschen, der so wunderbar und so einzigartig ist. Ich weiß nicht, wann ich sie finden werde. Ich weiß es nicht. Aber zumindest interessiert mich das Suchen einfach nicht mehr. Zu weh tat das alles schon.

Kürzlich erst kamen zwei Probleme, die ich mit Freunden hatte, irgendwie hoch. Jaja. Ich erzähle immer von der Wichtigkeit einer Freundschaft. Meiner Freundschaften, meiner Freunde. Ich möchte, dass es ihnen gut geht. Doch durch Verquerelungen innerhalb unseres Freundeskreises fällt es manchmal schon schwer. Dass ich jetzt die ganze Sache so beschrieben habe, dass ich mich von zwei wichtigen Freunden zurückziehen werde, nur um nichts kaputt zu machen, ist der Höhepunkt. Der Höhepunkt der beschissenen Woche und überhaupt. Zurzeit fühlt sich alles falsch an, aber ja, ich bin egoistisch. Ich lasse mir zurzeit echt nichts gefallen, bin ein großer egoistischer Arsch und habe ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vielleicht muss das einfach raus.

Und nun komme ich zum Dritten. Das Buch „Volle Distanz. Näher zu dir“ ist in Arbeit. Ich schreibe auf einem kleinen Block (DIN A6) nach und nach Absätze. Gut überlegt und wohl geformt. Doch ich komme kein kleines Stückchen weiter. Es dauert viel zu lange. Und so werde ich mich bis zum 6. Mai aus der Liebe und der Freundschaft zurückziehen. Einfach zurückstecken, nicht überall dabei sein, nicht alles gefallen lassen. Denn ich bin nämlich immer viel zu kompromissbereit. Ja, jetzt seht ihr ihn auch mal. Den Arsch vom Ikarus. Und ich habe keine Schuldgefühle. Warum immer ich. Warum muss ich immer aufpassen, dass Freundschaften gut laufen, dass die Beziehung nicht zerbricht. Ich könnte jetzt fluchen und mit Schimpfwörtern herumjonglieren. Es würde ja doch nichts helfen.

Ich werde mich zurückziehen. Werde an meinem Buchprojekt arbeiten. Werde wohl auf keine Party meines Freundeskreis gehen. Ich selbst werde natürlich schon eine veranstalten. Und werde auch alle einladen, selbst wenn jetzt Probleme da sind. Vielleicht legen sie sich. Aber bis dahin beschränke ich mich auf irgendwelche Kaffees. Mit einzelnen Personen oder zu dritt. Mal sehen. Oder Kino. Ich werde Zeit für mich haben. Für mich und nicht für euch. Ihr werdet mir manchmal fehlen und manchmal werde ich froh sein, euch nicht zu sehen. Denn so wie es jetzt ist, versaut ihr mir manchmal richtig den ganzen Tag. Und dazu habe ich keine Lust.

Und so wären das jetzt 43 Tage. Ich werde mich hier natürlich melden. Werde einige Kapitel fertigstellen. Und vielleicht gelange ich auch schon weit hinein in die Geschichte. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt. Es wird schon. Und zurückkehren möchte ich leicht anders. Ich, auf dem Weg zur Perfektion. Zu meinem auferlegten Möchtegern-Sein. Ich möchte mich wieder sportlich betätigen, vielleicht versuche ich auch mal wieder das meditieren, und ich möchte einfach ganz, ganz viel nachdenken. Aus den letzten 25 Tagen bis zum Ende meines Zivildientes das Beste daraus machen. Und schrieben. Endlos schreiben. Jede freie Sekunde werde ich schreiben, weil meine Kreativität scheinbar einen mächtigen Schub bekommen hat. Es müssen immer solche Momente sein, dass man sich zu so etwas beschließt, und dass die Kreativität anspringt, so wie sie es gerade bei mir getan hat.

Ich tauche unter. Bei manchen möchte ich das „Look What You’ve Done“- Gefühl hervorheben. Andere vermisse ich schon jetzt. So wird es sein. Ich habe Angst. Aber nun gibt es kein Zurück. Wohin sollte ich den gehen?

Edit:// Ich werde mich nicht zuhause einschließen. Werde nicht den Kontakt zur Außenwelt abbrechen. Nein. Ich werde auch weiterhin auf kleinen Zusammenkünften zu finden sein. Aber ich werde große Parties meiden, werde Menschenaufläufe, wie schon damals, wieder meiden. Aber das Buchprojekt soll trotzdem jetzt einen großen Fortschritt erleben.

In The Sun.

Ohne Bedenken ziehe ich los. Lasse sein, was mein Leben lang mein Eigen war.

Mit dem Gesicht schlage ich fast täglich hart auf dem nassen Asphalt auf. Stolpere in Gedanken, wenn ich mir die Zukunft ausmale. Alleine schon das Wort Zukunft ist lächerlich. Was sagt dieses Wort aus? Ist es doch nur Platzhalter für eine Zeit, die kommen wird. Die anders sein wird als in jeder möglichen Vorstellung. Es wird anders, und doch freut man sich viel zu überschwänglich auf das Danach. Ich bin es, der größte Architekt der Welt. Niemand baut so wunderschöne Traumschlösser wie ich. Mit soviel Prunk und überflüssigem Schnickschnack. Und ich bin auch der Typ, der einen Stein vergisst und das Schloss zum Einsturz bringt.

Kann ich mich eigentlich für irgendetwas begeistern? Ich wirke perspektivenlos, obwohl ich einer der wenigen Menschen meines Alters bin, der ganz genau weiß, wo er hin möchte. Schon vor fünf Jahren wusste ich, welchen Weg ich gehen möchte. Und natürlich, wie sollte es anders sein, so kurz vor der dem Beginn, lasse ich mich am Wegesrand nieder und bezweifle meine Entscheidung. Das hatte ich schon immer. Ich bin nicht sehr entschlussfreudig. Und zweifle unglaublich gerne. Denn wäre ein anderer Weg nicht leichter, schöner, sonniger?

Es sind nur mehr acht Handvoll Tage bis ich Leben 3.0 abschließen kann und nach einigen freien Tagen Leben 4.0 endlich losgeht. Ein neuer Lebensabschnitt. Es ist, als würde ich mich noch nicht dazu bereit fühlen. Als wäre ich noch viel zu jung, obwohl ich schon in meiner alten Schulklasse zu den älteren Semestern gehörte. Ich war ein Spätzünder und nach anfänglichem Ärger über diese Bezeichnung bin ich nun wirklich zufrieden damit. Es stimmt eben und nicht jeder kann das von sich behaupten. Den Gefühls- und Gedankenchaos auch mit 20 Jahren mit voller Wucht zu spüren, das hat schon was.

Ich müsste so viel verändern. Es gibt schon genug Texte, in denen ich über eine gewünschte Veränderung geschrieben habe. Mal war es das Gewicht, mal das ganze Leben. Ich möchte lieben können und möchte geliebt werden. Ich möchte ehrlich lachen können und möchte mich nur mit den Menschen unterhalten, die mich auch wirklich interessieren. Ich möchte Teil der Gesellschaft sein, und doch so anders. Möchte mich treiben lassen, während ich mit dem Strom schwimme. Und ja, ich habe mich verändert und ja, ich werde es auch noch weiter. Werde anders werden und doch immer so bleiben, wie ich bin.

I’m only happy in the sun. Es wird bald wieder Sommer. Sommer. Die Zeit, die mit Wärme und Freundschaft und Freiheit aufzuwarten weiß. Ich freue mich darauf und liebe es. Und sehne mich nach langen Abenden, und Sonne und den See. Wie wunderbar wird die Zeit. Und vielleicht zerschlägt diese Zeit auch all die Zweifel.

Erase You.

I’m fine without you. Would you erase me? Do I know you?

Es könnte so einfach sein. Würde mir nur ein kurzes Lächeln kosten und alles wäre wieder. Wäre so, wie es war, als du noch nicht da warst. Wäre so, als wärst du nie hier gewesen und nie gegangen. Es könnte so einfach sein. Alles in meinem Kopf, was mich mit dir verbindet, würde gelöscht werden. Dich hätte es nie gegeben, und ich müsste nicht immer nach Worten ringen, wenn ich vor einem deiner Bilder stehe, wenn ich deinen Antlitz sehe, dein Lächeln, dein Gesicht. Du, der du mich für eineinhalb Jahren zum glücklichsten Onkel der Welt gemacht hast. Du, der nach eineinhalb Jahren den wohl traurigsten Onkel zurückgelassen hast. Es könnte so einfach sein.

Einfach die Erinnerung löschen. Die wunderschönen ebenso wie die omnipräsenten beschissenen Erinnerungen. An die Totenhalle, an das Begräbnis, an den Zusammenbruch in der Kirche. An die Tränen und den Schmerz. Dieser Schmerz, der immer noch anhält. Manchmal schlimm ist, manchmal viel schlimmer als er jemals war. Wenn ich dich aus meinem Kopf löschen könnte, wäre mein Leben um einiges leichter. Nicht immer in Gedanken an diesen einen Neffen, der den Sonnenschein zurück in die Familie brachte. Der mit seinem Lächeln Schmerzen linderte, und durch seinen Abschied nun täglich neue Schmerzen verursacht. Ich würde zwar all die einzigartigen Momente, als ich dich in den Schlaf sang, und du an meiner Schulter Tränen verlorst, all das würde ich verlieren. Aber jetzt überwiegt der Schmerz.

Doch ich könnte dich nicht löschen lassen. Dich, aus meiner Erinnerung. Denn du bist doch nicht nur in meinem Kopf, in meinem Gehirn, in meinem Gedächtnis. Den größten Platz hast du wohl in meinem Herzen. Und da kann man nichts löschen. Menschen, die mich durchs Leben begleiteten, ob nun beinahe zwanzig, oder fünf oder eineinhalb Jahre. Sie sind nicht weg, wenn sie aus dem Leben sind. Sie bekommen einen Speicherplatz in meinem Herzen. Und wenn all meine Erinnerung an dich gelöscht worden wäre, würde mir mein Herz immer mal wieder einen Stich geben, um mir zu zeigen, dass noch etwas von dir da ist.

Du kannst nicht einfach verschwinden. Bist zwar viel zu schnell aus dem Diesseits verschwunden. Aber du bist immer noch da. Wenn meine Mutter weint, die großartigste Großmutter, die ich jemals gesehen habe. Wenn dein Großvater sprachlos und in Tränen an deinem Grab steht. Wenn unsere Familie am Tisch sitzt und die Sprachlosigkeit überwiegt. Wenn meine Mutter Bilder von dir aufhängt, im Wohnzimmer, in der Küche. Du bist omnipräsent und erschwerst mir jeden einzelnen Tag.

Die Zeit heilt alle Wunder
schon nach wenigen Jahren
nur noch Narben da, wo Wunder waren.

Wir sind Helden – Die Zeit heilt alle Wunder

Du warst das Wunder und das hier jetzt, das sind die Narben. Du hast sie hinterlassen, an meinem ganzen Körper. Ich habe mich verändert, als du da warst und als du gegangen bist. Bin über mich hinausgewachsen, als ich in der Kirche Worte für dich verlas. Glaubte, einen Weg gefunden zu haben. Aber der Weg ist holprig und verschlungen. Vielleicht auch nur ein Kreisverkehr. Immer wieder an diesen Punkt kommen, und weitergehen. Weil stehen bleiben nicht gilt. Du bist weg, ich bin hier. Möchte da sein, doch es tut weh. Jeden Tag wieder, wenn Bilder von dir meinen Weg versperren. Wenn ich den Kopf wegdrehe, um dich nicht ansehen zu müssen. Ich hasse diese Momente und meide die Plätze, wo ich deine Bilder finden kann. Du bist noch viel zu präsent, um mit dir abschließen zu können.

Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.

Antoine de Saint-Exupéry

Eben. Wenn ich mich getröstet habe. Das dauert noch.