
Wenn nur mehr Worte zählen, und die Tage nichts mehr wert sind. Wenn Tränen wärmenkönnen, und Feuer weint. Wenn Schmerzen lachen, und Worte einem Leid zufügen. Dann, ja dann ist das Leben lebenswert.
Wenn man nebeinander sitzt, sich Blicke schenkt, Gedanken teilt, und sich Berührungen wünscht. Dann zählen nur mehr Worte. Wenn man glaubt, die Blicke zu verstehen, passiert es immer wieder, dass Gedanken den Kopf vollmüllen. Das Worte von den Lippen gelesen werden können, selbst wenn der ganze Mund ruht. Die Angst vor Nähe, und die Angst vor Ablehnung lässt einen jedoch still ruhen um das Problem der Unnahbarkeit für sich in Anspruch zu nehmen. Verlässt sich auf den ersten Schritt des anderen, um dann doch nur wieder mit tränengefüllten Gedanken alleine im Bett zu liegen. Und nicht einschlafen zu können, da diese unausgesprochenen Worte doch mehr sind als nur Leere und Luft. Sie beklemmen, erzeugen Krämpfe, und halten einen wach.
Wenn man nebeneinander sitzt. Zwei Freunde. Menschen mit geteilter Seele. Verwandte der Gedanken. Und doch die Vergangenheit über diesen beiden Freunden liegt. Sich Gedanken in das Hirn schleichen, und man denkt, dass alles doch wieder so wie früher ist. Man sitzt neben diesem Menschen, der einem manchmal mehr bedeutet als die gesamte Welt in ihrer Sinnlosigkeit. Man möchte sprechen, vieles erzählen. Möchte, wenn man traurig ist, in den Arm genommen werden. Wenn man einsam ist, wünscht man sich diesen Freund zum In-die-Sterne-Schauen. Möchte manchmal einfach nur reden. Sitzt neben diesem Menschen und kann nichts sagen. Möchte erzählen, was einem auf dem Herzen liegt, und kein Wort in diese Richtung verlässt den Mund. Möchte sich beschweren, da sich dieser Mensch doch schon viel zu viel verändert hat. Und man sagt einfach nichts. Ein Kloß im Magen malträtiert die Gewohnheiten und die Gefühle für diesen Menschen. Und wenn man ihn dann das nächste Mal sieht, fühlt man sich zwar besser. Und doch bleibt das Unausgesprochene. Niemals werden beide davon erfahren.
Wenn man nebeneinander sitzt. Sich unwohl fühlt, am liebsten den Platz verlassen möchte und man dann doch merkt, dass genau diese Menschen einem die Erbanlagen geschenkt bzw. achtlos überlassen haben. Deren Anrede man als Erstes lernte. Der Vater. Die Mutter. Menschen, die einem mehr bedeuten sollten, als das Universum in seiner verdammten Unendlichkeit. Und doch hasst man diese gewissen Angewohnheiten eines jeden. Hasst den Umgang, hasst es, wie sie mit einem reden, hasst ihre Stimmen, ihre Worte. Man glaubt, den Glauben an sie schon längst verloren zu haben. Möchte oft einfach nur aufstehen, alles ins Gesicht schreien, möchte ihnen zeigen, was man so an ihnen hasst. Möchte Türen eintreten, Spiegel zerschlagen. Möchte all die Wut, die sich in einem Menschen aufstauen kann, herauslassen. Und doch bleibt man sitzen. Schluckt still den Schmerz hinunter. Und das Unausgesprochene kehrt immer wieder zurück ins Gedächtnis. Wenn man sie das nächste Mal sieht, wenn sie das nächte Mal mit einem sprechen. Alles bleibt gleich.
Und das Unausgesprochene überwiegt. All diese Worte, die nie den Weg finden. All diese Gedanken, die nie in Worte umgewandelt werden. All die Gefühle, die im Bereich der Gedanken steckenbleiben. All das überwiegt. Nur der Schmerz, die Angst, die Ungewissheit … nur das bleibt.
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