Angst vor. [Ein Epilog]

Manchmal, wenn wirklich beinahe alles irgendwie gut aussieht. Dann hat man plötzlich Ängste. Vor ganz banalen Dingen.

Eine Angst, die mir zurzeit sehr oft unterkommt, ist die Angst, beim Auswahlverfahren für das Publizistikstudium zu scheitern. Dieses Semester dürfen „nur“ 962 Studenten ins zweite Semester aufsteigen und so die Studieneingangsphase womöglich schon im zweiten Semester abschließen. Und eigentlich sieht es ja beinahe schon so aus, als müsste man nicht wirklich viel können, um da hinein zu kommen. Drei Prüfungen entscheiden über das Weiterkommen. Und die Prüfung mit den meisten Anmeldungen umfasst gerade mal 1015 Studenten. Wenn man die Tatsache, dass vielleicht 10 Leute nicht antraten und weitere 5 oder so schon zum dritten Mal antreten (und so nicht in unser Auswahlverfahren fallen), müssten gerade einmal 35 Menschen es nicht schaffen. Das heißt: 35 Menschen müssten schlechter sein als ich. Warum ich denn nun Bedenken habe?

Ich bin vielleicht einer, der für das Publizistikstudium, allein vom Interesse her, sehr gut geeignet ist. Ein Wissenstest (30 Fragen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen) endete mit rund 700 Studenten, die zwischen 0 und 10 Fragen wussten, 300 die zwischen 11 und 20 Fragen richtig beantworten konnten. Und genau 11 [in Worten: elf] die 21 bis 30 Fragen wussten. Laut meiner eigenen Einschätzung war ich einer der 11. Ich könnte auch die Aufnahme in die Journalistenschule in Wien schaffen, und ich bin auch einer der wenigen Erstsemestrigen, die von den Medien 2.0 und auch all dem Papierkram 1.0 schon zu einem großen Teil Bescheid wussten. Ich wäre also perfekt für das Publizistikstudium (und natürlich auch für das vorzeitig abgebrochene Politikwissenschaftsstudium, welches ich im 2. Semester wieder aufnehme). Und trotzdem die Angst vor dem Scheitern?

Das erste Semester in Publizistik (und scheinbar auch in allen anderen Studienrichtungen) ist voll mit unumgehbarer Theorie: Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, Einführung in das wissenschaftliche Schreiben, das wissenschaftliche Denken, das wissenschaftliche Lesen. [Horror!]. Und die Prüfungen waren zum Teil zwar logisch, aber das dumpfe Erlernen der Statistik-Theorie stößt mir selbst jetzt noch ungut auf. Und so habe ich Angst: Angst, dass Leute, die ihre ganze Schulzeit auf purem Auswendiglernen aufbauten und das nun auch bei ihrem Studium fortsetzen, ihren Platz im Auswahlverfahren bekommen, obwohl sie vielleicht überhaupt keine Ahnung vom aktuellen Weltgeschehen und von den Medien haben, in denen sie irgendwann einmal arbeiten wollen. 

Es wäre peinlich. Ich würde mich schämen, wenn ich einer der 35 oder der 50 Leute wäre, die es nicht schaffen würden. Die Prüfungen waren schwer und ich habe vielleicht auch etwas zu spät angefangen, zu lernen. Und es ist sehr wahrscheinlich dass ich es ja nun auch wirklich geschafft habe. Aber die Angst bleibt eben da. Und ich halte euch natürlich auf dem Laufenden. (der 15. Februar gilt als das Datum der nächsten Woche). 

Und das hier war jetzt ein Epilog. Ein Nachwort. Nach all den ersten Wochen und Monaten meines ersten Semester. Es war aufregend, erdrückend, langweilig, spannend, interessant. Es war so vieles. Und deswegen freue ich mich auch schon auf das zweite Semester, welches im März schon wieder losgeht. Und habe nun jetzt noch einige Aufgaben in den Ferien: das Schreiben einer Bewerbung für die Fachhochschule in St. Pölte, das Schreiben einer Bewerbung für ein Volontariat beim Standard. Und irgendwas wird dann eben so passieren. Das Gefühl, dieses „Es geht mir gut“-Ding, ist immer noch da. Und das ist auch gut so.

Running to stand still.

Nicht schon wieder das Liebestheme. Hier in meinem Leben. Hier in dieser Gedankenansammlung. Hat man denn niemals seine Ruhe. Wohl kaum, vor allem wenn es um dieses Thema geht. Alles hat sich verändert und doch werde ich immer noch enttäuschen. Ich bin mit mir noch lange nicht im Reinen, fühle mich aber wohl than ever before. Ich lerne kennen und lerne lieben. Auf irgendeine Art und Weise. Aber … es tut mir Leid. Ich weiß nicht.

Ich war noch nie in dieser Lage. Never ever. Really. Zu viel zu wissen. Zu viel über Liebe. Über Liebe und Gegenseitigkeit und über Einseitigkeit und ein richtig beschissenes Gefühl. Ich lebe dieses neue Leben hier in Wien und fühle mich von Tag zu Tag wohler, liebe den Tag, jeden, egal welchen. Liebe das Wetter und den Tee, den ich gerade zur Genüge runterschlürfe. Das Leben ist schon und ich fühle mich wunderbar. Ich liebe diese Hochs, die manchmal über mich kommen. Vielleicht dauert dieses ja etwas länger an. Maybe.

Eigentlich habe ich beinahe keine freie Zeit mehr. Oder verbringe die Zeit vor allem mit neuen Freunden und auch alten. Im Studentenheim habe ich mir schon einen Namen mit der neu eingeführten donnerstäglichen Teerunde gemacht. Und überhaupt fühle ich mich gerade wie Gott Ronaldinho Peter Jackson das beste Ich. Das beste Ich seit langem. 

Das so lange so sehr verhasste Wien wird zu dem, was ich mir immer wünschte. Ein lebenswerter Lebensraum. Eine Aufgabe für all die kommenden Wochen und Monate und Jahre und maybe. Okay, und ich gebs auch zu. Von der anfänglichen Befürchtung über das Thema Liebe schon wieder zu schreiben. Liebe umfasst ein weites Spektrum. Die Stadt, den Tag, die Welt. Alles ist gerade schön.

Und wenn ich dann heute zu Mittag bekocht werde (Jamjam, Kaiserschmarrn | Link) und man dann in die Bibliothek um eine Arbeit für Publizistik zu machen, dann freue ich mich einfach schon wieder auf den Tag nach der Nacht. Es wird schön. Es wird großartig. Und ich … will gar nicht erst an das möglicherweise kommende Tief kommen. Das wird jetzt mein Hoch. Bis … 2012. Mindestens, okay?

Der Titel gefällt mir deswegen so gut, weil es wieder einmal so perfekt auf mich zutrifft. Ich laufe, bin ständig unterwegs, mein Leben ist vollkommen und sinnvoll und großartig. Und erst jetzt kann ich mal still stehen. Und dann geht es mir einfach nur gut. Also … einfach mal einen Daumen hoch. Mit Obama kam also wirklich der so erhoffte Change. Dankeschön, und Gratulation natürlich noch einmal, Barack …

Foto by extranoise