
Plötzlich dreht er sich um und sagt, ganz so als würden wir ein Gespräch führen, zu mir: “Aber was mich wirklich beeindruckt ist, dass wir eigentlich die größte Angst vor genau dem haben, was wir im Grunde für das Richtige halten.” [4404 | Alternativen]
Nachdem der Wind meine sowieso schon störrischen Haare ein weiteres Mal durchfährt und ein Chaos zurücklässt, bleibe ich stehen und sehe mich um. Die Sonne scheint, zwischen den Häuserschluchten ist immer noch der blaue Himmel zu sehen. Doch für den kurzen Moment scheint gerade wieder einmal nichts wirklich zu passen. Überlegungen müssen angestrengt werden, um am Ende nicht vollkommen überrumpelt dazustehen. Doch schon der nächste Schritt ist gezeichnet von Zuversicht. Blinder, naiver Zuversicht. Wie ein kleines Kind, welches stolpert, sich erschreckt, die Kieselsteine aber sofort wieder sorgfältig aus den zarten Kniescheiben herauspuhlt um unbesorgt den Weg fortzusetzen.
Es ist nicht schwer, sich glücklich zu fühlen. Man kann sich vieles einreden, kann vom unendlichen Glücksgefühl sprechen, sich hineinsteigern und plötzlich ist es ein Muss. Ich weiß nicht, ob es das ist, was mich seit Wochen und Monaten so schweben lässt, ganz sanft. Aber es ist doch immer unsere Aufgabe, einfach mal aufzustehen. Genau das ist es doch, wofür wir leben. Würden wir bei jedem kleinen Hindernis liegen bleiben, wäre die Welt gesäumt von liegengebliebenen Gestalten. Man muss noch vorne blicken. Und voller Angst in die ungewisse Zeit hineinleben.
Ich erinnere mich noch an die Magenkrämpfe, die mich vor und während meiner ersten Wochen in Wien begleiteten. Der Neuanfang, den ich mir so lange wünschte wurde zu einem schmerzhaften Pfad, der erst nach und nach durch Bekanntschaften und Begegnungen aufgelockert wurde. Was für mich noch ein viel größeres Problem als die Angst selbst darstellt, ist die ständige Frage, ob es das Richtige ist, was ich hier tue. Ob ich nicht für etwas anderes bestimmt bin. Der eingeschlagene Weg ist die Notlösung bis ich endlich dazu im Stande bin, meinen großen Traum zu verwirklichen. So denke ich zumindest. Wie lange es noch dauern wird, und wie ich mich dann schließlich verhalten werde, weiß ich nicht.
[…] was wir im Grunde für das Richtige halten. Was ist richtig und was falsch? Ich entscheide dabei immer aus dem Bauch heraus. Und nach der einfachen Grundregel: Richtig ist, was mich glücklich macht. Bis jetzt bin ich immer gut damit durch die Welt spaziert. Dass sich in diesem Jahr sowieso wieder alles zum Guten, zum Besten und womöglich gar zum Großartigsten wenden wird, davon bin und bleibe ich überzeugt. So ganz naiv und blind.
