Lippen.

Als sich unsere Lippen das erste Mal berühren, bin ich einfach nur glücklich über die Tatsache, dass ich bereits sitze und mich meine Beine nicht halten müssen. Unsere Lippen passen so wunderbar zusammen, unsere Augen sind geschlossen, ich spüre ihre Zunge. Herzklopfen. Stille.

„Vielleicht ist es das hier.“

Ich fasse sie an, berühre ihren Hinterkopf, streiche ihr durch die Haare. Immer noch hängen wir an unseren Lippen, kurz habe ich die Augen geöffnet. Sie streicht mir über den Rücken. Wir denken nicht daran, uns voneinander zu lösen. Soweit wir es hören, öffnet sich kurz die Abteiltür, aber niemand steigt ein. Niemand setzt sich dazu.

„Was? Was meinst du?“

Wir lösen uns. Emily sieht mir tief in die Augen, sieht mich an, als würde ich ihr alles erzählen. Oder als würde sie bereits alles erfahren, durch ihren in mich eindringenden Blick. Ein weiterer, kurzer Kuss. Auf den Mund, die Wange, den Hals. Sophie wird mir nicht glauben, was hier passiert ist. Wird nicht glauben, dass ich jetzt erstens neben Emily sitze und wir uns zweitens schon geküsst haben. Das habe nicht mal ich geglaubt, in meinen kühnsten Vorstellungen. In meinen Träumen von ihr, die mich einige Nächte bisher mal besser, mal weniger gut haben schlafen lassen.

[aus: Volle Distanz. Näher zu dir. Kapitel 8 „Abteil“]

Zwei Sekunden. [1]

7:34:37 Dein Körper, wie er so hauchzart direkt neben mir in meinem Bett liegt. Deine Brust, die sich sanft hebt, bei jedem Atemzug, den du tätigst. Die Stille hier in diesem Raum und meine Hand, die sanft auf deinem Bauch liegt. Draußen höre ich schon die Vögel, wie sie zu ihrem allmorgentlichen Konzert anstimmen. Der leicht verrauchte Geruch unserer Kleidung, die ihren Platz nur knapp neben meinem Bett gefunden hat, welcher all die Lokale der vergangenen Nacht perfekt aufgesogen hat. Deine Augenbraue, die zart zuckt, als würdest du gerade etwas träumen. Diese Berührung, die wir wagen, die Nähe, welche wir uns zutrauen, diese Geborgenheit, die wir uns geben. Ich versuche nur merklich zu atmen, doch selbst mein Herzschlag beschränkt sich nicht mehr nur auf meine linke Brust. Die eine Strähne, die ich dir mutig aus dem Gesicht wische und unsere Lippen, wie sie sich berühren.

7:34:38 Wir.

Diese eine Umarmung.

„Wart mal.“ Deine Hand fasst die meine, die beiden versinken in wohltuende Symbiose. „Hm?“ – „Ach. Nichts.“, lächelst du und unsere Füße tapsen weiter die Straße entlang. Es ist dunkel, schon Nacht geworden, vor Stunden. Hier ist die Stille, kein Auto, nur wir. Die erste warme Nacht in diesem Jahr, keine Spur von frostigen Temperaturen. Wir tragen unsere Schuhe und Socken in der Hand, fühlen den immer noch warmen Asphalt auf unserer Haut. Einmal Pause, bitte. Für immer.

Foto: Guillaume Lavaure | flickr

Du bleibst stehen, stellst dich etwas auf deine Zehen, küsst mich auf die Wange. Und setzt dich mitten auf die Straße. „Komm schon. Hier kommt doch nie jemand vorbei. Nicht um diese Uhrzeit.“ Zuerst sitzen, dann liegen wir. Über uns das Firmament voller hellleuchtender Sterne. Die Wolken haben sich verzogen, die tagsüber immer mal wieder fälschlicherweise Unheil vorhersagten. Dein Kopf auf meiner Brust.

„Es schlägt.“, bemerkst du und mit diesem Satz höre auch ich es. Sanft streichst du mir übers Gesicht und siehst mich an. Durchdringst mich, mit deinem Blick, machst mich hilflos, vollkommen still. Nur du hast diese Macht. Deine Augen, aus denen Liebe spricht. Und Freundschaft. Verständnis und dieses Gefühl, dass dir meine Nähe nicht unangenehm ist. Wir beide.

Minuten scheinen zu vergehen, zwei Sternschnuppen später dann plötzlich Motorengeräusch. Noch weit genug weg, um rasch zum Gehsteig zu gelangen. Wir lachen, nehmen uns in den Arm, und gehen weiter. Irgendwann dann dieser eine kleine Weg, zwischen zwei Häusern, von Straßenlaternen gesäumt, mit Treppen gepflastert. Und ich ziehe dich nach unten, wir fallen die paar Stufen hinab und unsere Lippen treffen sich in der Mitte. Fast schüchtern erforschen wir gegenseitig unsere Gesichter mit unsren Lippen. Halten inne, halten uns. Und zwischen Häusern und Himmel, zwischen Dunkelheit und Sternen, zwischen alledem, bleibt uns vielleicht nur diese eine Umarmung.

Jedes Mal, jeden verdammten Abend. [10]

Jalousien. 09122010

Da war dieser eine, dieser leicht betrunkene, etwas trockene Kuss. Dieser eine magische Moment, resultierend aus einer Umarmung, am Ende einer besonderen Nacht. Dieser eine Kuss, der das Tüpfelchen auf dem i sein sollte, der Beginn vom Nichts. Wir haben uns beide belogen und wir haben beide versagt.

Monatelang schon gingst du mir nicht mehr aus dem Kopf, ich genoss die Abende, an denen wir uns sahen, genoss die Gespräche und genoss die Zeit. Wir sahen uns Sterne an, wo keine Sterne waren. Ließen uns zurückfallen, wenn wir mit Freunden nach Hause gingen. Aber zu einem waren wir nicht im Stande. Jedes Mal, jeden verdammten Abend. Komme ich zuhause an, werfe den Schlüssel in die eine Ecke und krame in der anderen nach Zigaretten, die meine Unfähigkeit besänftigen sollen.

Irgendwann kam der Break, weil das Aussichtslose Überhand nahm und weil das Leben weitergehen musste. Unerwiderte Liebe als Jahresprojekte habe ich schon zur Genüge hinter mir und die Zeit läuft und der Unmut wächst. Das muss nicht wieder sein, denn wir haben doch auch noch was anderes zu tun. Anstatt uns in den Armen zu liegen und gemeinsam über Gott und die Welt zu reden. Anstatt unsere Gedanken zu teilen und gemeinsam Kaffee zu trinken. Wir Vollidioten.

Und dann, Monate nach unserem ersten Aufeinandertreffen, den ersten Gesprächen, dieser eine Kuss. Ich wusste schon, dass eine Ära vorüber, ein Ende gesetzt war. Unsere Ära, unser Ende. Du hast es mir dann ein paar Tage darauf erklärt, während Coldplay auf meinem iPod lief. Dass wir zu lange gewartet hätten, und dass, was jetzt kommen würde, nicht richtig sei, und dass es schön war, aber nicht jetzt. Für dich war es wohl mehr als dieser eine Kuss. Für mich war es der Anfang von etwas Unbestimmtem. Ein Bruchteil eines Nichts und nicht mehr. Wir haben beide versagt, erwachsen genug zu sein.

Und nein. Es geht nicht ganz ohne Gefühle.

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2010 ist das 2005 des neuen Jahrzehnts. Zumindest wenn man mein bisheriges Leben und mein Lieben in Anbetracht zieht. In diesem Jahr ist (bisher schon) viel passiert und ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

Ich habe geliebt (oh Gott, was habe ich nur geliebt), und nachdem ich aufgehört habe zu lieben, hab‘ ich geküsst. Und es zog mich nicht hinein, in diesen Strudel wiederauferstandener Gefühlswellen. Es war mir gleichgültig und was zählte war der Moment. Solche Momente sind Millionen wert und sie fühlen sich beinahe besser an, so ganz ohne dem Gefühl der Liebe, rein gestützt auf Neugier und zittrigen Knien.

Es blieb bei dem Kuss und mit einem Mal bemerkte ich, dass ich plötzlich an einem Punkt angekommen war. Einem Punkt, an welchem ich immer sein wollte, es aber insgeheim wusste, dass ich nie so werden würde. Ich bin ein gefühlsbetonter, ein gefühlsgeleiteter Mensch und ich kann oft nichts dagegen tun, etwas zu empfinden. Selbst wenn ich weiß, dass es mir im Grunde genommen nur weh tut und es noch wochen- oder monatelang an mir zehren wird. Aber es hat sich geändert. Es war mir egal, dass nach dem Kuss ein Korb folgte, aufgrund der Liebeshochs- und tiefs vor dem Kuss. Für mich war es nur das: Ein Kuss, mit der Möglichkeit, mal zu sehen, wie es weitergeht.

Immer noch kann ich fühlen, mich verlieren in der Wahnsinnigkeit schmetterlingserzeugten Kribbelns. Aber ich habe dazugelernt, dass es nicht immer notwendig ist. Dass es das Leben leichter macht und es einen um viele Sorgen ärmer. Mein Lieben hat sich an mein Leben angepasst. Es fühlt sich nicht mehr so an, als wolle ich mich durch meterdicke Wände boxen, sondern als würde ich in ein Meer aus Kissen fallen. Nirgendswo mehr etwas zum Anstoßen.

Und dann kam dieser bedingungslose, bedeutungslose Sex. Es war nichts da, außer Neugier, Lust, Hingabe. Viele Gedanken davor, und die Gewissheit danach, dass es nichts weiter war als das. Und auch hier kein Gefühle der über das Platonische hinausgehenden Liebe. Nichts außer dem Gefühl, dass es sich so eben manchmal doch irgendwie leichter lebt. Kein Gedanke an „Gut oder Schlecht“, an „Richtig oder Falsch“. Darauf kommt es doch in Wahrheit nicht an. Was zählt ist die Macht des einzelnen Moments.

Man darf sich über so etwas keine Gedanken machen. Man sollte einfach versuchen, genüsslich vor sich hinzuleben. Und nicht erwarten. Nichts erwarten. Und dafür braucht man kein gefühlsloser Mensch werden. Denn nein. Es geht nicht ganz ohne Gefühle. Aber muss es denn immer Liebe sein? Nein, nicht wirklich.

Vielleicht ist es ja auch doch Liebe. Aber eben nicht für die Ewigkeit, sondern für den Moment. Keine Erwartungen, keine Hoffnungen. Leben für diesen einen wunderbaren Moment. Im Grunde genommen ist das für mich etwas wirklich Wunderbares.

Und ja. Ich möchte mich wieder Hals über Kopf verlieben. Möchte mich wieder einmal vollkommen hingeben, Händchen haltend spazieren gehen, miteinander einschlafen. Als Erster wieder aufwachen. Aber das hat doch Zeit. Und so lebe ich glücklich durch all diese kleinen Momentchen, stolpere immer noch von grandiosen Hochs in bodenwegziehende Tiefs. Aber vielleicht ist es so, dass ich jetzt endlich wieder einmal das Leben in vollen Zügen atme. Und genieße.

Ein wunderbares Gefühl, wisst ihr?

Welcome Home.

„Uns fehlt der nötige Weitblick“, sagst du, und stellst dich vor mir hin und versuchst mit zusammengekniffen Augen voller Mut in die Dunkelheit dieser Nacht zu blicken. Es ist irgendwas nach Mitternacht und irgendetwas verdammt knapp vor Sonnenaufgang. Die Feuchtigkeit der Luft befeuchtet immer wieder unsere Lippen und schön langsam geht auch die Kälte aus unseren Gliedern und unserer Kleidung hinaus. „Welcher Weitblick?“, frage ich und wir setzen uns.

Wir brauchen keinen Weitblick, denk ich mir und streiche langsam über das nachtnasse Gras und robbe mich etwas von der Decke herab, die hartnäckig versucht, uns halbwegs trocken zu halten. Wir brauchen keinen Weitblick, weil wir doch nur jetzt sind. Wir sind hier und jetzt und verdammt. Ich denke meist nur die nächsten paar Tage weiter, habe nur einen groben Plan von der kommenden Woche. Aber du siehst mich an.

Siehst mich an und ich weiß, was du denkst. Es ist schwer mit mir zu leben, bin ich doch unzuverlässig wie kaum jemand anderer, und. Ja, es ist schwer mit mir zu leben.  Mit mir beisammen zu sein und sich ausgiebig mit mir zu beschäftigen. Dein Kopf ruht auf meiner Brust und du spürst wie ich atme. Ein. Aus. „Wir brauchen keinen Weitblick.“, sage ich schließlich. Die ersten Strahlen der frühen Morgensonne kommen heraus und du blickst mich an. Küsst mich und ich möchte dich einfach nur wegstoßen.

Weil du mir Angst machst und ich leider auch zur Genüge weiß, wie ich bin. So etwas wie das hier, mit dir. Dieses wir. Es lässt mich all die Unzuverlässigkeit verlieren und plötzlich würde mein Leben sogar wieder so etwas wie Rhythmus erlangen. Und ich wäre wie verändert, so mancher würde mich kaum wiedererkennen. Und dann wäre es eines Tages vorbei und ich würde wieder da stehen. Vollkommen alleine. Unter Freunden. Und würde durch den ungewohnt fehlenden Rhythmus stolpern und einfach nur hoffen, dass alles wieder vorbeigeht und ich vielleicht auch von selbst wieder zurückfinde.

Und aus Erfahrung weiß ich, dass ich es nicht kann. Dass ich nach solchen Enden, ob überraschend oder vorhersehbar, einfach nur peinlich bin. Wie ein kleines Kind, wie jemand, der mit Verlusten nicht umgehen kann. Und ja. Ich kann es nicht. Auch heute nicht, und auch nicht jetzt.

Deswegen lass‘ uns doch bitte hierbleiben. Hier, in diesem Moment. Folge mir hinein in meine Kurzsichtigkeit. So brauchen wir nie Angst zu haben, dass die Liebe irgendwann einmal vorbeigeht. Wir würden uns nie von der Angst treiben lassen und hätten die Freiheit uns zu lieben. Uns zu lieben, im Hier. Verstehst du was ich meine?

Die Sonne ist aufgegangen und du küsst mich immer noch. Ich halte es kaum aus, liebe die Nähe und spüre die Angst. Muss jetzt gehen, um nicht mich selbst zu verlieren. Verabschiede mich vorsichtig und setze zum Rückzug an. Ich will nicht mit dir gemeinsam nach Hause gehen, jetzt, so früh am Morgen. Ich möchte jetzt gerne alleine sein. Irgendwo in der Ferne geht eine Alarmanlage eines Autos los.

Und ich versuche, mich nicht umzudrehen und lasse dich einfach sitzen. Auf dieser Decke, in dieser Wiese. So früh am Morgen und irgendwann hört schließlich auch die Alarmanlage auf. Welcome home.

 


Like This!

Foto: enixii

Dieser Moment gehört uns. Uns ganz allein.

Als ich tief einatme, spüre ich den herbstlich kalten Wind meine Luftröhre hinunterzischen. Es hat mächtig abgekühlt, und doch kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen, als wir halbnackt am See lagen oder nackt im Fluss schwammen. Doch es sind Wochen, die sich seither dazwischen geschoben haben. Es ist Herbst geworden und die ausgemergelte Landschaft bekommt wieder ihren nötigen Kraftstoff. Regnet es nicht eigenlich nun schon seit Tagen?

Sie, die die ganze Zeit neben mir an dieser Hausmauer lehnte, schnippt den Stummel ihrer Zigarette in die Wiese vor uns. Langsam rückt sie näher zu mir und legt ihren Kopf auf meine Schulter. Obwohl ich es nicht sehen kann, weiß ich, dass sie ihre Augen geschlossen hat. Ich tue es ihr gleich und gemeinsam lauschen wir noch einige Momente lang dem Tascheln des Regens. Ich höre ihren Atem, und sie wahrscheinlich den meinen. Was wollten wir hier eigentlich tun?

Ich zünde mir noch eine Zigarette an, öffne dafür kurz meine Augen und genieße diesen Moment hier mit einem tiefen ersten Zug. Sie ist so sanft und ruhig. Nur das Heben ihrer Brust macht es mir deutlich, dass sie atmet und eben neben mir steht und wahrscheinlich gerade auf meiner Schulter eingeschlafen ist. Es sind Momente wie diese, die mich aus tiefstem Inneren lächeln lassen. Die dazu beitragen, dass ich mich gerade so glücklich fühle.

Unsere Freunde werden uns vermissen, wenn wir nicht gleich zurückgehen würden. Aber es ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Dieser Moment  gehört uns, uns ganz allein. Und nachdem ich eine Kurznachricht ausgeschickt habe, wird er wohl noch einige Zeit uns allein gehören. Ich lege meinen Kopf, ganz sanft, um sie auf gar keinen Fall auufzuwecken, auf den ihren. Wieso können wir nicht so sitzen bleiben, bis zum nächsten Morgen. In dieser unglaublich vertrauten Zweisamkeit. Gefangen, hier, zwei Individiuen, in dieser Unendlichkeit.

Plötzlich bewegt sie sich wieder. Mit verschlafenem Blick sieht sie mir ganz tief in meine Augen. Und als wir nun hier sitzen, kommen sich unsere Gesichter immer näher. Unsere Lippen berühren sich, ganz sanft, zärtlich. Ihre Lippen wandern den Hals hinab, bis sie ihren Kopf wieder auf meine Schulter legt. Ich bin ein weiteres Mal sprachlos hier.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, unsere Körper aneinandergekuschelt und von irgendeinem Freund irgendwann nachts mit einer dicken Decke zugedeckt, spüre ich nicht. Ob es nun ein Traum war, oder eben nicht.  Aber es muss beinahe einer gewesen sein. So schön, wie all das war. Als die Morgensonne unsere Gesichter zu kitzeln beginnt, und auch sie wieder munter wird, wird es mir klar.

Es ist egal. Es ist doch verdammt noch einmal egal.

photocredit: db*photography | flickr

Pause-Rewind-Stop-Play.

Wie langsam deine Finger über meine Hand streichen. Als würde sie nur zufällig meine Haut berühren. Und als wärst du nur zufällig hier. Hier bei mir. Aber das bist du nicht. Du bist gekommen, einfach, weil ich dich gebraucht habe. Hast mich nicht im Stich gelassen, so wie du es von mir eigentlich gewohnt sein solltest. Ich kann eben nicht anders.

Du bist hier und beinahe sieht es so aus, als würdest du unsere gemeinsame Zeit genießen. Als wärst du gerne hier. Du lächelst. Hast du etwa bemerkt, dass ich über dich nachdenke? Das hättest du schon seit Tagen bemerken können. Aber wenn du deshalb zu Lächeln beginnst, werde ich noch ewig an dich denken. Versprochen. Ich liebe dein Lächeln.

Ein Kuss. Du überrascht mich. So zärtlich und warm.

– PAUSE –

So soll es sein. Bitteschön.
Bis ich Lust auf etwas Anderes habe.

– REWIND – STOP – PLAY –

Ein Versuch.

„Und wenn wir es wenigstens einmal versuchen?“
„Es hat keinen Sinn. Glaub es mir.“
„Aber. Ein Versuch.“

Die Beiden stehen sich ganz nahe gegenüber, jeder Lufthauch des Einen berührt das Gesicht des Anderen. Die Blicken treffen sich beim Schweifen durch den strahlend heißen Himmel.

„Warum aufgeben, bevor irgendetwas begonnen hat?“
„Weil …-“

„Das hättest du nicht tun sollen. Nein. Nicht jetzt.“
„Ich musste es tun.“

Der Kuss hängt noch an seinen Lippen und die sanften Berührungen ihrer Münder behalten noch für einige Sekunden ihre Wirkung. Es ist still hier, in dieser pulsierenden Stadt. Rund um sie herum irren Menschen umher, auf der Suche nach der Zukunft. Auch wenn das wahrscheinlich nur die kommenden fünf Minuten sind. So weit wollen Menschen nämlich gar nicht denken. Die Zukunft macht Angst.

„Du hast Angst, stimmt’s?“
„Mhm.“
„Ich auch.“

Ihre Lippen berühren sich ein weiteres Mal. Ein Angstkuss sozusagen. Sie sieht in seine Augen und erblickt sich selbst wieder. Ratlos stehen sie da, warten auf Anweisungen von oben, die nie kommen werden.

Ein weiterer Kuss noch.  Sie lächelt.

Sommerregen.

Es riecht nach Regen.

Du ziehst mich zu dir heran, greifst meine Hand. Unsere Finger verflechten sich zur scheinbar unlösbaren Verkettung unserer beiden Körper. Ein Lächeln befleckt dein Gesicht, so herzhaft ungezwungen, so sonnig-zart. Wir fühlen uns einzigartig, zwischen all diesem promenierenden fahlgrauen Gestalten um uns herum.

Und mit dem ersten Regentropfen, dem ersten wundervoll warmen Sommerregen in diesem Jahr ziehen wir uns die Kapuzen unserer Pullis über unsere Köpfe. Wir sind glücklich. Als der Regen immer stärker wird, bleiben wir stehen. Die unbändigen Tropfen durchnässen unsere Kleidung, unsere Haare, unsere Körper. Und als wir uns zu küssen beginn, scheint es plötzlich so absolut vollkommen still. Wir sind allein hier. Einsam hier in der Mitte der Welt.

Es riecht nach. Nach Sonne wahrscheinlich.

[n1/the larch|flickr]