Ein Geschenk. Für mich.

Daniel Glattauer

Dieses Geschenk habe ich mir selbst zu meinem 21. Geburtstag gemacht. Eine Lesung von Daniel Glattauer aus seinem neuen Buch „Alle sieben Wellen“ (dem Nachfolger zu „Gut gegen Nordwind“) und seiner Kolumnensammlung „Schau ma‘ mal“. Es war einfach wundervoll großartig, unterhaltsam, muskelaufbauend (und trotzdem war es ein schöner Stehplatz). Und seit gestern weiß ich auch, dass Herr Glattauer mein großes Vorbild ist. Er wollte schon als Jugendlicher Autor werden, wurde dann aber Journalist. Hörte jedoch nie auf weiter zu schreiben und hat eben nach mehreren zwar schon erfolgreichen Büchern schließlich mit „Gut gegen Nordwind“ den großen Durchbruch geschafft. So mach‘ ich das auch. Genau so. Und dann werden bei mir 97 Prozent Frauen drinnen sitzen und meinen Worten lauschen. Tjaja. So wird das.

Heut‘ Nacht. [Ein Gedicht]

Lass‘ mich
Dich spüren
Dich verführen
Jeden Abend.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Atmen, lass mich
Warten
Für immer.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Hoffen, lass mich
Lächeln.
Nur kurz.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ mich
Flehen, lass mich
Gehen.
Auf ewig.
Heut‘ Nacht.

Lass‘ uns
Zeit. Für immer.
Für die Ewigkeit.
Lass‘ uns
Stehen. Irgendwo.
In der Unendlichkeit. 

Lass‘ es
Sein
Nur den Schein.
Bewahre.
Heut‘ Nacht.

Bild von whatmegsaid

Start living down here. [Ein Gedanke]

Gestern Nacht (von 0:25 Uhr bis ungefähr 2:30 Uhr) sah ich zum ersten Mal einen Film, den man eigentlich in meiner Generation schon längst hätte sehen müssen. 8 Mile [2002], das Filmdebut von Eminem, schlug ja damals unglaubliche Wellen. Und ich muss zugeben, dass es einige Lieder von Eminem gibt, die mir auch heute noch außergewöhnlich gut gefallen. Und er neben Tupac wahrscheinlich der einzige Rapper ist, den ich auch häufiger Mal hören kann.

Aber worauf ich eigentlich hinaus will. In einer Szene meint B. Rabbit:

[…] Do you ever wonder at what point you just got to say „Fuck it, man“ like when you gotta stop living up here and start living down here?

Fuck it, man sage ich ja grundsätzlich eher selten, aber den Gedanken finde ich schön. Wer gibt schon gerne den Sonnenplatz auf, und fängt dann fünf, sechs Stufen darunter, mitten im Regen, wieder an? Aber, so schrecklich der Rückschritt auf anmutet, so hat es trotzdem etwas Gutes. 

Selbst wenn man sich jetzt gerade wohlfühlt, aber den wahren, großen Traum in dieser Situation nie erfüllen kann, so sollte man den Schritt wagen. Der Rückschritt ermöglicht einen viel besseren Überblick, viel größere Möglichkeiten. Als würde man auf einem einsamen Weg stehen, und ein paar Kilometer zurückwandern, um doch eine andere Abzweigung zu nehmen.

So fühle ich mich gerade wieder einmal. A little bit spooky, aber doch auch irgendwie schön.

Lass uns verschwinden.

Lass uns verschwinden.
Für ein paar Tage.
Für den Rest unsres‘ Lebens.
Einfach nur weg.

Dass niemand mehr weiß
Wie wir waren und
Wohin wir gingen.
Aus der Erinnerung verloren.

Lass uns verschwinden.
Ohne Bedenken.
Ohne Gedanken.
Einfach nur weg.

Dass unsere Gesichter verbleichen.
Die Tage verstreichen.
Das Leben hier endet.
Die Zukunft verblendet.

Lass uns verschwinden.
Aus dieser Welt.
Aus diesem Traum.
Einfach nur weg.

Kein Gedanke zurück.
Nur das Ich hier und das Du da.
Nur wir beide. Wir beide allein.
Alleine weg.

Alleine verschwunden.
In Einsamkeit gebunden.
Lass uns verschwinden.
Aus diesem Leben.
Aus dieser Welt.
Einfach nur weg.

Lass uns verschwinden. weiterlesen

Lebendig bleiben.

Manche wissen schon, wie sehr ich der düsteren Literatur des Michel Houellebecq verfallen bin. Seit mehr als einem Jahr lese ich ein Buch nach dem anderen, bin beeindruckt und geschockt. Und liebe jedes einzelne Buch. Sein kurzes Büchlein über die Dichtung hat mir zu denken gegeben. Gerade nach dem Tod meines Neffen und all meinen Erlebnissen.

Die Welt ist entfaltetes Leid. An ihrem Ursprungsteht ein Knoten aus Leid. Alle Existenz ist eine Ausdehnung und ein Zermalmen. Alle Dinge leiden, bis sie sind. Das Nichts erhebt vor Schmerz, bis das Sein erlangt: in einer furchtbaren Krise.

Die Wesen werden immer verschiedenartiger und komplexer, ohne etwas von ihrer ursprünglichen Art zu verlieren. Ab einem bestimmten Bewusstseinsniveau entsteht der Schrei. Aus ihm leitet sich die Dichtung ab. Und ebenso die artikulierende Sprache.

Die erste dichterische Handlung besteht darin, zum Ursprung zurückzukehren. Mithin: zum Leid.

Die Modalitäten des Leids sind wichtig; wesentlich sind sie nicht. Jedes Leid ist gut; jedes Leid ist nützlich; jedes Leid trägt Früchte; jedes Leid ist ein Universum.

Houellebecq beginnt so sein Buch. Und ich muss ihm nach all den Monaten, nach diesem Jahr einfach nur zustimmen. Erst heute, als ich meiner Mutter von dem bevorstehenden Interview erzählte, und ihr erklärte, warum gerade ich ausgewählt wurde, meinte sie. Dass du deine besten literarischen, deine bewegendsten, deine besten Texte stets in Zeiten der Trauer geschrieben hast. Und ich musste ihr zustimmen. Es war mir selbst aufgefallen, wie heftig leer die erste Woche nach dem Tod meines Neffen war. Und wie ich dann in meinen minimal literarischen Texten aufblühte. Seither, seit diesem Monat voll Geschichten, hatte ich nie mehr diese vollkommene Kreativität, dieses Können, diese Gedanken, diese sprachliche Schiene. Alles entstanden aus Leid.

Houellebecq meint, dass Dichtung, Literatur oder Kunst im Allgemeinen keinen Bestand hätte, wenn das Leid nicht den Künstler umhüllen würde. Eine beinahe heftige Aussage, denn ist es denn richtig, für die Kunst zu leiden. Sich in Situationen des Lebens zu stürzen um Leid empfangen zu können. Wohl kaum. Das Leid kommt und geht. Nach einem Tod. Nach einer Trennung. Denn auch die Trennung, das Ende einer Liebe bedeutet Leid. Man leidet, bemitleidet. Sich selbst vor allem. Aber auch das scheint seine Wirkung zu haben.

Lebendig bleiben. Ein schöner Titel für dieses Buch. Mit dem Ziel, lebendig zu bleiben, verschwende ich die Kunst. Ich lebe und verliere mich in Kreativitätslosigkeit. Manchmal, ein kurzes Aufblitzen, eine beinahe genialer Einfall, ein Geschenk. Und die Worte sammeln sich. Aber viel mehr lebe ich. Lebe in diesem Leben, welches durch Leid erschüttert wurde, doch das Leid nimmt nicht Überhand. Ich habe seit vielen Monaten nicht mehr geweint, wachse an meinen Erlebnissen, an meinem Leben. Jeden Morgen stehe ich mit einem Lächeln, mit Lebensfreude auf. Und hoffe, kein Leid empfangen zu müssen. Das Wichtigste, so scheint es mir, ist es, einfach lebendig zu bleiben.

Wachsen und werden zum Wald.

Da glauben wir immer, wir wären ganz außerhalb. Und dann stehen wir plötzlich in der Mitte. Heilige, die im Dunkel leuchten.W ir sind immer fassungslos, wenn auch nur einer uns im Gedächtnis behält über eine Zeit hinaus. An den Wegrändern sprechen sie seit Jahren und Jahren heimlich über uns. Das bilden wir uns nicht ein! Ein schnes Gefühl, in der nacht über unsre Autobahnbrücken zu fahren, und unten strahlt es aus den Lokalen: noch mehr Menschen wie wir! Ein heller Schein. Die Figuren, Fremde wie wir, Reisende, strömen in die Busbahnhöfe, um sich zu verteilen, von Ort zu Ort, und wir kommen über sie wie der Regen, der zeitig in der Früh die Schuhe durchnäßt. 

Alle sind wir anders. Die Stimmen ruhen und wir warten gebannt auf die Fortsetzung der Stille. Wir, gehalten von unserer Angst und getragen von der Antipathie  gegen uns. Nichts kann uns fordern, uns fördern, wir bleiben. Bleiben ruhig und wartend, auf die Ankunft. Wir warten, bleiben fruchtlos, voller Erwartung und voller Fragen. Nichts wird uns aufhalten in unserer Hoffnung und den Gedanken. Wir sind unser und eins sind wir.

Doch die Fremden, die nicht zu uns gehören, von fernen Städten geschäftiger Lärm. Im Geblätter rauscht es und schimmert. Der Boden, in dem wir liegen, schwankt, ein furchtbarer Schlag durchdröhnt ihn. Wir kommen heraus. Hinter uns andre Wanderer, sie folgen unsrem Andenken. Nicht eine Träne kosten sie uns! Ergeben sich drein, ein Zweites zu sein, und Abgestammtes. Ein Anhang zum Leben sind sie, das von ihnen, oder neben ihnen, aus eignem Triebe sich regte, ein vom Felsen zurücktönender Nachhall einer schon verstummten Stimme, sie sind, als Volk betrachtet, außerhalb des Urvolks und für dasselbe Fremde, und Ausländer. Sind nicht wie wir, nicht hier zuhaus in unserm Boden und werden vom Gebirge nicht gehalten.

Mit Blut getränkt der Boden. Still sinkt er zu Boden, langsam. Ohne Worte, nicht zu schreien im Stande, wortlos. Der Schweiß der Stirn, mit Haaren vermischt. Wo liegt die Notwendigkeit des Seins, wo der Glauben an den Tod. Wir haben uns und genügend sind wir. Wir brauchen nur uns und alleine sind wir stark. Wir müssen uns beschützen, unsere Geschichte und unsere Zukunft. Kein Leben der Ehrlosen auf unserem von Blut getränktem Boden.

Darum treibt ihn, Erde! Vom Herzen dir sein Übermut, und deine Geschenke sind umsonst und deine zwarten Bande, sucht er ein Besseres doch, der Wilde. Der Fremde, tödlcih ist ihm unser Boden. Aus Nichts ins Nichts, hart zwischen Nichts und Nichts. Wir sind zuhaus, wer mag uns danken? Wohl tut die Erde zu kühlen. Ein freundliches Licht kommt, und unser warmer Herd entzündet die Luft mit seiner unschädlichen Glut. Und bei des Fremdlings besonderer Stimme stehen die Herden auf. Wir sehen ihn nicht, und gesellte er sich auch zu uns, im Winde klirrten die Fahnen. Bis heute wäre er namlos, ewig hinab in die Nacht verwiesen. Verstummt unter uns Lebenden. Wir aber. Wir aber. Wir schauen mit offenen Augen und suchen immer nur uns. Wachsen und werden zum Wald.

Elfriede Jelinek, umstrittene Literaturnobelpreisträgerin 2004, schrieb mit dem Buch „Wolken.Heim.“ eines der beeindruckendsten Bücher meiner Sammlung. Selten erlebte ich, dass die Poesie der manchmal auch harten Worte, so wunderschön klingt, so melodiös und spannend. Die mit Anführungszeichen versehenen Stellen stammen aus dem Buch, die Texte dazwischen habe ich geschrieben. Natürlich ist das nicht meine Auffassung, meine Meinung, ich habe nur versucht, im Sinne der Idee des Buches, weitere Zeilen zu schreiben. Jelinek versucht auf satirische Weise zu erklären, was die Substanz des deutschen Geistes ausmacht: Wir-Gefühl, Heimattümelei, Sendungsbewusstsein und Nationalismus, damit verbunden die Abwertung des Anderen, der fremden Natur, der angeblichen Nicht-Vernunft. Schon klar, ihre Aussagen wirken heftig, wie jene eines Thomas Bernhard. Aber ich wage einmal zu behaupten, dass sie nicht ganz unrecht hat.

Hervorzuheben wäre vor allem, dass die verwendeten Texte in den BÜchern unter anderem von Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist und aus den Briefen der RAF von 1973-1977 stammen.

//Wolken.Heim. Elfriede Jelinek 3-15-018074-0

Manchmal.

 

GutBöseJaNeinAnAus.

Manchmal, wenn ich dir in die Augen sehe, frage ich mich, ob sie vielleich wirklich golden sind und nicht nur braun. Manchmal frage ich mich, ob das auch der Grund dafür ist, weshalb es dir so selten gelingt, mir in die Augen zu sehen, wenn ich dir nahe bin und weshalb du sie dennoch nicht zumachst, wenn du mich küsst. Ich frage mich, ob ich dich schön finde, weil du hässlich bist, ob ich mich nur danach sehne, von dir umarmt zu werden, weil mir kalt ist und ob ich dich nur deshalb in den Arm nehmen will, weil du kalt bist.

Manchmal frage ich mich, ob ich die Dunkelheit nur deshalb hasse, weil du sie liebst und ob die sie nur liebst, weil sie so dunkel ist und ich so hell. Und ich frage mich, ob ich nur so viel weine, wiel du es nicht tust, ob ich so wenige Worte habe, weil du sie im Überfluss besitzt, weshalb ich es fürchte von dir gefragt zu werden, wie es mir geht und ob ich es nur deshalb fürchte, weil ich weiß, dass du nur die Wahrheit akzeptierst, weil deine eigenen Antworten niemals wahr sind.

Manchmal frage ich mich, ob du mich wirklich so wahnsinnig und über alles liebst, wie du immer behauptest und ob ich dich nicht im Grunde nur liebe, weil du es nicht tust. Ich frage mich manchmal, warum du der einzige Mensch bist, der mich berühren darf, ohne dass ich zurückzucke und ob das daran liegt, dass ich fürchte, alle anderen könnten mich zerbrechen. Und dann frage ich mich, weshalb ich mir so sicher bin, dass du mich nicht zerbrechen wirst und ob es daran liegt, dass du selbst schon zu oft und in viel zu kleine Scherben zerbrochen wurdest. Ja, und dann frage ich mich, ob ich es sein soll, der dich mühsam wieder zusammensetzt und ob du zulassen wirst, dass deine Augen extra für mich wieder ein klein wenig golden schimmern.

Diesen Text hat Leah Spitzenpfeil vor gut zwei Jahren an den Literaturwettbewerb Sprichcode gesandt. Seit damals, seit er in der Zeitung abgedruckt wurde, trage ich ihn irgendwo an mir herum. Er gefällt mir unglaublich. Vielen Dank, Leah, für diesen wunderschönen, nachdenklich stimmenden Text.

Selbstgespräch. Und So.

Wirf du mir doch keine misanthropischen Blicke zu. Lass mich allein. Mit all der Melancholie in meinen Augen.

Der Computer ist eingeschaltet. Ich tippe für die Zeitung. Ich tippe für die Blogs. Und alles was passiert, ist die schnelle Aneinanderreihung verschiedener Buchstaben. Der Kaffee ist schon wieder leer und in die Teeküche zu gehen kommt für mich gerade auch nicht in Frage.

Sieh mich nicht so an. Ich kann doch auch nichts dafür. Ich bin doch auch nur ein Typ, so wie du. Wir sind ziemlich ebenbürtig. Doch dein Blick zeigt puren Hass. Meiner hinterlässt eine Spur der Melancholie. Mit wem spreche ich überhaupt. Ach, ich spiegel mich im Bildschirm. Schön und gut. Dr. Jekyll und Mr. Hyde, wie? Du lachst. Findest das wohl auch nur lustig.

Deine Finger krümmen sich unter der Last deiner imaginären Zigarette. Den Gesicht sieht aufgeschwollen aus, ganz träge, deine Mundwinkel hängen herab. So lach doch ein kleines bisschen. So wie ich. Sieh mal. Ach. Okay. Bei mir funktioniert das auch nicht immer. Vor allem nicht auf Befehl.

Du siehst müde aus. Ach, das Wetter gefällt dir auch nicht und schlägt sich auf dein Gemüt. Kann sein. Vielleicht hat dieses Wetter so eine Wirkung. Aber ich denke mir, was soll ich schon machen. Kann ja sowieso nichts ändern. Du siehst auf die Uhr. Ach, ist es jetzt schon so spät. Ich sollte mich zusammenpacken. Und du, bleibst du hier? Hältst du Wache, bis ich morgen wiederkomme?

Ich sollte aufhören, mit dir zu reden. Du gibst mir ja sowieso keine Antwort. Nichts. Wirklich nichts. Du zwinkerst nicht mal mit den Augen. Also los. Leg dich schlafen und hasse die Welt. Schließe die Augen, und hasse die Menschheit. Hau dir eine Kugel in den Kopf und hasse dich selbst. Ich bin viel zu selbstverliebt, um dass zu tun. Und gerade meine Selbstverliebtheit lässt mich auch Selbstmitleid produzieren. Und davon nähre ich mich.

Du, ich bin dann weg. Ich schalte den Bildschirm jetzt aus. Auf Wiedersehen. Oder besser nicht. Ähm. Tja. Übrigens. Ich mag dich nicht.

Mein Herz. Schlägt Im Dunkeln.

Mit der Hand auf deiner Brust und den Augen voll Ungewissheit. Dein Herz scheint zu schlagen, unter der Last des unentbehrlich nach dir flehenden Todes. Doch du lebst und bist bei mir. Ein Teil meiner Persönlichkeit und der Traum eines jeden Menschen. Ziel für viele Blicke und Treffpunkt vieler Neider.

Wir sitzen uns auf, lehnen uns in dieser schmalen Gasse an die Hausmauer. Sitzen nebeinander. Meine Jeans hat einen leichten Braunton auf meinem Schienbein. Wir beide atmen tief durch, waren wir doch Flüchtlinge vor dem Regime des Lebens. Du nimmst meine Hand. Drückst fest zu, um mir zu zeigen, dass wir weiterlaufen müssen. Ich blicke dich an, und werde Opfer deiner Augen. Du missbrauchst mich mit deinem Blick, ich spüre den Schmerz in mir, und es geht mir gut. Du springst auf und ziehst mich hoch. Ich spüre mich nicht mehr, verliere die Dunkelheit aus dem Augen.

Du hast so weiche Hände. Und deine Haare wehen im Wind, der durch unsere Bewegungen entsteht. Hat dir schon mal jemand gesagt, wie außergewöhnlich hübsch du bist. Diese blinde Welt, die du als deinen Spiegel einzunehmen versuchtest. Die Worte der Stummen zerbrechen in der Gewalt der Anderen. Ich kenne die Gegend hier nicht. Und doch kommt mir alles so bekannt vor. Haben wir uns verirrt, frage ich dich. Doch du antwortest nicht. Du hast schon den ganzen Abend nichts mit mir gesprochen. Ich vermisse deine Worte und den Hauch der Luft, die du geatmet hast.

Und während du mich ziehst, ich manchmal hinter, manchmal neben dir laufe, vermisse ich jedweden Zweifel. Aus purem Vertrauen folge ich dir durch diese Dunkelheit. Du scheinst dich ja auszukennen. Du musst eigenartige Augen haben, ich kann nicht mal Umrisse vernehmen und du wanderst vorbei an all den Hindernissen. Wovon laufen wir eigentlich davon. Vor irgendeiner Macht? Vor der Welt? Vor uns? Waren wir hier nicht schon einmal. Diese Dunkelheit kommt mir bekannt vor. Da hinten aber, da. Siehst du. Da ist Licht. Da sind Menschen. Da will ich hin. Es geht steil bergauf, und während wir, eigentlich schon außer Atem, dort hochspringen, stürze ich.

Ich verliere den Kontakt zu deiner Hand. Verliere den Kontakt zu dir. Bleibe liegen, das Licht da hinten erlischt. Die Dunkelheit nimmt mich wieder ein. Ich weiß nicht wo ich bin. So lange hast du mich geführt, ich bin dir mit blindem Vertrauen gefolgt. Du hast mich fallen gelassen. Und ich muss jetzt wieder zurechtkommen. Verlassen und alleine. Ohne zu wissen wohin. Es wird wohl lange dauern, bis ich den Weg zurück gefunden habe. Und bis dahin schlägt mein Herz. Im Dunkeln.

Fenster

Mit meinen beiden Händen stütze ich mich auf der Fensterbank ab. Ich habe erst um 9 Uhr eine Vorlesung. Was soll ich jetzt noch machen, diese drei Stunden lange. Und so fülle ich mir eine weitere Tasse Kaffee ein, nehme mir ein Buch. Elementarteilchen von Michel Houellebecq. Setze mich auf meinen kleinen Tisch mit den zwei Stühlen, der in der Küche steht. Und beginne zu lesen. Nach wenigen Minuten und zwei oder drei Seiten dieses Buches merke ich, dass meine Aufmerksamkeit nachlässt. Und schon bin ich eingeschlafen.

Er stülpte sich die Sturmmaske über seinen Kopf. Nur seine blau-grünen Augen kann man noch erblicken. Der Rest seines Körpers ist komplett schwarz bedeckt. Er befindet sich in einer unheimlichen Dunkelheit. Plötzlich zieht er die Pistole, die sich noch bis vor kurzem in ihrem Halfter befand.

Ich schrecke hoch. Als mein Kopf immer schwerer wurde und ich ihn nicht mehr senkrecht halten konnte, fiel er mir auf den Tisch. Und dabei stieß ich die Tasse Kaffee um, welche dann langsam aber fast brühend heiß über die Hand ronn. Schnell schnappte ich mir eine Küchenrolle, und versuchte den Kaffee wieder aus dem Buch zu verschwinden lassen. Was für ein guter Morgen. Heute geht doch wirklich alles gut. Ich begann, die Stunden, die Minuten, die Sekunden zu zählen. Ich hielt es kaum mehr aus in meiner Wohnung.

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