Was wäre nur. [Ein Abschied]

Was wäre nur, wenn ich dich nie wieder sehen würde. Wenn du jetzt weggehen würdest und nie wieder zurückkämest. Wenn das Aus-den-Augen-Verlieren einfach nur ein Resultat deines überraschenden Todes wäre. Wenn du in meinem Kopf nicht als stets fröhlicher, manchmal verwirrter Mensch in Erinnerung bleiben würdest, sondern mir tage- und wochenlang dein Gesicht nach deinem Tod, oder die Atmosphäre deines Begräbnisses verfolgen würde. Was wäre, wenn ich dann vor deinen Grab stehe, und alles, was mir einfällt, ist ein müde gehauchtes „Ich liebe dich.“

Und niemand würde antworten. Weil ich meine Liebe zu dir zu lange in mir trug und aus reiner Feigheit nicht der Welt offenbaren konnte. Ich wette es würde regnen. Einfach aus Prinzip. Weil ich es mir verdient habe, so wie niemand sonst. Und womöglich breche ich auch einfach vor deinem Grab zusammen, die Kieselsteine bohren sich in meine Knie und ich spüre es nicht. Und ich heule, weil ich dich nur noch ein letztes Mal in den Arm nehmen möchte, dich ein letztes Mal küssen, mit dir ein letztes Mal in die Sterne schauen.

Selbst das müsste ich aufgeben. In die Sterne zu schauen. Weil es nicht mehr dasselbe wäre. Und weil unser gemeinsamer Stern mich Nacht für Nacht an dich erinnern würde. Und der Große Wagen? Er wäre bedeutungslos. Und trächtig. An Erinnerungen und Gefühlen für dich. Ich würde meine stille Liebe zum Nachthimmel aufgeben müssen, weil du nicht mehr da bist. Kannst du dir das vorstellen? Wo wäre ich nur heute, hätte ich nicht vor ein paar Jahren die Genialität des Unendlichen entdeckt. Und das Ende von Ewigkeiten. Jene Ewigkeiten, welche Sterne dort verbrachten, bis sie verglühten und für uns zum Wunschkonzert wurden.

Wie könnte ich schlafen. Wenn du mich jede Nacht begleitest, durch meine absurdesten Träume. Und wenn ich aufwache und mit einem Lächeln dein Gesicht erwarten würde, weil all das in dieser Nacht so real und fassbar vor meinen Augen auftauchte. Und ich Tag für Tag immer und immer wieder bitter enttäuscht werden würde. Jeden Morgen die selbe Prozedur. Würdest du da noch gerne die Augen schließen, nach einem langen und anstrengenden Tag?

Ich habe mal gesagt, ich würde die Ewigkeit hassen. Ich hasse sie immer noch. Von ganzem Herzen. Aber in meinem Kopf, so scheint es, wirst du immer gespeichert bleiben. Du und meine ungenützte Chance, dir meine Gefühle zu offenbaren. Und ich würde mich hassen und am liebsten den Spiegel zertrümmern wollen, welcher mich zu zeigen versucht. Weil ich es nicht geschafft habe und es auf ewig in mir bleiben würde. Weil du es nie erfahren hast. Weil niemand davon erfahren hat. Niemand. Außer mir. Wie hätte ich die Gefühle unterdrücken können, wenn du mir einfach dieses Gefühl der Geborgenheit gabst. Und mir die Angst vor der Nähe nahmst. Wie hätte ich je erfahren können, wie schön schweigsame Zweisamkeit ist. Vielleicht wusstest du es schon lange und warst selbst nicht sicher, wie ich darauf reagieren würde. Vielleicht sind wir gemeinsam an unserer Angst zugrunde gegangen und jetzt lässt du mich allein.

Allein hier auf dieser Welt.
Auf dieser großen, verstörenden Welt.

Und du weißt doch, wie sehr ich Angst vor Einsamkeit habe.

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Hard Hand To Hold.

Deine Lippen schmecken salzig.

Meine Lippen spüre ich nicht mehr. Ich habe mich fallen gelassen und du hast mich aufgefangen, hast mich vor dem Aufprall auf dem harten Boden bewahrt. Bewahrt vor dem Sturz in die Tiefe und ich spüre sie nicht mehr. Meine Lippen.

Du hast mich überrascht. Ich liebe es, wenn du mich überrascht. Ich liebe das Lächeln, wenn du sie mir unterbreitest, dieses gespannte Lächeln, während du auf meine Reaktion wartet. Ich liebe dein Augen, das Funkeln darin, wenn du abwechselnd mich und den Boden, den Boden und mich anblickst. Ich liebe es, wie du meine Hand hältst und wie du mit mir wartest.

Wir warten. Besser gesagt, du mit mir. Du bist für mich da und hältst meine Hand. Bis das alles vorbei ist. Bis der Schmerz nachlässt und bis irgendwann eine gewisse Akzeptanz einkehrt. Es ist kaum vorstellbar, wie beschränkt linear meine Gedanken in den letzten Monaten waren. Du hilfst mir und hältst Hände und wartest. Wartest bis der Schmerz und die Trauer und die Tränen ein erfülltes und vorzeitiges Ende finden. Du hältst meine Hand und bist da.

Was wäre ich nur ohne dir und wie könnte ich das alles überstehen. Ich wüsste es nicht. Du bist da und überraschst mich, und teilst dein Lachen mit mir und das Funkeln deiner Augen. Du fängst die Tränen auf, die ich weine und hältst mich, wenn ich zittere. Du schenkst mir Schutz und Geborgenheit. Und irgendwann küssen wir uns auch, und plötzlich schmecke ich es. Deine Lippen schmecken salzig. Du weinst.