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hoch21 (Alternativen | @hoch21 | twitpic)
„Und wenn wir uns wiedersehen wird alles anders sein, weißt du.“
– „Mhm.“
Wir haben uns nie wieder gesehen. Und falls wir uns denn nun wirklich einmal sahen, war es nicht das, was ich mir erhofft habe. Es fühlte sich falsch an, die Ferne, die wir uns beide auferlegt haben. Die durch den jahrelangen Abstand, mal mehr, mal weniger, mutwillig aufgebaut wurde.
Aber manchmal, wenn ich dich sehe, überlege ich mir, wie es wäre. Wenn wir uns einfach mal an der Hand nehmen würden, weg aus dem Nichts, hinein in ein kleines Plätzchen Zweisamkeit. Nur wir beide, der Himmel über uns und dann würden wir schließlich endlich wieder einmal reden. Wir würden uns erzählen, was wir die letzten Jahre so getrieben haben. Wir würden lachen, in Erinnerungen schwelgen. Something like this.
Und trotzdem frage ich mich, ob es denn jemals wieder so sein könnte. So wie es mal war. Dieses einfache, vollkommen unkomplizierte Reden über Gott, die Welt und uns. Ich glaube, irgendwie wäre es ganz einfach nicht mehr so. Wir haben uns verändert, haben uns zerstört und wieder zusammengebastelt, und das vollkommen alleine, auf uns gestellt.
Das weiß ich und trotz alledem fällt es mir schwer, aufzuhören. Aufzuhören, daran zu denken. Einfach den Schalter umlegen, und wieder da zu sein, wo man sein möchte. Aber das geht nicht. Das hat mir der Traum der vergangenen Nacht gezeigt, der mir wieder einmal zeigte, dass man vieles akzeptieren kann, dass man glaubt, vollkommen darüber hinweg zu sein, es verstanden zu haben.
Und dann sieht man plötzlich seinen Neffen wieder, hält ihn, bemerkt, dass man ihn wieder lebendig machen kann, er öffnet die Augen. Knapp drei Jahre nach seinem Tod. Und die Freude in der Familie, und das wunderbare Gefühl. Und dann wache ich auf, ganz still ist es in meinem Zimmer, die Sonne leuchtet beim Fenster rein, und ich warte.
Überlege, ob das, was war, nun Realität ist. Überlege. Es ist ein schönes Gefühl, der Gedanke, dass die Welt so ist wie vor 3 Jahren. Oder so wie jetzt, nur vergessen sind sie, die beschissenen 1000 Tage. Und immer noch bin ich stumm, wage nichts zu sagen, nicht laut zu atmen, bis ich schließlich bemerke, dass das Jetzt eben doch anders aussieht, sich nichts verändert hat.
Manchmal ist es wirklich hart, zu erkennen, dass etwas nicht so ist, wie man es sich gewünscht oder erträumt hat. Nur um gleich wieder zu erkennen, dass das Leben auch so weitergeht. Und wahrscheinlich gehört das ganz einfach dazu, dass immer mal wieder Erinnerungen auf einen einstürzen, nur damit man einsieht, wie stark man geworden ist.
Aber vergessen kann ich sie nie. Die Menschen, die ich liebgewonnen habe, die mir die Welt bedeuteten, die ich auf Händen zu tragen pflegte. Die mich verlassen haben. Denn die Erinnerung bleibt, und das in alle Ewigkeit. Oder so.