Vor dem Ertrinken.

260309nw

Eiskaltes Wasser. 
Langsam füllen sich die Nasenflügel. Die Augen, fest zugepresst. Die Stirn beinahe in Windeseile erfroren. Nur noch Sekunden. Und. 

Er taucht wieder auf. Das Waschbecken ist bis zum Rand gefüllt, nur der kleine Abfluss am oberen Ende hindert es daran, den ganzen Raum unter Wasser zu setzen. Und immer noch läuft der Wasserhahn und pumpt mehr und mehr Wasser hinzu. Die Sinne scheinen versagen zu wollen, und der Kopf nickt. Sollen sie doch. Einfach fallen lassen. In dieses dunkle Loch aus eiskaltem Wasser. Es tötet ab und zerstört. Zerstört mit einem Mal so vieles.

Und. Die Luft ist angehalten. Er taucht wieder ein, in dieses kleine Becken. Die Eiseskälte läuft von seinem Hinterkopf hinab. Die Augen schmerzen. Doch er muss immer stärker versuchen, ruhig zu bleiben. Es sind Schmerzen. Und.

Ein letztes Mal taucht er auf. Mit nassen Haaren erinnert er sich an die letzten Tage zurück. So vieles hat er erledigt, hat Dinge geschafft, die er sich schon seit Tagen, seit Wochen, seit Monaten. Ja, sogar seit einem Jahr vorgenommen hat. Er scheint alles zustande zu bringen und trotzdem braucht er gerade dieses Gefühl. Diesen Schmerz. Steine sind von seinem Herzen gefallen, sein Kopf wird immer leerer. Immer leerer und seine Angst immer größer. 

Diese eisige Wärme legt sich um seinen Kopf. Und er setzt zum alles entscheidenden Punkt an. 

Er brüllt all‘ seine Wut, seine Angst, seine Ungewissheit hinein in dieses stille Wasser. Niemand hört ihn dabei. Und doch. Seine weit aufgerissenen Augen zeigen ihm. Er hat sich gerade selbst vor dem Ertrinken gerettet.

Foto: Ein Ausschnitt dieses Bildes von Martin Kingsley