So ganz ohne Milchschaum.

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Cause everybody’s changing
and I don’t feel the same.

Der Milchschaum versucht zu verschwinden, und ich blicke in die Ferne, aus dem Fenster dieses alten Cafés als würde ich irgendetwas erkennen oder nach jemanden Ausschau halten. Es ist niemand und es ist nichts. Es überschlagen sich nur die Dinge, die bis vor wenigen Tagen, vor Woche noch ganz alltäglich waren. Wir haben es nicht erwartet, haben gedacht, dass wir endlich einmal irgendwo angekommen sind. Haben den Boden gefunden, der uns Halt geben, haben das Leben erfunden, dass uns tragen soll. Heute ist alles anders.

Wenn Nächte unruhig werden und man aufwacht, mit Kopfschmerzen und Gedanken und der abgekühlten Wut des Vortages, und immer wieder prasselt es ein. Etwas Neues, eine Kurve, eine Kehrtwende, ein Ende. Beständigkeit tut gut, ist so unglaublich wichtig und doch leider nur allzu selten. Aber all diese Veränderungen, diese Stolpersteine, denen man auszuweichen versucht und dabei auf neue Wege stößt, tragen so viel Mut und so viel Herausforderung in sich, die mich unruhig machen. Was wird nur sein? Wie wird es kommen. Ich weiß es nicht.

Und irgendwie freue ich mich darauf. Freue mich auf all das Ungeplante, auf die Erlebnisse, die in den kommenden Wochen und Monaten auf mich, auf uns, zukommen werden. „Mach immer, was dein Herz dir sagt.“, habe ich heute zu dir gesagt. Und „Es ergibt sich immer ein Weg.“ Mehr kann ich all dem nicht hinzufügen. Hauptsache, wir bleiben noch lange Zeit hier sitzen, bei diesem Kaffee. So ganz ohne Milchschaum.

Graustufen.

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„Sie ist weg.“ Er blickt gen Boden, in Richtung des holprigen und harten Stück Erde, dass ihm Halt zu bieten versucht. „Einfach weg. Ich … ich … ach, verdammt!“ Er verstummt. Es ist ein herber Windstoß, der ihm die Luft aus den Segeln nimmt; der ihn ganz offensichtlich zumindest innerlich zusammensinken lässt. In sich zusammen, viel kleiner, als er in Wahrheit ist. „Wir haben uns doch immer gesagt …wir haben doch gemeint, dass es kein Ende für uns geben werde, nicht wahr? Dass wir alle Widrigkeiten schaffen, alle Träume gemeinsam, alle Nächte zu zweit erleben werden, weißt du?“ Seine Stimme verblasst, verwelktes und vom Regen der vergangenen Tage aufgeweichtes Laub klebt vor seinen Füßen am Boden. „Es ist.“ Er schluckt, um dieses Ding in seinem Hals, dass ihm immer wieder dazu zwingt, die Stimmbänder etwas mehr zu belasten, einfach hinunter zu pressen. „Ich wollte nicht, dass es so weit kommt. Wir beide, sie und ich, wir waren das Traumpaar. Zumindest hielten wir uns, mit fester Überzeugung, für genau eben dieses. Niemand konnte uns etwas anhaben. Niemand konnte auch nur im Entferntesten erahnen, womit man es hier zu tun hatte.“ Er greift nach dem dünnen Stamm eines kleinen, winterbedingt bereits erkahlten Baumes, hält sich fest und lehnt den Kopf an. Die trostlose Umgebung, die Welt, auf der er nun alleine wandeln muss, gibt alle seine Gedanken wunderbar wieder. Diese Tristesse, diese Farblosigkeit. So muss die Welt von nun an immer aussehen. Nur so kann er sich eine Welt ohne ihr vorstellen. Wie konnte sie nur. Warum hat sie nur. „Sterben, verstehst du? Damit konnte man nicht rechnen, oder? Ach, verdammt.“ Er ist angekommen, in der Realität. In der Erkenntnis. Am Ende des Regenbogens. In einer Welt voll Graustufen.

Unbewohnt.

Die Hand, die du hältst. Sie beginnt zu zittern. Lass mich los.

Es hat keinen Sinn mehr. Du hältst mich fest, lässt mich nicht los. Hältst mich zurück, versuchst mich zu beschützen. Und machst dabei doch alles noch schlimmer. Wo soll ich hin. Ich weiß es nicht. Ich kenne gerade keinen Ort, an dem ich mich wohl fühle. Glücklich und zufrieden. Ich bin nirgendwo zuhause, zurzeit. Es ist, als wäre ich ewig auf der Suche. Und erst wenn ich ihn gefunden habe, den Ort, bin ich beschützt. Like I’m Home.

Die Nähe zu dir tut weh. Sie schmerzt, sogar jetzt, wo du fürsorglich sanft meine Hand hältst. Ich beginne zu schwitzen und atme schwer. Ich schüttle dich weg und weiß doch, dass du nie ganz weg sein wirst. Irgendwo hast du einen Platz gefunden, wo du mich immer beobachtest, und auf mich wartest. Wo du mir Worte in meinen Kopf wirfst und der Gedankentopf irgendwann überfüllt wird.

Ich fühle mich gerade unwohl. In meiner Haut und meiner Routine. In diesem Haus und in diesem Ort. Irgendwie passt gerade gar nichts. Ich fühle mich beschissen und du hältst meine Hand. Du weißt gar nichts und lächelst. Lächelst, wie du immer schon gelächelt hast. Aber du weißt nichts. Hast keine Ahnung, wie es mir geht. Und ich habe keine Lust, es dir zu sagen. Du würdest mich doch nicht verstehen. Würdest es doch nicht einmal versuchen.

Zu Bett werde ich gehen. Werde mich einrollen in diese Decke, die mir Wärme zu schenken versucht. Ich fühle mich kalt. Allein in diesem Bett für zwei. Alleine in diesem Haus mit zwei anderen Menschen. Alleine auf dieser Welt. Fühle mich einsam. Gemeinsam einsam. Und du. Du lächelst. Vielleicht kommst du ja weiter mit dieser Masche. Ich würde es dir zumindest nicht wünschen. Aber lächle ruhig. Lächle und glaube immer daran, dass die Welt so wunderbar und so einfach ist. Irgendwann wird auch dir der Boden unter den Füßen weggezogen.

Too Late.

Ich hab‘ wohl irgendwas versäumt.

„Es ist zu spät.“, fauchst du mich an. ‚Es ist nie zu spät.‘, denke ich mir. Doch dein Blick sagt mir schon seit einiger Zeit, dass ich hier nichts mehr zu suchen habe. „Wir haben den Zenit überschritten.“, meinst du. ‚Du weißt doch gar nicht, wie groß wir hätten werden können.‘ rotiert es in meinem Kopf. Doch die Tür schließt sich und mit ihr bleiben die Hoffnungen, Schritt für Schritt, am Boden verstreut. Das Ende, lange Zeit nicht in Sicht, befindet sich hinter mehr. Das war es und so hätte es nicht sein sollen.

Wer hat nun Schuld. Es ist dumm, hier nun irgendeinen Schuldigen zu suchen. Du? Ich? Der Klimawandel? Keine Ahnung. Es hat eben einfach nicht funktioniert. Irgendeine Schraube fehlte, irgendeine Mutter hielt nicht und das Konstrukt stürzte in sich zusammen. Was uns jetzt noch bleibt, sind die Trümmer. Die Trümmer der Gegenwart, mit den wunderschönen Bildern der Vergangenheit.

Ich bin nicht einfach. Sicherlich nicht. Das kann jeder bestätigen, der mehr als einen Tag mit mir verbracht hat. Irgendwann kommt das wahre Ich heraus und nicht jeder hat Lust auf sowas. Doch du zeigtest Interesse, auch den Typen dahinter kennenzulernen. Du hast mich erlebt, wie sonst noch niemand. Und doch musste das Ende einkehren. Als wäre alles vorbeistimmt. Zuerst der überschwängliche Anfang, dann die wunderbare Mitte, der Hauptteil. Und wie bei jedem gesunden Deutsch-Aufsatz folgt natürlich auch der Schluss. Unerwartet aber doch mit einem abschließenden Punkt.

Ich hab‘ wohl irgendwas versäumt. Aber jetzt ist es zu spät. Langsam wiederhole ich deine Worte und wundere mich, wie ich ihnen auch nur ansatzweise Glauben schenken kann. Der Zenit wäre noch gefolgt und es ist nie zu spät, meine Liebe. Zu spät ist es nie.