Leserlich.

Axolotl Roadkill
Helene Hegemann
Wiki
Amazon
Drogen. Rausch. Sex. Schmerz

Strobo
Airen
Blog
Amazon
Drogen. Techno. Sex. Mut

Und im Zweifel für dich selbst
Elisabeth Rank
Blog
Amazon
Leben. Liebe. Ende. Anfang

I am Airen Man
Airen
Blog
Amazon
Drogen. Rausch. Mexico. Airen (27.03.2010)

Oh ja.
Ich lese wieder. Endlich.

Und nun ein Aufruf: Welche BloggerInnen oder Twitter-User kennt ihr, die einen Roman geschrieben haben? Ich würde sie alle gerne in einem Blogeintrag zusammenfassen. Beinahe so als Sammlung aller relevanten BloggerInnen-Werke. Ihr kennt jemanden? Dann bitte als Kommentar posten!

Hegolotl Kokskill.

Warum Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ für mich nie und nimmer das Zeug zu einem Generationsbuch hat … und warum eigentlich so … unrealistisch?

Ihr könnt es nicht mehr hören, ich weiß. Auf Twitter, in den Online-Medien und auch in Print-Magazinen und im TV hört man nur mehr „Hegemann!“ oder „Axolotl!“ oder „Strobo?“, „Airen?“. Aber das interessiert mich jetzt (noch!) nicht. Bis jetzt habe ich mir nur „Axolotl Roadkill“ gekauft, aber „Strobo“ schon nur bestellt.

Ich muss diesen Beitrag hier einfach schreiben. Weil Hegemann ja bis vor kurzem die neue junge … Goethe (?), Schiller (?) war. Weil sie … jung … und Theaterstück, Drehbuch, Bestsellerbuch. Sowieso alles großartig. Und dann lese ich dieses Buch und denke ich mir: Ja, natürlich. Sie hat ein Talent, sie ist eine sichtlich begabte Schriftstellerin. Aber dieses Buch? Bitte?

Brauchen wir immer diese Bücher über Koks, Nutten, Speed, schmerzhaften Analsex, Vergewaltigungen, Ecstasy, Diskothektoiletten, Selbstzerstörung und nochmal zwanghafter schmerzender Sex. Brauchen wir das wirklich? Weil wir noch nie auf Koks oder Speed waren? Noch nie Nutten oder schmerzhaften Sex hatten? Nicht vergewaltigt wurden, womöglich auf dreckigen Diskothektoiletten (die übrigens nur in wenigen, und dann sind es wirklich abgefuckte Discos, wirklich so dreckig sind, wie so oft beschrieben). Und weil wir uns womöglich selbst mögen, und somit gerne an der Selbstzerstörung eines anderen Menschen beteiligt sein wollen, zumindest als Leser, als diese Typen, die bei einem Autounfall auf der anderen Fahrspur auf der Autobahn natürlich langsamer werden, um ja sehr viel Schrott, Blut und Körperteile zu sehen. Brauchen wir diese Bücher also wirklich um unser Neugier am Exhibitionismus zu befriedigen?

Und was ich so furchtbar finde: Wird „Axolotl Roadkill“ wirklich ein Buch für diese Generation? Und die wichtige Frage: Bin ich überhaupt noch in dieser Generation? Ich fürchte ja. Und als Generationenbücher bisher wurde was gehandelt? Benjamin Leberts „Crazy“? Charlotte Roches furchtbare „Feuchtgebiete“? Die Biografie von Dieter Bohlen? Keine dieser Bücher hätte es auch nur annähernd verdient. Und von allen am Ehesten noch „Crazy“.

Lebe ich meine Generation falsch? Klar, ich leb‘ ja schon anders, als wie ich es mir von einem normalen Menschen in meinem Alter erwarte, leider. Aber bin ich der Einzige, der nicht misshandelt wurde, der nicht jeden Abend Drogen nimmt, der sich nicht Tag für Tag  selbst zerstören muss? Reicht denn ein ganz normales Leben nicht mehr für die Literatur? Wo Leben, Liebe, Eifersucht, Ängste, Freude, Scham und all das einfach in einer nachvollziehbareren Umgebung stattfinden.

Ich denke, auch genau diese Literatur, eine Abbildung dieses Lebens, kann berühren, fesseln. Und da muss es nicht unbedingt dem menschlichen Abgrund entsprechen. Denn manchmal geht Selbstzerstörung auch ohne Rasierklingen und gezwungen brutalem Sex. Manchmal zerstört man sich selbst, von innen. Ganz leise.

Und genau eine solche, leise Literatur suche ich. Und schreibe ich.

Und nein. Ich kritisiere nicht unbedingt all diese Bücher. Ich kritisiere den Hype, der darum gemacht wird. Woah, fuck. Da betritt eine Protagonist schon halb zerstört die Bühne, die erste Seite. Wow. Was will man mehr? Ich selbst lese diese Bücher (weil sie im Gegensatz zu z.B. Zafons „Der Schatten des Windes“, Boyles „Drop City“ oder vor allem Wallaces „Unglaublicher Spaß“ schnell zu lesen sind, so mal zwischendurch). Diese Bücher sind nicht schlecht sie sind mitreißend und eine tolle Literatur. Aber meiner Meinung nach sind genau solche Bücher furchtbar unrealistisch. Beziehungsweise nicht für eine ganze Generation sprechend, nur für Einzelne. Und darauf sollte man wieder einmal wert legen.