Vermissen. [18]

Manchmal, da schreibe ich Briefe. Ohne Empfänger. Ich schreibe sie, und wünsche mir, dass du sie bekommst. Dass du es erfährst. Ich will dich teilhaben lassen, an hier, an all dem, an mir. Will dir zeigen, was aus mir schon geworden ist. Möchte dir erklären, warum all das passieren musste. Aber all die Nachrichten kommen nicht an. Du hast keine Adresse mehr.

Doch manchmal, da falte ich die Zettel zusammen, stecke sie in ein Kuvert und lecke die ekelhafte Klebespur ab. Klebe es zu und werfe es in die alte Schuhschachtel. Dort liegen sie alle, wohlig versammelt, in trauter Einsamkeit. Dein Name ziert jedes Kuvert, aber du liest es nicht. Liest nicht meine Worte. Liest nicht mein Leben.

Und manchmal, da frage ich mich, ob du mich siehst. Ob du sehen kannst, was ich hier so erlebe. Ob du es spürst, wenn es mir mal nicht gut geht. Ob du weinst, wenn ich es tue. Ob du den Schmerz mit mir teilst und lachst, wenn ich schon Tränen der Heiterkeit in den Augen habe. Ob du immer noch da bist, irgendwo in meiner Nähe. Mir unsichtbar folgst, auf all meinen Wegen, durch all meine Träume.

Denn manchmal. Ja, manchmal. Da vermisse ich dich. Vermisse dich so sehr, dass kein Wort es je beschreiben könnte. Wenn der Kloß im Hals immer größer wird, und ich nichts mehr sagen kann, ohne meine weinerliche Stimme preiszugeben. Wenn ich Bilder von dir sehe oder Videos, oder wenn allein schon Gedanken oder Erinnerungen in mir auftauchen. Und die Tränen ihren Weg finden. Dann, ja. Dann vermisse ich dich. Oder wenn ich von dir rede, von unserer gemeinsamen Zeit, vom wundervollen Leben mit dir. Wenn ich lache, weil mir dein Lachen so nahe ist. Dann vermisse ich dich und bin unglaublich froh darüber, dich vermissen zu können.

Foto: j_chapple147, Flickr