Seit ich. [32.]

Seit ich dich kenne, kenne ich mich von Tag zu Tag mehr. Seit ich neben dir einschlafe, hat kein Albtraum mich mehr eingeholt, spät nachts und mich schweißgebadet aufwachen lassen. Seit ich dich küsse, schmeckt mir der Geschmack deines süßen Lipgloss. Seit du mich mit diesem einen Blick, voller Tiefe und Gefühl, ansiehst, lese ich dir so gerne meine Texte vor. Seit unsere Finger sich verketten, will ich gar nicht mehr alleine irgendwo hin gehen.

Bei dir kann ich sein, wie ich bin. Oder sein, wie ich mich gerne haben möchte. Bei dir kann ich mich fallen lassen, kann mich in deine geborgenen Hände begeben. Kann meinen Kopf auf deine Schultern legen und einfach mal nur seufzen. Bei dir kann ich von meinen Träumen erzählen, von meinen Wünschen und meine Ideen. Und nie würdest du mich auslachen. Bei dir muss ich nicht von meinem Leben erzählen, du kennst es bereits, in und auswendig.

Du. Nur du. Einfach nur du. Das reicht schon, um all mein Glück in diesem Moment, der die Sonne seit Tagen und Wochen tanzen lässt, zu beschreiben. Du. Du großartiger Mensch, du Freak, die mich mit all meinen Macken, mit all diesen Spleens und all meinen Fehlern, immer mehr liebt. Wie kannst du nur?

Foto: Almo14 | flickr

Wo du bist. [31]

Mit deinem Finger zeichnest du ein Herz in die Mitte meines Brustkorbs. „Da bin ich drin.“, flüsterst du in mein Ohr und ich spüre es. Da bist du und gehst auch so schnell nicht mehr weg.

Und wenn ich mal alleine einschlafen muss, in meinem Bett oder auf der Couch, die in meiner neuen Wohnung vorübergehend als Schlafplatz dient. Oder wenn all die Projekte und Verpflichtungen auf mich einzustürzen drohen. Oder wenn ich grundlos unglücklich bin oder wenn ich dich ganz einfach vermisse. Dann … dann weiß ich ja, wo du bist.

Wir sind keine Kinder mehr.

Wenn unsere Finger sich verflechten, aus wirrem Zwei plötzlich ein wundervolles Eins wird. Wenn ich meine Hand auf deinen Bauch lege und meinen Kopf auf deine Schulter. Wenn ich dir zusehe, wie du mit leuchtenden Augen aus deinem Leben erzählst. Nach all diesen Jahren verzauberst du mich umso mehr.

Wir schreiben Geschichte. Du warst es, die mir den Wert von Freundschaft gezeigt hat. Du hast mich an der Hand genommen, mir die großartigsten Plätze gezeigt, hast mich teilhaben lassen, an deinem Leben und ich habe dich zu einem Teil von meinem Leben werden lassen. Zu einem ganz besonderen Teil. Du lerntest mir das Vermissen, und das Freuen auf ein Wiedersehen. Das Nebeneinander einschlafen und das Pferde stehlen. Es war eine großartige Zeit damals, vor sieben Jahren. Als wir einen Grundstein legten, ein Fundament bauten, ein Luftschloss aus der Taufe hoben.

Wir haben uns verliebt. Du in mich und ich in dich. Und immer zu unterschiedlichen Momenten. Wir waren jung und wir wussten nicht wohin mit uns. Wir hatten die Freundschaft, hatten eine ganz besondere Beziehung. Wir küssten uns und wir liebten uns. Doch es wollte damals nicht sein und es war auch nicht. Gemeinsam rissen wir die gerade frisch gelegten Steine unseres Weges heraus, bauten die Zelte ab und hatten immer Angst, uns zu verlieren. Wir hätten uns wegen der Liebe verloren. Wegen etwas, was es in dieser Form wohl ganz selten gibt. Damals, vor sechs Jahren. Mit zarten Sechzehn und Siebzehn.

Die Jahre zogen vorüber. Wir beendeten die gemeinsame Schule. Und wir sahen uns dabei zu, wie wir uns verliebten. Wir erzählten uns all die Geheimnisse, legten immer mal wieder unsere Köpfe in den Schoß des anderen und zählten die Sterne. Und in jener Zeit, als viele Menschen ihr Drumherum verloren, als neue Wege sich öffneten, neue Städte interessant wurden, behielten wir uns in den Augen. Ich machte den Zivildienst, du begannst dein Studium. Und als mein Leben den Boden verlor, als dieser einfach so weggerissen wurde, warst du da. Warst du da und hieltst mir die Hand. Warst für mich da und halfst mir. Einfach nur, weil du da warst.

Wir sind keine Kinder mehr. Nein, das sind wir nicht. Nach all diesen Jahren haben wir an Erfahrung gewonnen, haben uns immer wieder neu kennengelernt. Aber eines ist mir geblieben. Dass ich mich wohl fühle, wenn ich dich sehe. Dass dein Lächeln jeden einzelnen Tag retten kann. Und dass mein Bauchweh aufhört, wenn du deine Hand drauflegst. Du tust mir gut, wie kaum jemand. And after all, you’re my wonderwall. Nach all diesen Jahren bist du immer noch meine beste Freundin, eine unvergleichliche Weggefährtin, ein Wahnsinnsmensch. Danke für all die frischen Schmetterlinge. Und danke, dass es dich gibt.

Nobody’s Diary. [30]

Welke Träume. Ein verlassener Ort. Die Einsamkeit und die Angst vor dem Verlassenwerden. Ohne Worte. Nur Bilder eines zerstörten Lebens. Kapitulation vor dem Vergessen. Das In-Erinnerung-Rufen des Lebens. Der Vergangenheit Paroli bieten. Kalkulierte Desinformation über das Leben anderer. Trockene Tränen für ein Leben aus Watte. Blut an der Hand. Kleine Schnitte, nicht tief. Ergötzende Buhrufe von Freunden. Ein Wiedersehen mit der Welt. Malträtierung des Gewesenen. Der Atem, so ruhig und sanft um des Überlebens wegen. Müde Augen auf verlassenem Posten. Totes Gewebe in der Hand des Falschen. Kontinuirlicher Anstieg der Wut. Kontaktierung des Hasses. Einsetzen der Gleichgültigkeit. Zum Sterben zu jung. Tränen für ein Meer aus Blumen. Und das Gefühl unendlicher Leere.

Aus: Damals. 2007 oder 8. Oder 6.

Und weg. [29]

11 Tage. On the run. Ostwärts, fernwärts. südwärts, westwärts, heimwärts. Mit Freunden und Bekannten. Mit Träumen und Gedanken. Mit viel zu wenig Gepäck und viel zu viel Vorfreude. Weil daheim, nichts besser, vieles störend. Abstand tut gut, weg von den Problemen. Flucht in das Schöne. Ich bin dann mal weg hier. Für Tage. Aus Gründen.

Nach all diesen Jahren. [27]

Und manchmal hinterlässt jemand eine Spur. Tausende Andere wanken darüber, verwischen es ein bisschen. Aber der Eindruck bleibt. Die Form deiner Zehen, die Art deines Ganges. Und dann tauchst du wieder auf in meinem Leben, mit derselben Präsenz wie damals. Setzt die Füße wieder in die gleiche Spur, reißt mich mit, ziehst mich fort. Und zeigst mir ein Gefühl, das es bisher nur selten gab. Sorglosigkeit, wenn man miteinander spricht. Eine unglaubliche innere Ruhe, wenn man nebeneinander liegt. Pure Gänsehaut, wenn deine Finger über meinen Körper streichen. Du setzt die Spur fort, und so wie es scheint, habe auch ich meinen Fußabdruck erneuert. Es ist schön so wie es ist. Nach all diesen Jahren.

Foto: Jason Seliskar | Flickr

You and I. [26]

Und mein Kopf ist voll mit dir. Du hast dir mit aller Macht so unglaublich viel Platz hier erkämpft, gehst nicht mehr weg. Bist eine Gedankenklette und noch dazu fühlt es sich gut an. Du hast mein Leben umgedreht, innerhalb von nur wenigen Tagen. Hast mich an die Hand genommen und mir einen neuen Weg gezeigt. Und ich habe versucht, die anfänglichen Steine aus eben diesem zu räumen. Wir haben das gut gemacht, haben uns getraut und nichts bereut. Haben gewagt und finden erst heraus, ob es denn funktioniert. Schreiben uns tagein, tagaus SMS und hören einfach nicht auf, an uns zu denken. Und dann verbringen wir auch wieder wundervolle Zeit damit, bei uns zu sein. Und lassen all die Zweifel außen vor, hören nichts sondern nur uns.

Und jetzt stehe ich vor dir und weiß nicht was ich sagen soll. Vielleicht ist Küssen die bessere Alternative, findest du nicht?

Foto: chie-tam | Flickr