Liebe. Sonst Nichts.

Und was ist jetzt? Was soll ich jetzt machen? Weißt du eine Antwort? Weißt du die Fragen?

Eigentlich dachte ich doch immer, ich wüsste, was Liebe ist. Aber was ist Liebe. Das Verlangen nach jemand anderen. Die Sehnsucht nach seinen Küssen, seinen Berührungen. Oder Sex. Was ist Liebe. Nichts von alledem. Liebe ist doch einfach nur ein Gefühl. Ein Gefühl, das nur dann eine Wirkung hat, wenn es wirklich von ganz tief drinnen kommt. Und natürlich muss es ernst gemeint sein.

Liebe. Ein Wort aus dem Mittelhochdeutschen. Das ist etwas „Gutes, Angenehmes, Wertes“. Für wen kann ich Liebe empfinden. Wann ist sie ehrlich gemeint. Ich habe mich einmal länger mit diesem Thema beschäftigt. Habe Erich Fromms Ansichten zum Thema Liebe gelesen. Er spricht von einer Kunst. Ist es eine Kunst, zu lieben. Oder kann man ein Gefühl nicht unter den riesig-erdrückenden Begriff „Kunst“ stellen.

Spräche ich jetzt von Mutterliebe, dann müsste ich hervorheben, dass diese bedingungslose Liebe, die (m)eine Mutter einem schenkt, auch nach hinten losgehen kann. Es ist doch nicht gut, wenn man ein Gefühl wie die Liebe einem Menschen schenkt. Egal was man gemacht hat, die Liebe bleibt. Vielleicht hält uns das längerfristig am Leben. Aber nimmt es uns nicht irgendwie den Sinn dafür, was falsch und was richtig ist. Wäre es nicht besser, die Mutter wäre mit bedingungslosem Vertrauen, bedingungslosen Zuspruch oder bedingungsloser Interesse an einem selbst ausgestattet.

Aber ich bin keine Mutter. Und die Liebe meines Vaters muss ich mir, so wie in Fromms Werken beschrieben, auch nicht mehr erarbeiten. Sie ist jetzt schon mal da. Und scheint nicht wegzugehen. Aber Vater bin ich ja auch noch nicht. Eigentlich wollte ich ja über die Liebe im Allgemeinen sprechen.

Ich habe schon bisher erst einmal geliebt. Mit all meinen innersten Gefühlen. All meinen Zweifeln, die einfach kommen mussten. Zwei Mal schrammte ich knapp daran vorbei, damals, so scheint es mir jetzt, kam ich über das „verliebt sein“ nicht hinaus. Aber dieses eine Mal liebte ich sie. Und es schien bedingungslos. Ich habe mich fallen lassen. In der Erwartung, dass sie mich auffangen würde. Mit der Hoffnung, sie wäre die Wolke, die mich auffängt, mit all meinen Sorgen, meinen Träumen, mit all meinen Fehlern und meinen Einstellungen. Ich war für sie so eine Wolke. Vielleicht mit ein paar Löchern. Und sie war es anfangs auch für mich. Ich konnte mich sorglos fallen lassen.

Aber was kann man machen, wenn die (scheinbar vorhandene) Liebe auf einmal verschwindet. Stimmt es denn, dass das einfach kommen musste. Ein weiser Mann sagte einmal: Liebe ist das, was übrig bleibt, wenn die Verliebtheit weg ist. Die ersten Monate waren großartig. Wir erlebten die ersten Tage mit unserer jeweils ersten großen Liebe. Verbrachten fast jeden Tag miteinander. Aber irgendwann einmal flogen die Schmetterlinge aus unserem Bauch. Sie folgen unaufhaltsam weg, und was übrig blieb, war ein Mädchen, welches noch von den letzten Flügelschlägen der Schmetterlinge gekitzelt war, und ein Junge, der glaubte, wirklich lieben zu können.

Liebe. Kenne ich sie. Ich dachte, ich habe sie damals zum ersten Mal empfunden. Es wird auch so gewesen sein. Aber ich denke, ich kann Liebe erst einmal richtig erfahren, wenn die Schmetterlinge weggeflogen sind, und eben die Liebe noch da ist. Auf beiden Seiten. Erst dann werde ich verstehen können, was die großen Leute meinen, wenn sie von Liebe sprechen. Wobei ich bezweifle, dass von den wirklich jeder schon einmal wirklich geliebt hat.

Manchmal, während meiner ersten Beziehung, dachte ich, dass durch Küsse, durch sexuellen Kontakt die Liebe wieder so groß, das Kribbeln wieder so toll werden würde, wie es eben schon einmal war. Es hätte nie mehr so werden können. Wir hätten schon viel eher aufgeben sollen. Uns, unsere gemeinsame Zeit. Es waren schöne 5 Monate. Die restlichen 4 waren. Voll mit Gedanken, Angst, Ungewissheit, Selbstzerstörung. Wir hätten früher aufgeben sollen. Viel früher. Sofort als die Schmetterlinge zum Flug angesetzt hätten, hätten wir es merken müssen. Aber wie hätten wir das merken sollen. So etwas kapiert man ja immer viel zu spät.

Jetzt, nachdem ich mit der ersten Liebe abgeschlossen habe, wird sie wohl auch irgendwann kommen. Die zweite Liebe. Aber wie kann man sagen, man habe damit abgeschlossen. Sie hat einen Teil meines Herzens. Und ich einen Teil ihres Herzen. Sie ist mit ihren Füßen in mein Herz, in meine Seele getreten und hat einen Fußabdruck auf mir hinterlassen. Der wird nicht verschwinden. Der wird bleiben. Für immer wahrscheinlich. Und deswegen kann man nicht abschließen mit so etwas. Wir beide werden uns neu verlieben, unser ehemals gemeinsames Gefühl Liebe werden wir anderen Menschen schenken. Werden uns verlieben, werden lieben. Und werden es schaffen, kein einziges Gefühl mehr füreinander zu empfinden. Außer platonischer, freundschaftlicher Liebe. Ich wäre bereit für eine Freundschaft. Meine Gefühle wären bereinigt.

Ich könnte jetzt noch über diese eine, über die freundschaftliche Liebe sprechen. Und über die Magie eben dieser Liebe. Eigentlich dachte ich ja, diese Liebe auch für zwei Jungs zu empfinden. Aber jetzt, an den Tagen, an denen ich mir meiner Gedanken, meiner Gefühle, meinem Leben erst mal wieder etwas mehr bewusst wurde, bemerkte ich, dass nur meine Freundinnen jene sind, die ich wirklich liebe. Die mir das schöne Gefühl geben, wichtig zu sein. Die mir Vertrauen schenken, mit mir über alles reden, mit denen ich einfach mal nur in der Wiese liegen oder hocken kann um über alles zu reden. Diese Art der Liebe ist großartig. Aber, wie immer, muss sie beidseitig sein. Aber wenigstens merkt man manchmal, dass man bei einigen „Freunden“ sich selbst viel zu sehr verrät, durch die Rolle, die man scheinbar gezwungen ist, zu spielen. Die freundschaftliche Liebe ist kostbar. Man darf sie nicht verschwenden.

Sie wird kommen, die zweite Liebe. Wir kommen, und wird mir den Kopf verdrehen. Ich werde mich fallen lassen wollen. Aber ich danke der ersten Liebe. Danke ihr von ganzem Herzen. Sie hat mir so viel gezeigt, so viel vor Augen geführt. Hat mich reifen lassen an ihr. Sie hat mir gelehrt, wie man richtig(er) liebt. Und sie hat mir nun auch gezeigt, wie schmerzhaft Liebe sein kann. Eines muss ich mir selbst jetzt versprechen. Ich darf jetzt keine Angst davor bekommen. Vor dem Schmerz. Vor gebrochenen Herzen. Vor Tränen. Und vor Kummer. Ich darf nicht Angst davor bekommen. Ich muss mich mit alledem konfrontieren. Um irgendwann einmal wirklich lieben zu können.

Bohemian Rhapsody

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Mein Beitrag zum fm4-Kurzgeschichtenwettbewerb worlaut07

Ich führe das Messer langsam an meiner Hand hinunter. Es scheint frisch geschliffen. Man könnte ein Haar spalten, würde meine Mutter sagen. Aber sie ist nicht da. Sie sagt gerade gar nichts. Hier bin nur ich. Ich. Und dieses Messer. Hier sitze ich. Einsam. Allein. Fühle mich unverstanden. Verbraucht. Du bist mir also geblieben, liebes Messer. Du. Küchengerät und Mordmaschine.

Ich bin gerade erst neunzehn Jahre alt. Mein ganzes Leben habe ich noch vor mir. Man ganzes Leben. Und doch glaube ich stets, schon viel zu lange gelebt zu haben. Wie wenn ich schon fertig wäre. Am Ende. Angekommen am Ende dieses langen Weges. Doch ich bin immer noch hier. Hier in diesem Raum, hier unter euch. Ich wäre so gerne einfach weg. Weg von hier. Weg von allem hier. Ich hasse es. Aber das ist euch ja egal. Ihr steckt mich ja hinein. Ich kann nicht selbst entscheiden meint ihr. Und wie ich selbst entscheiden kann. Ich hasse es hier. Das ist sie. Meine Entscheidung. Ich fühle mich so unwohl hier. Alles hat man mir genommen. Meine Genüsse. Meine Träume. Mein Leben. Und jetzt bin ich daran, es mir zu nehmen. Wie ich mich fühle. Wie kurz vor dem Orgasmus. Ich bin angespannt. Und freue mich darauf, wenn es so weit ist. Da ist es noch einmal. Mein Spiegelbild. Ich stehe hier, in meinem Zimmer. Mit diesem Messer in der einen Hand. Ich streiche mir die Haare aus meinem Gesicht, befreie meine Augen von diesem Schopf. Ich hasse mich. Was bin ich schon? Wer bin ich schon? Wem bin ich denn von Nutzen? Ich hasse mich. Ich bin hässlich. Schrecklich. Lange kann ich das nicht betrachten, dieses Spiegelbild. Dieses Bild, mit dem Tod in den Augen. Ach, möchtest du sterben, Spiegelbild. Bitte, sterbe, und nimm mich mit. Erleichtere mir den Weg. Ich schaffe es nicht. Schaffe nicht, dem Leben Lebewohl zu sagen. Hänge ich wirklich noch daran? Nein, ich denke nicht. Ich hasse es doch.

Ich hatte Träume. Ja, wirklich. Es gab eine Zeit, da blickte ich zuversichtlich in die Zukunft. Ich träumte von meinem Leben, wenn ich endlich erwachsen bin. Meine eigenen Entscheidungen treffen kann. Ich träumte von meinem Haus in Kanada an einem See. Träumte von meiner Frau. Meinen Kindern. Träumte von meinem Beruf. Wo sind sie alle hin? Diese Träume. Verschwunden in dem Meer aus Enttäuschung und Schicksal? Ich will es nicht hergeben. Dieses Gefühl, oder die Hoffnung daran, dass ein Traum irgendwann einmal wirklich in Erfüllung gehen könnte. Nur wenige haben es bisher geschafft. Nur wenige Träume wurden Teil meiner Realität. Ich kann nicht mehr daran glauben. Ich habe die Fähigkeit verloren, zu träumen. Ödön von Horváth schrieb einmal: „Ohne Glaube Liebe Hoffnung gibt es logischerweise kein Leben. Das resultiert alles voneinander.“ Er hat Recht. Er war ein so kluger Mensch.

Wo ist er denn, mein Glaube? Ich habe ihn verloren. Wo ist sie hin, die Liebe? Weggeblasen. Erst durch sie kam ich hierher. Und wo ist sie, die Hoffnung? Ich habe aufgehört zu hoffen. Es ist vorbei. Auf was soll ich meine Hoffnungen stützen. Ist doch alles nur Schönmalerei. Ich baue mir keine Traumschlösser mehr. Es tut viel zu sehr weh, wenn aus diesen prunkvollen, schönen Traumschlössern zerrüttete, zerstörte Ruinen werden. Wenn die ganze Welt auf einen einstürzt, und man selbst versucht, sich unbeholfen zu beschützen. Wo sind denn all die Schutzengel, die eigentlich um mich herumschwirren sollten. Sie sind immer dann nicht da, wenn ich sie brauche. Vielleicht waren sie auch überhaupt noch nie da. Man kann nie wissen. Und an Schutzengel zu glauben, habe ich eigentlich auch schon aufgegeben.

ch setze das Messer an meinen Arm. An das Gelenk, aus welchem die Hand wächst. Hier müsste es funktionieren. Hier müsste man es schaffen, das Fleisch zu durchschneiden, um das Blut endlich zu sehen. Ich habe Angst. Ich habe solch unglaubliche Angst. Angst vor dem Tod. Was, wenn … Ach, vergessen wir das. Es ist nichts. Und sollte das Jenseits doch irgendetwas sein, ein Warteraum zur Wiedergeburt, oder der Himmel, dann ist das so etwas wie die Schlagsahne zum Kuchen. Eine Zugabe. Aber der Tod. Er nimmt mir so viel weg. Vor allem eines. Mein Leben. Und auch davor habe ich Angst. Angst vor dem Leben. Was würdet ihr tun. Ihr, ihr da draußen. Die über solche Menschen wie mich nur den Kopf schütteln. Oder enttäuscht sind, dass man sein Leben so leichtfertig wegwerfen konnte. Ich mache das hier nicht leichtfertig. Ich habe meine Gründe. Aber versucht doch bitte nicht, mich zu verstehen. Ihr schafft es nicht. Nicht jetzt. Vielleicht auch gar nicht. Also versucht es nicht einmal.

Ich spüre es an meinem Arm. Wie sich die scharfe Klinge des Messers nur ansatzweise in meine Haut bohrt. Ich zucke zurück. Der Schmerz erschreckt mich. Kann ich es wieder nicht. Ach, verdammt. Die Sonne strömt durch den kleinen Spalt, den mein Gardine dem Tageslicht lässt, in mein Zimmer. Heute wäre ein schöner Tag. Einer der heißesten dieses Frühlings. Das wird also mein letzter Frühling. So vieles habe ich ja noch gar nicht erlebt. Aber ich kann mich nur an all die schrecklichen Erlebnisse, die schrecklichen Begegnungen erinnern. Warum ist mein Leben so schief gelaufen. Warum führen andere das Leben, welches ich so gerne geführt hätte. In einer funktionierenden Familie, ohne Probleme in der Liebe, ohne Druck in der Schule. Ohne Schmerz. Ohne diesen stechenden Schmerz, der mir das Leben so zur Qual macht. Warum spüre nur ich ihn. Warum tötet er nur mich. Was habe ich ihm getan.

Ist meine Tür auch wirklich zugesperrt? Ich sehe nach. Sperre die Tür noch einmal auf. Sehe hinaus. Lausche. Ob sich irgendetwas rührt. Ob ich auch nur das kleinste Atmen hören könnte. Nein. Ich bin noch alleine zuhause. Normalerweise liebe ich diese Nachmittage. Wenn meine Eltern später nach Hause kommen. Wenn ich den ganzen Nachmittag nur für mich habe. Da sitze ich meistens still da. Höre mir Musik an. Lausche den Gesängen. Versuche den Text zu verstehen. Oder ich lese. In dieser Zeit kann ich so gut in mich gehen. Da kann ich auch endlich einmal ich selbst sein. Dieses Gefühl, das ich nicht allzu oft habe.

Es ist gut. Ich bin allein. Niemand kann mich aufhalten. Diesmal nicht. Nein. Ich muss das jetzt durchziehen. Muss es schaffen, endlich etwas durchzuziehen. In mehrfacher Bedeutung. Oh, wie würde ich mich nur hassen, wenn ich nicht einmal das schaffen würde. Noch nie habe ich etwas zustande gebracht. Nie etwas, auf das ich auch stolz sein hätte können. Nein, mein Leben war bis jetzt sinnlos. Zum Wegwerfen. Und das muss ich jetzt endlich auch einmal tun. Jetzt oder nie. Ich ziehe die Gardinen noch weiter zu. Die Sonne … sie soll mich heute nicht berühren. Nicht heute. Nicht jetzt. Nicht mich.

Niemals hatte ich gedacht, dass ich hier, so enden würde. Aber naja, eigentlich war es doch vorhersehbar. Ich liebte noch nie mein Leben. Während andere über ihre Urlaube in fernen Mittelmeer-Mainstream-Lagunen viel zu erzählen wussten, und mir begreiflich machen wollten, warum sie glücklich sind, denke ich mir immer nur: Lasst mich allein. Es interessiert mich nicht. Ich bin eben nicht glücklich. Ich kann nicht davon erzählen. Ich habe nicht dieses wunderschöne Leben, das ihr habt. Ich nicht. Und ich hasse es, an euch denken zu müssen. Ihr, mit eurem Lächeln auf eurem Gesicht. Euer zuversichtliches Grinsen. Ihr habt mich nie interessiert. Und doch wollte ich immer so sein wie ihr. Wollte immer dieses Leben führen. Wollte aus meiner Haut schlüpfen und in eine eurige hinein. Ihr habt mich nie gelassen. Immer wenn ich neben euch stand, war ich nur dieses kleine Gegenbeispiel, das euch zeigte, wie schief das Leben auch laufen kann. Ihr habt mich nie so beachtet. Habt mir nie diese Beachtung geschenkt, die ich verlangte. Die ich gebraucht hätte. Die ich verdient hätte. Nur wenn ich mich irgendwann einmal in den Mittelpunkt drängte, war mir eure Aufmerksamkeit sicher. Aber das tat auch viel zu oft weh, dieses Kämpfen um eure Aufmerksamkeit, eure Beachtung, eure Blicke.

Jetzt kämpfe ich nicht mehr um sie. Verrate mich nicht mehr selbst, nur um eure Beachtung zu erlangen. Jetzt bin ich nur für mich allein. Ihr könnt mir nichts mehr anhaben. Eure gehässigen Anspielungen. Ich bin jetzt keine Angriffsfläche mehr für euch. Für euch nicht mehr. Nur mehr für mich. Und vielleicht habe ich vor mir mehr Angst. Ich wollte immer über euch stehen. Wollte euch zeigen, dass ihr mir nichts anhaben könnt. Ihr konntet. Glaubt mir. Aber ihr seid nicht der Grund. Vielleicht müsst ihr eine Teilschuld tragen. Aber wegen euch sitze ich jetzt nicht hier. Wegen euch zu sterben, das wäre doch viel zu sinnlos.

Ich nehme mir die Möglichkeit auf ein besseres Leben. Nach jedem Tief kommt ein Hoch. Aber ihr kennt mein Tief nicht. Da kann einfach nichts mehr danach kommen. Mir wurde die Möglichkeit auf ein besseres Leben schon vor langer Zeit genommen. All die Illusionen vor dem Leben im Allgemeinen. Es gibt so viele Floskeln, mit denen man meinen Lebensstandard unterlegen könnte. Ich hasse sie alle. Allesamt hasse ich sie. Und kann sie nicht mehr hören. Ich begreife nicht, wie ich hier landen konnte. Mit diesem Messer in meiner Hand. Diesen Gedanken hier in meinem Kopf. Aber ich darf es nicht tun. Ich darf nicht schon wieder aufgeben. Jetzt aufgeben wäre schrecklich. Ich habe doch schon mein Leben aufgegeben, mein Sterben akzeptiert. Wie würde ich denn da stehen. Nicht vor euch. Sondern vor mir selbst. Als Mensch, der mit seinem Leben abgeschlossen, und der immer noch zum Leben verdammt ist. Nein, das will ich nicht. Das kann ich auch nicht. Ich will sterben.

Wieder setze ich es an. Jetzt will ich es tun. Ich sehe mich noch einmal um. In meinem dunklen Zimmer. Nur ganz wenig Licht gelangt durch die durchstrahlten Gardinen in mein Zimmer. Doch da sehe ich es. Meine Mama. Und ich. Und mein Papa. Dieses Bild zeigt uns als überglückliche Familie. Als ein Paradebeispiel. Aber das war doch nur für ein Family Portrait. Mehr nicht. Auch ihr lacht. Ich habe jetzt nichts mehr zu lachen, liebe Eltern. Ihr könnt mich jetzt auch nicht mehr retten, mich für ein Familienportrait holen und mich zum Lächeln bringen. Jetzt ist es zu spät. Ich werde es tun.

Doch noch einmal möchte ich meinen Abschiedsbrief durchlesen. Ich blute ein kleines bisschen an meiner Hand. Ich habe mich geschnitten. Eine kleine, unscheinbare Wunde. Und doch tropft dieser eine Bluttropfen von meiner Hand. Hinunter auf das Bett. Ich wische ihn nicht weg. Die weiße Bettwäsche saugt diesen Tropfen auf. Er wird größer und größer. Ich sehe ihm zu. Das Messer liegt neben mir, am Boden. Und da, auf dem Bett, liegt auch der Abschiedsbrief. Ich nehme ihn noch einmal aus dem Briefumschlag. Drei Seiten ist er lang. Heute, während der Schule, habe ich ihn geschrieben.

„Es ist vorbei. Ich habe mit dem Leben abgeschlossen. Ich hasse das Leben.“ So steht es geschrieben. Ja, ich hasse es auch. „Trauert nicht um, ich habe es hier, wo ich jetzt bin wahrscheinlich besser. Jetzt ist endlich alles vorbei. All der Schmerz. All die Angst. Es ist vorbei. Weint nicht um mich. Vergießt nicht unnötige Tränen für mich. Es hat keinen Sinn.“ Nein, das möchte ich wirklich nicht. Niemand soll um mich weinen. „Ihr habt damit nichts zu tun, liebe Mama, lieber Papa. Ihr nicht. Lebt ein schönes Leben weiter. Ohne mich. Ich habe euch gar nicht verdient.“ Ich bin sinnlos. Nutzlos wurde ich in diese Welt geworfen, nutzlos gehe ich auch wieder von ihr. An meine Freunde habe ich den nächsten Brief geschrieben. „Auch euch gebe ich keine Schuld. Ihr habt euer ganzes Leben noch vor euch, lebt es für mich weiter. Macht es besser. Ich habe mein Leben nun schon hinter mir. Lebt wohl.“ Ihr werdet mir fehlen. Ihr, die mir einen so großen Teil meines Lebens unvergesslich gemacht habt. Aber es ist Zeit zu gehen. Und der letzte Brief ist an sie. Ihr gebe ich ebenso keine Schuld. Sie war nur der Abschluss eines beschissenen Lebens. Ich habe mich mit ihr identifiziert. Habe sie geliebt. So lange Zeit waren wir eins. Waren ein Herz und eine Seele. Du warst die eine für mich. Doch du liebtest mich nicht mehr. Ich war froh, dass du es mir gesagt hast. Mir nichts vorgelogen hättest. Obwohl dies wahrscheinlich vieles anders gestaltet hätte. Man soll sich nie zu schnell in jemanden fallen lassen. Ich habe es getan. Und habe mich selbst verloren. Habe versucht, mit egoistischer Liebe viel zu viel von ihr zu verlangen. Etwas, was sie mir nicht geben konnte. Nicht geben wollte. Sie trifft keine Schuld. Ist sie doch der großartigste Mensch der Welt.

Ich falte die Briefe wieder zusammen. Stecke sie wieder in den Umschlag. Das habe ich also auch erledigt. Mir wird kalt. Ich greife mir auf die Stirn. Kühl. Fast zu kühl. Jetzt sitze ich einfach nur regungslos da. Lausche der Musik im Hintergrund. Leise läuft sie noch. Die CD. The Drugs Don’t Work. Ja, sie wirken wirklich nicht. Vielmehr machen sie alles noch viel schlimmer. Zeigen mir, wie beschissen es sein kann. Machen mich depressiv. Zeigen mir einfach nur die Realität.

Ich habe so viel aufzugeben. Ich habe so große Angst davor. Ich freue mich nicht mehr darauf, wenn es passiert. Ich freue mich auf das Danach. Vor dem Sterben habe ich Angst. Nicht vor dem tot sein. Das gibt mir vielleicht all das wieder, was ich hier auf Erden vergeblich suchte. Hoffentlich. Sonst wäre auch das umsonst gewesen. Und wie alles könnte man auch das nicht mehr zurückdrehen. Es wäre geschehen. Es wäre der Abschluss dieses langen Weges, den man Leben nennt. Vielleicht ist das nicht wirklich das Ende. Sondern nur eine falsch gekennzeichnete Abkürzung. Um das Leben, den Weg kürzer zu machen. Vielleicht. Kann ja sein.

Ich vergesse mich. The Verve spielen sich mit ihrem psychedelischen Sound und ihren minutenlangen Gitarrenriffs in mein Gehör. Und es gefällt mir. Ich könnte mich fallen lassen. Könnte all meine Träume in Erfüllung gehen lassen. Doch dieses Gefühl hält nur kurz an. Und es bricht doch alles wieder ein sich zusammen. Die ganze Welt. Da hilft nicht einmal ein Trance-ähnlicher Zustand. Dieses scheinbar schöne Gefühl, es geht so schnell, wie es auch gekommen war.

Jetzt höre ich sie wieder. Diese Stimme in meinen Kopf. Die immer und immer wieder zu mir spricht. „Ich kenne dich schon so lange. Erinnere mich zwar nicht mehr an deine ersten Jahre. Doch ich erinnere mich an die Zeit, als du noch ohne Sorge warst. An die Zeit, in denen du träumen konntest. In der Träume wahr wurden. Als du an das Christkind geglaubt hattest. Und deine Eltern die Größten, die Besten waren. Du noch Respekt vor ihnen hattest. Als die Hierachie noch klar erkennbar war. Als du das Nesthäkchen warst. Als … ja, als noch alles gut war.

Doch auch du wurdest älter. Wurdest größer. Und du glaubtest, du wärst so viel reifer, so viel gescheiter, so … viel besser als all die anderen. Du wärst etwas Besonderes. Klar, jeder Mensch auf dieser Welt ist besonders. Ist einzigartig. Auch du. Aber du bist nicht der Mittelpunkt des Universums. Bist nur einer unter sechs Komma sieben Milliarden Menschen auf dieser Welt. Du bist nur einer unter Milliarden. Es muss dich nicht jeder kennen. Es muss dich nicht jeder mögen. Und es mag dich auch sicher nicht jeder, der dich kennt.

Aber du versuchst krampfhaft, dich in den Mittelpunkt zu stellen. Um erkannt zu werden. Um geliebt zu werden. Doch du polarisierst. Du machst es mir so schwer, dich zu mögen. In manchen Momenten hasse ich dich einfach nur. Würde dich am liebsten in einen Schrank sperren und den Schlüssel wegwerfen. Würde mich am liebsten umdrehen und weggehen, nur um dich nie wieder zu sehen. Doch wir hängen zusammen. Wir können nicht ohne uns. Ich kann nicht mit dir.

Warum bist du so? In manchen Momenten erkenne ich dich gar nicht mehr. Du kommst mir vor wie ein Phantom. Wie ein Geist. Verfolgst mich. Und ich komme nicht los von dir. Lass mich so leben, wie ich es möchte. Lass mich handeln. Lass mir meine Träume. Lass mir meine Ängste. Versuche nicht, aus mir einen anderen Menschen zu machen. Ich möchte noch nicht erwachsen sein. Und ich möchte auch kein Kind mehr sein. Ich möchte so ein Zwischending sein. Verantwortungsbewusst und kindisch. Kindlich und erwachsen. Spaßvogel und ernstzunehmender Mensch. All das möchte ich sein. Aber du lässt mich nicht. Du verlangst von mir, dass ich so lebe wie du. Oder zumindest, dass ich akzeptiere, dass du so lebst.

In manchen Momenten hasse ich dich. Dann schreie ich auch meine ganze Seele raus, wenn irgendein emotionsgeladener Song in meiner Playlist auftaucht. In diesen Momenten möchte ich dich schlagen. Dich verprügeln. All meine Wut, die ich auf dich habe, herauslassen. Aber das schaffe ich dann nie. Ich schaffe es nicht, dich zu verletzen. Dazu bin ich viel zu selbstverliebt. Wenn ich dir wehtun würde, würde es mir Schmerz zufügen. Und das mache ich sicher nicht. Ich brauche nicht leiden, für deine Taten. Obwohl ich es schon so lange tue.

Lass mich doch einfach nur mal so leben. Mische dich nicht ein. Gib mir Freiraum. Dränge dich nicht so in den Vordergrund. Weiche mir aus. Denn ich weiche dir aus. Auch wenn du für mich lebensnotwendig bist. Ohne dich geht es einfach nicht. Genauso wenig wie du ohne mich existieren könntest. Ich kann zu dir nicht sagen: Vergiss mich. Geh mir aus dem Weg. Es geht nicht. Wir sind siamesische Zwillinge. Ein Bund wie Dumm und Dümmer. Dick und Doof. Mann und Frau. Ich kann dich nicht vergessen, dir nicht aus dem Weg gehen Und du auch nicht.

Wir können nur versuchen, in Symbiose miteinander zu leben. Und du weißt doch, was Symbiose heißt … das Zusammenwirken von mehreren Faktoren, die sich vielfach gegenseitig begünstigen. Versuchen wir es. Würde ich dich aufgeben, würde ich auch mich aufgeben. Du hast auch Vorteile, natürlich. Doch wenn ich an dich denke, fällt mir kein einziger ein. Aber ja, versuchen wir es. Vielleicht schaffen wir es. Vielleicht schaffe ich es, dich zu mögen.“

Nein, du schaffst das nicht. Du wirst es nie schaffen, mich zu mögen. Selbst ich habe es schon aufgegeben. Man kann mich nicht mögen. Man kann mich maximal nur ansehen und sich eine Meinung bilden. Mich kennen zu lernen fällt viel zu schwer, als dass sich viele Menschen diese Mühe machen. Jene, die es wirklich versuchen, nenne ich meine Freunde. Aber du. Du, die Stimme in meinem Kopf, du willst mich nicht kennen. Du willst mich nur verändern. Aber du kannst mich nicht verändern. Niemand kann mich verändern. Ich bin so wie ich bin. Und vielleicht hat diese Einstellung mich auch hier in dieses Zimmer geführt, mit diesem Messer.

Dieses Messer. Messer. Mit seiner riesigen Klinge. Wie verliebt streiche ich über sie. Du bist mein letzter Freund. Begleitest mich bis in den Tod. Eine so schöne Spitze hast du. Ich versuche mich mit ihr in einen Finger zu pieksen. Und ich spüre den Schmerz. Zucke zurück. Wie soll ich es nur schaffen. Mit dieser Angst. Aber ich möchte jetzt nicht darüber nachdenken. Nicht jetzt. Ich stehe auf, bewege mich durch mein Zimmer. Vorbei an meinem Schreibtisch, meiner Couch, meinem Schrank. Da hängt er, der Spiegel. Doch …

Wen zeigt dieser verdammte Spiegel? Soll das ich sein? Bin das wirklich ich?

ch will nicht so sein. Ich will nicht diese Person sein, dir mir aus dem Spiegel so zweifelnd entgegenblickt. Ich möchte jemand ganz anderer sein. Ich möchte die Fähigkeit besitzen, mein Leben so zu leben, dass ich mich in den Spiegel sehen kann. Doch es ist zu spät. Es ist das letzte Mal, das ich Spiegel sehe … ja, lächle Spiegelbild. Du hast es dir verdient. Du kannst mich auslachen. Du kannst dich auch nicht verändern. Du bist abhängig von mir. Ohne meinem Ich kann es kein Du geben. Du bist nichts. Nur eine Wiedergabe meines Ichs. Bewege ich mich, bewegst dich auch du. Und wenn ich dich nicht mehr sehen möchte, laufe ich einfach weg. Weg von dir. Aber du. Du bleibst. Immer wenn ich dich sehe. Siehst du auch mich.

Jetzt zeigt das Spiegelbild nur ein verzerrtes Bild meines unnötigen Seins. Einen solchen Menschen würde doch niemand vermissen. Einen solchen Menschen kann doch niemand wirklich lieben. Wie kann mich jemand lieben, wenn ich mich selbst noch nicht einmal lieben kann. Wenn ich selbst es viel zu oft versuche mich zu hassen. So lange Zeit habe ich es nicht geschafft. Doch jetzt hasse ich mich einfach. Ich hasse mich, so abgrundtief. Ich muss mit diesem Ich nicht mehr lange weiterleben. Es hat bald ein Ende.

Schon so oft wollte ich mich verändern. Wollte mein Leben umdrehen. Aber es scheint nie zu funktionieren. Setze ich zu hohe Ansprüche an mich? Soll ich mich auch schon mit den kleinen Veränderungen zufrieden geben? Soll ich so weiterleben und warten, bis ich mich von selbst verändere? Bis ich eines Tages aufwache und merke, ich bin ein Käfer? Liege auf meinem Rücken und kann mich nicht bewegen. Nein, ich müsste mich selbst verändern. Ich müsste mich verändern wollen. Damit endlich etwas geschieht. Vielleicht, Spiegelbild, siehst du, dass es so nicht weitergehen kann. Ich muss etwas unternehmen. I’m a creep. I’m a weirdo. I wanna be special. So fucking special. Verstehst du mich? Hörst du mir überhaupt zu.

Bist du überhaupt noch da?

Ich schaffe das nicht. Ich halte das nicht durch. Es muss etwas geschehen. Damit sich mein Spiegelbild in ein Scherbenmeer verwandet.

Mit der Faust schlage ich hinein. Ich hasse ihn. Und da ist es, das Scherbenmeer. Und ich stehe inmitten all der Splitter, die mir die Haut aufschlitzen könnten. Die Finger schmerzen ein kleines bisschen. Aber der Schmerz ist eigentlich nicht so schlimm. Er tut viel eher gut, als dass er mich zerstören würde. Noch einmal schlage ich in die verbliebenen Scherben. Zu immer kleineren Stücken werden sie. Und an den Knöcheln der Finger beginne ich zu bluten. Nicht sehr, es sind nur Hautabschürfungen und kleine Schnitte. Sie tun mir nicht weh. Niemand tut mir weh. Der Schmerz ist weg. Dieser Schmerz, der eigentlich allgegenwärtig war, Tag für Tag. Er ist weg. Jetzt. Für einen kurzen Moment meines nur mehr kurzen Lebens. Doch wie giftige Dornen schlägt er sich wieder in meinen Kopf. Ich zucke zusammen, der Schmerz weitet sich auf. Mein ganzer Körper krümmt sich. Ich gehe in die Knie. Drücke mit den Händen fest gegen meinen Bauch. Ich hasse ihn. Diesen Schmerz. Ich bin ihm völlig ausgeliefert. Habe keine Chance, irgendetwas dagegen zu tun. Ich bin hilflos. Und alleine.

Ich hatte nie eine Abneigung gegen das Alleinsein gehabt. Ich habe die Zeit immer genossen. Aber jetzt liege ich, vor Schmerz gekrümmt am Boden. Jetzt bin ich nicht nur allein. Diesmal bin ich einsam. Einsam und allein. Ein kleines Kind, das sich übersehen fühlt auf dieser Welt. Niemand sieht einen. Niemand hört einen. Man ist nur ein klitzekleiner Punkt auf der Erdkugel. Ein nicht zu beachtendes Stück Scheiße. Sonst nichts. Nicht wirklich. Sicher nicht der Mittelpunkt des Universums. Der man manchmal einfach mal sein möchte. Der Schmerz, er geht nicht weg. Er ist da. Schon die ganze Zeit. Ich halte ihn nicht mehr aus. Keine Medizin, keine Tablette hilft da. Er geht einfach nicht weg.

Fest drücke ich mit meinen Händen gegen meinen Kopf. Ich will raus aus diesem Körper. Will raus aus diesem Leben.

Wenn ich jetzt so zurückdenke … ich hatte keine schlimme Kindheit. Aber ich hatte auch keine problemfreie. Immer wieder wurde von mir etwas verlangt, was ich nie und nimmer schaffen konnte. Ich wurde ein Wrack. Durch all den Druck wurde ich zusammengedrückt. Wurde ein nachdenklicher Einsiedler. Immer mit diesem Schmerz in mir. Niemals wird er weggehen. Der Schmerz wird das letzte Gefühl sein, welches ich noch verspüre, bevor ich meinen letzten Atemzug von mir gebe. Nichts ist so, wie es sein hätte sollen. So wollte ich nie, dass mein Leben endet. Allein, in meinem Zimmer. Im zarten Alter von neunzehn Jahren. Aber ich weiß schon wie das nach meinem Tod ablaufen wird. The Needle Returns To The Start Of The Song, And They All Sing Along Like Before. So soll es auch sein. Keine Trauer für mich. Keine Gedanken an mich. Ich werde dann Geschichte sein.

Und nun habe ich keine Lust mehr. Keine Lust, weiter über Leben und Tod nachzudenken. Ich habe mich entschieden. Ich möchte sterben. Ich möchte den Tod kennenlernen.

Und so nehme ich noch einmal dieses Messer in meine Hand. Ich bin entschlossen. Ich werde es tun. Meine Hand zittert als ich das Messer von meinem Bett aufhebe. Ich setze mich auf den Boden. Ich spüre einen Schweißtropfen, als er langsam von meiner Stirn hinunterläuft. Meine Hand lege ich auf mein Knie. Setze es an. Und ziehe es durch. Ein tiefer Schnitt. Ich lasse das Messer fallen. Das Blut spritzt aus meiner Hand. Ich halte es nicht zurück. Ich verspüre keinen Schmerz. Ich sitze da, wie gelähmt. Und mir scheint es, als würde ich spüren, wie alles Menschliche meinen Körper verlässt. Unaufhaltsam werde ich immer weniger und weniger.

Nie hatte ich an diese Geschichten geglaubt, die mir vom Tod erzählt wurden. Während ich vor mir hinsieche, beginnt er, dieser Film. Der Film meines Lebens. Und ich sehe mich, wie ich geboren wurde. Sehe mich mit meinem verstorbenen Großvater. Oder in meiner Rolle als Lebkuchenmann. Beobachte mich an meinem ersten Schultag. Erinnere mich an die verschiedenen Tode, die ich miterleben musste. Erinnere mich an die Momente, an denen ich mit meiner Mutter allein war und wir aus reiner Freude uns umarmt haben und Tränen vergossen haben. Erinnere mich an meinen Vater, an die Zeit mit ihm. Ich sehe mich in der Kirche sitzen, am ersten Schultag im Gymnasium.

Langsam spüre ich Angst aufsteigen. Das Leben geht dem Ende zu.

Und ich sehe mich während der Sportwoche, als ich meine beste Freundin kennen gelernt habe. Mit der ich so vieles erlebt habe, die zu einem so wichtigen Bestandteil meines Lebens wurde. Sehe mich am See liegen. Mit all meinen Freunden. Spüre mich sinken, wie die Sonne jeden Abend im See zu versinken schien. Sehe all die schönen Momente mit meinen Freunden.

Und dann sehe ich sie. Unsere erste Begegnung, vor zwei Jahren. Ihr junges Gesicht, ihre schönen Augen. Und wie schon die ganze Zeit, sehe ich mich aus der Beobachterperspektive. Ich sehe mein Lächeln, als ich sie sehe. Und dann spüre ich ihre Lippen. Jetzt bin ich bei unserem ersten Kuss angelangt. All die schönen Momente mit ihr ziehen vorbei. Und nun auch die Tränen, die ich wegen ihr, die sie wegen mir vergoss. Und ich denke mir, gut dass es vorbei ist.

Das Blut auf meinem Boden wird immer mehr. Meine Jeans, mein T-Shirt, alles ist getränkt von meinem eigenen Blut. Und doch verspüre ich noch so viel. Habe noch so viele Gedanken. Kann noch so vieles tun. Der Film geht noch weiter. Ich sehe mich die Matura machen. Und mich auf diesem einen kleinen Berg sitzen. Der Berg, der mir den Überblick über die ganze Stadt, über mein ganzes Leben schenkt. Auf diesem einen kleinen Berg, meine beste Freundin hat ihn mir gezeigt, saß ich oft. Und dachte nach. Schenkte niemandem mehr Beachtung und fühlte mich einfach nur wohl. Niemand anderer durfte bei mir sein. Das sollte mein Berg sein. Und ich sehe mich, bei all meinen falsch verlaufenen Liebschaften. Ich sehe all die Mädchen, an die ich mich verlor, noch bevor sie mir sagen konnten, dass sie kein Interesse haben. Ich spüre all die Küsse, die ich mir gewünscht habe, die ich aber nie bekam. Und noch einmal empfange ich diese Zärtlichkeit, die ich bei ihr so liebte. Es schien, als würde mir jemand durch mein Haar streichen. Würde mir mit den Fingern über die Wange fahren. Und ich spüre den leisen, warmen Hauch ihres Atems in meinem Ohr.

Und eine Flut von Gefühlen, von Gedanken, von Schmerzen, und von Angst überströmt mein Leben. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Ich bin ein blutleerer Mensch. Mit mir verlieren so einige Menschen einen guten Freund. Und mit dieser Tat habe ich mir die Chance vertan, das Leben noch einmal zu versuchen. Ich hätte es noch einmal versuchen sollen, es besser zu leben. Mit meiner anderen Hand drücke ich mir auf die klaffende Wunde. Nicht um die Blutung zu stoppen. Nur um den Schmerz etwas zu besänftigen. Meine Hand tobt.

Schön langsam hauche ich die letzten Atemzüge ein und aus. Und, bedingt durch das Verlieren von Kraft, scheine ich jeden Zug zu genießen. Langsam ein. Und langsam wieder aus. Ich röchle noch nicht. Noch kann ich atmen. Noch spüre ich etwas Leben in mir.

Und diese Flut aus Gefühlen, sie scheint mich zu erdrücken. Wie eine riesig große Welle. Und ich, ich liege am Strand. Die scheinbar wunderschöne Szene, so gewaltig, und so tödlich. Und all die Gedanken, die jetzt noch in meinem Kopf herumschwirren. Ich scheine, unter ihnen begraben zu werden. Die Bilder von meiner Familie, von meiner großen Liebe, von meinen Freunden und auch jene von meinen Feinden, und all den Verstorbenen, denen ich den Tod nicht vergönnte. All diese Menschen sehe ich wieder. Und jeder sieht mich an, mit diesem verzweifelten, fragenden Blick. Warum. Warum habe ich das getan. Warum sagte ich zum Leben leise Servus ohne jemals wirklich gelebt zu haben. Ich hätte noch so viel zu erleben. Ich müsste noch so viele Erfahrungen machen, um ernsthaft über ein Ende des Lebens philosophieren zu können. Ja, ich habe den Mut gehabt, mir das Leben zu nehmen. Aber habe ich jetzt auch den Mut, den Tod zu akzeptieren?

Ich beginne zu röcheln. Meine Hände werden schwer. Meine Beine sind nun ausgestreckt am Boden. Das Messer, es liegt immer noch am Boden. Mit Blut beschmiert. Mein Blick wird immer verschwommener. Ich versuche aufzustehen. Halte mich anfangs am Bett, dann am Bücherregal und dann versuche ich ohne irgendwelche Hilfsmittel mich fortzubewegen. Ich fühle mich so schwach. Und so gehe ich einige Schritte. Sehe mich im meinem zerbrochenen Spiegel. Ich sehe die Angst. Ich wanke zurück. Nach Luft ringend. Ich stürze, versuche mich an den Gardinen fest. Reiße sie mit mir zu Boden.

Und während auch der letzte Tropfen Blut aus meinem Körper fließt, sehe ich sie wieder. Meine Eltern, meine Freunde, meine Liebe. Und ich spüre ihre Nähe. Spüre ihre Liebe. Spüre ihre Berührungen. Kämpfe mit mir selbst. Kämpfe gegen den Tod. Doch er ist stärker. Ich bin schon viel zu schwach. Und während ich es kaum mehr schaffe, die Augen offen zu halten, kommt mir plötzlich dieser eine Gedanke. Und er fährt mir direkt in meinen Kopf. Ein Schwert scheint meine Schädeldecke zu durchstoßen. Die letzen Kräfte weichen aus meinem Körper. Die Gedanken häufen sich. Und während die Sonne auf meinen leeren Körper strahlt, schließe ich meine Augen. Ich gebe auf. Aber leiser flüstere ich „Verdammt. Ich will … leben.“ Doch es ist vorbei

Zwei Von Millionen Von Sternen

Ich träumte immer von meiner ersten großen Liebe. Aber wieso fühlt sich jetzt alles so anders an. Anders als ich es mir vorgestellt hatte.

Träume. Träume über die erste Liebe. Wir liegen am See. Nebeneinander. Mit den Fingern kraule ich deinen Arm. Wir liegen da. Denken über alles nach. Lassen das ganze Leben vorbeiziehen. Liegen hier und reden. Über alles Mögliche. Mich überkommt eine Gänsehaut. Von der Stille. Trotz des Redens empfinde ich alles als still. Ich bin. Ja. Ich bin mit mir zufrieden. Ich fühle mich wohl in meiner Haut. Fühle mich von dir verstanden. Fühle mich als einen Teil von dir. Ich liege da, drehe mich zu dir. Du blickst in den rötlich gefärbten Himmel. Und ich sehe in deine Augen. In deine Augen, und ich kann noch immer nicht wahrhaben, wie gut es mir eigentlich geht. Die Sonne, die uns den ganzen Tag die Wärme geschenkt hat, sie geht unter. Wir beobachten dieses Naturschauspiel. Küssen uns. Und wissen: uns kann eigentlich nichts passieren. Wir würden uns nicht wegen jedem Problem streiten.

Warum fühlt sich alles so anders an. Warum bin ich nicht mit mir zufrieden, wenn ich neben dir liege. Wieso können wir nicht reden. Über alles Mögliche. Wieso fühle ich mich nicht als einen Teil von dir. Wieso beunruhigt mich jeder einzelne Anflug von Stille. Wieso kann ich nicht sein, wer ich bin. Ist das also die Liebe, wie man sie sich wirklich vorstellen kann? Ist das alles ganz normal. Und warum kannst du mich an manchen Tagen einfach nicht küssen?

Wenn wir uns sehen, und das ist ja vor allem jetzt, in der Zeit meines größten Stresses in meiner Schulzeit, nicht sehr oft, dann … reden wir. Wir reden. Es scheint … gezwungen. Wir müssen reden, dass es ja nicht zu dieser beunruhigenden, peinlichen Stille kommt. Wieso können wir nicht einfach in dein / mein Zimmer gehen. Uns ins Bett legen. Und einfach nur da liegen. Daliegen, die Augen schließen. Unserem Atem lauschen. Und über das reden, was uns wirklich bewegt. Einfach um unsere Nähe zu genießen. Wir sehen uns nicht oft. Zurzeit nicht. Aber warum sitzen wir dann, wenn wir uns sehen, auf einer Parkbank. An einem Tisch. An zwei verschiedenen Stellen im Zimmer. In diesen Momenten fühle ich mich dir immer absolut fern. Ich hier. Und du. Meilenweit entfernt. Obwohl du neben mir sitzt.

Du fehlst mir. Du fehlst mir, wenn ich dich tagelang nicht gesehen habe. Und du fehlst mir selbst dann, wenn ich neben dir sitze. Ich fühle mich so fern, obwohl wir uns so nah sein könnten. Wir müssten uns nicht einmal küssen. Wir müssten nur als Liebende unsere Welt dem anderen offenbaren. Müssten Träume miteinander teilen. Und nicht, wie es gerade in der Schule läuft. Was die langweiligste Unterrichtsstunde war. Und darüber zu diskutieren, warum du nicht abgehoben hast. Warum ich dich nicht angerufen habe.

Ich glaube Erich Fromm schrieb einmal, dass man erst richtig lieben kann, wenn man mit sich selbst im Reinen, wenn man seine Persönlichkeit weitestgehend entwickelt hat. Ich weiß, ich bin mit mir noch lange nicht im Reinen. Meine Persönlichkeit ist noch gespalten. Ich bin noch nicht die Person, die ich gerne sein möchte. Ich möchte doch nur eine Person sein, ich, ich selbst. Soll das heißen, dass ich dich nicht lieben kann. Ich liebe dich. So gut es in meiner Macht steht.

Lass uns beginnen, uns anders zu begegnen. Es scheint, als fürchten wir uns davor, unter uns zu sein. Es scheint als wäre Nähe für uns die meiste Zeit unangenehm. Versuche zu verstehen: Nähe entsteht schon alleine durch Nebeneinanderliegen, ja, selbst durch Stille. Durch die Berührung unserer Hand. Durch einen ehrlichen Blick in die Augen des Gegenübers.

Ich freue mich auf unser nächstes Treffen. Und vielleicht schaffen wir es, uns endlich wieder einmal nahe zu sein. Vielleicht schaffen wir es sogar, „wir“ zu sein.

A Whisper

 

Du hast mich enttäuscht. Ich wollte dich hassen. Ich wollte dich nie mehr wieder sehen. Ich wollte nie wieder etwas von dir hören. Aber ich schaffe es noch nicht einmal, dich nicht mehr zu lieben

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

210 Tage. 5040 Stunden. 302400 Minuten. 18144000 Sekunden. 57 % eines ganzen Jahres. Ungefähr 3 Prozent meines ganzen Lebens. So lange hast du es mit mir ausgehalten. So lange habe ich es mit dir ausgehalten. So lange habe ich dich unendlich geliebt. So lange Zeit war ich dein. So lange waren wir eins. Bis eben diese Zeit vorüber war. Dann war es vorbei.

Ich wünschte mir, dass es dir schlecht geht. Ich wünschte mir, dich nie mehr sehen zu müssen. Ich wünschte mir, nicht um dich weinen zu müssen. Ich wünschte … ach, ich wünschte mir so viel. Ich wünschte mir auch, dich hassen zu können. Aber ich schaffe das alles nicht. Ich schaffe so vieles nicht, was ich mir vorgenommen habe.

Ich habe mir vorgenommen, dich nie mehr gehen zu lassen. Dich nie schlecht zu behandeln. Dich zu umsorgen. Für dich zu leben. Aber du hast all das zerstört. Du warst es, die mit all dem Schluss gemacht hat. Mit mir Schluss gemacht hat. Du warst diejenige, die sich getraut hatte, unter eine komplett verkehrt verlaufende Rechnung einen Schlussstrich zu ziehen. Du hast es gewagt. Hast es realisiert. Aber lasse mich bitte die Rechnung zusammenrechnen …

Unser erster, schüchternder Kuss, am See. Unser verliebtes Umherrennen. Unser gemeinsames Ausloten der elterlichen Grenzen. Unsere Erfahrungen. Unsere Streitigkeiten. Unsere Liebe. Unsere Zweifel. Unsere Träume. Unsere Realität. Unsere sechs Monate voll Zweisamkeit, Liebe, versuchte Ehrlichkeit und verdammtem Rollenspiel. Du glaubtest nie, du selbst sein zu können. Ich glaubte, nur bei dir ich selbst sein zu können. Unsere Telefonate. Unsere gemeinsam verlorenen Tränen. Unser Lachen. Unser Zusammenkommen. Unsere Trennung.

Ergibt … nach … Adam Riese … Unsere Geschichte.

Ich wollte nie um dich weinen. Und selbst bei unserem Telefongespräch an jenem Sonntag kamen mir fast die Tränen. Okay, ich bin nah am Wasser gebaut, weine bei Philadelphia oder Garden State … aber diesmal war es anders. Ich wollte nicht weinen. Ich war nicht darauf gefasst. Genauso wie bei dem Lied „Fairytale Gone Bad“ oder „Chasing Cars“. Verdammt. Ich wollte nicht um dich weinen.

Hach, was habe ich gebloggt. Habe geschrieben, dass du längst vergessen bist. Dass ich bereit bin für neue Beziehungen. Dass ich mich von dir und dieser kleinen Trennung nicht unterkriegen lasse. Ich habe gesagt, ich verschwende keine unnötigen Gedanken mehr an dich. Keine unnötigen Worte. Keine unnötigen Tränen. Und doch habe ich immer an dich gedacht. Immer über dich geschrieben. Immer wegen dir geweint.

Ich war enttäuscht. Enttäuscht deswegen, da ich damit nicht gerechnet habe. Damit, dass du die Realität kapierst. Dass du mit dieser Realität nicht mehr umgehen kannst. Dass du dein Leben in die richtigen Bahnen kriegen möchtest. Und ich dich dabei behindere. Ich war bitterlichst enttäuscht. Überrascht. Überwältigt.

Meine Gefühle spielten verrückt. Ich glaubte, also, ich redete es mir ein, dass das Single-Leben so schön ist. Dass nichts besser sein könnte. Dass ich mich von sowas nicht unterkriegen lasse. Von Sowas … von 3 Prozent meines Lebens. Von meiner ersten großen Liebe. Von meinen ersten Gehversuchen im Paartanz. Ich wollte dich hassen. Und gleichzeitig wollte ich dich in die Arme schließen. Wollte dich küssen. Und wollte dich von mir wegstoßen. Wollte dich nicht mehr sehen. Hätte aber so gern etwas von dir gehört.

Jetzt weiß ich es … ich kann das ganze nicht einfach so vergessen. Jede Träne, die meine Augen verlässt, hat es verdient, beachtet zu werden. Jeder Gedanke an dich ist nicht umsonst. Du warst ein so wichtiger Teil meines Lebens. Und für … verhältnismäßig lange Zeit. Ich kann dich nicht einfach so vergessen. Ich kann nicht alles einstellen. Nur weil es scheinbar „vorbei“ ist. Vielleicht ist unsere Beziehung vorbei. Aber die formale Trennung geht um einiges leichter, als die Trennung im Geiste. Mir ist schon klar, dass wir nicht mehr ein Paar sind. Aber ich würde trotzdem keinen Tag überstehen, ohne an unsere gemeinsame Vergangenheit zu denken. Ohne „Linger“, „Goodnight Hollywood Blvd“ oder „Hier kommt Alex“ zu hören.

Ich möchte dich gar nicht mehr vergessen. Du warst ein Bestandteil meines Lebens. Du wirst ein Bestandteil meiner Geschichte bleiben. Und vielleicht schaffen wir es auch, dass wir Freunde werden.

Vom Verlieren und Wiederfinden der Liebe


AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by â€¢â€¢ Federì ••

Wir dachten, es könnte uns nichts passieren … aber in Sachen Liebe sollte man das Denken wohl lieber lassen.

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Einen letzten Kuss möchte ich, nur damit ich weiß, wann ich den vielleicht letzten Kuss von dir bekommen habe. Langsam bewegst du dich auf mich zu. Wir sehen uns in die Augen. In deine so schönen Augen. Glänzend vor lauter Tränen. Du legst langsam deine Hände um mich, ich tue es dir gleich. Unsere Lippen berühren sich, und jede einzelne Träne, die aus deinen wunderschönen Augen gefallen ist, und sich einen Weg auf deinem Gesicht gesucht hat, jede einzelne Träne spüre ich, wenn sich unsere Lippen berühren.

Sie schmecken salzig, warm. Ich spüre es wieder. Die zittrigen Knie, so wie bei unserem ersten Kuss. Ich möchte dein sein, möchte mich fallen lassen, möchte dass dieser Kuss ewig andauert. Ich möchte, dass dieser Tag nicht geschehen ist. Ich möchte versuchen, all das zu vergessen. Doch es geht nicht. Unsere Lippen lösen sich. Ich blicke dir noch einmal in die Augen. Man kann das ganze nicht einfach vergessen. Diese Augen, dieses Gesicht. Ich möchte nicht weg. Ich möchte bei dir bleiben, möchte in deinen Armen einschlafen. Doch ich drehe mich um und gehe. Ohne mich ein einziges Mal umzudrehen. Warum muss ich gehen? Worum ging es in unserem Streit überhaupt? Können wir nicht einfach morgen darüber lachen?

Ich habe vieles erwartet, mit vielem gerechnet, aber ich habe gehofft … gehofft, dass alles gut ausgeht. Dass du auf unsere Beziehung vertraust. Dass du deinen Gefühlen nachgibst. Dass du mich nicht nur als besten Freund haben möchtest. Dein Telefongespräch freute mich. Es ließ einen schrecklichen Tag doch noch gut werden. Deine Stimme zu hören, mit dir eine halbe Stunde zu reden, diesen Ausstoß von Glückshormonen hatte ich bitter nötig.

Den ganzen Tag machte ich mir Gedanken, mein Kopf war immer in Arbeit, ich hatte keine ruhige Minute ohne einen Gedanken an dich. Es ist schon schrecklich genug, wenn man während der Weihnachtsferien in die Schule kommen muss, um die Choreografie für den Abschlussball immer und wieder durchzuüben. Aber mit diesen Gedanken im Hinterkopf war es noch schlimmer.

Ich konnte nicht einmal ruhig schlafen. Es gibt nicht viele Gründe warum ich nicht schlafen kann. Vollmond, zuviel Koffein … dass sind normalerweise die einzigen Gründe. Aber nachdem ich heimgekommen war, versuchte ich zu schlafen, mir war zu kalt … und das Nachdenken ließ mir auch keine Ruhe. Als ich endlich einschlief, wachte ich jede halbe Stunde auf. Immer mit den Gedanken im Kopf.

Der eine Kuss. Von Tränen getränkt.

Wie war es nur so weit gekommen? Warum war überhaupt von Trennung die Rede? Und was war der Ausgangspunkt unseres Streites? Wenn du mich nur als besten Freund haben willst, sage es mir. Dann ist es das Gescheiteste, wenn wir Schluss machen. Oder wollen wir es wieder versuchen, Beziehung und gute Freundschaft? Ich brauche nur Gewissheit. Und die erhielt ich an diesem Abend nicht. Der Streit, so … übertrieben, so … sinnlos. Argumente, die wir uns an den Kopf warfen, von welchen wir heute nur mehr die wenigsten wissen, und diese auch meist nicht vertreten können.

Wie du zu weinen begonnen hattest. Als ich sagte, ich wollte noch nach Hause gehen. Um 2 Uhr morgens. Du hattest Angst um mich. Du begannst zu weinen. So ehrlich, so bitterlich, so sorgend.

Wir sollten reden. Darüber, dass ich es nicht schaffe, auf die Beziehungskiste komplett zu verzichten und nur auf guten Freund zu machen. Ich möchte dich küssen, wann ich will. Ich möchte dich umarmen, wann ich will. Und ich möchte dir in die Augen sehen, ohne das Gefühl zu haben, dass du dich immer weiter, mehr und mehr, von mir wegbewegst. Der Abend bei einer Freundin war eigentlich lustig. Nur all das Rundherum, was in meinem Kopf herumspukte, die Gedanken, der Unmut, der Ärger … ich wusste schon vor diesem gemütlichen Zusammensitzen, dass dieser Abend beschissen enden wird. Ich komme damit einfach nicht zurecht.

Der Weg zu unserer Abendunderhaltung war lang, kalt, dunkel und gruselig. Doch wir waren ja nur Freunde. Kein Händchen halten, keine Küsse während dem gehen, kein gegenseitiges Wärmen. Aber ich wollte dich doch so gern küssen. Mich mit dir in die, fast von der Kälte gefrorene, Wiese fallen lassen. In die Sterne sehen, und mir mit dir eine wunderschöne Zukunft ausmalen.

Vorher war ich mit zwei meiner besten Freunde, einem Paar, im Kino. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, wie beschissen all das gelaufen ist, kann man, denke ich, keinen Film wirklich genießen.

Ich hatte nur wenig Zeit darüber nachzudenken, ich kam heim und war auch schon wieder auf dem Weg ins Kino. Ich konnte dir nur schnell meine Gedanken schreiben. Und das auch nur in der Form eines kleinen Gedichts. Ich hätte dir so viel zu sagen. Aber ich wurde noch nicht einmal mit dem Denken fertig.

„Also ich finde es scheiße“ … das war meine erste, und spontane Reaktion, als ich begann, richtig darüber nachdzudenken. Unser Gespräch, in dem du mir erklärtest, dass du mich wahrscheinlich zurzeit mehr als besten Freund beanspruchst, als als Freund. Ich weiß, dass man beides verbinden kann. Aber irgendwie versuchten wir es, einmal nur beste Freunde zu sein. Anfangs dachte ich, dass das ja gut gehen könnte. Aber nachdem ich das erste Mal darüber nachdachte, kam es eben zu dieser Reaktion.

Der Tag hatte ja eigentlich gut begonnen … der Vormittag war so unglaublich. Wir waren frühstücken, erledigten den ersten nachweihnachtlichen Einkauf und saßen am See, an unserem See, dem wunderschönen Traunsee. Doch ich wusste, du wolltest reden. Du hast es ja selbst angekündigt. Aber ich habe es so gut wie möglich hinausgezögert. So wie du.

Wir glaubten, uns könnte eigentlich nichts passieren …

Wir weichen normalerweise unseren Problemen aus. Dieses Mal taten wir das nicht. Daran wäre unsere Beziehung fast zerbrochen. Doch wir vertrauen auf unsere Beziehung. Wir geben unseren Gefühlen nach. Wir lieben uns.

Ich freue mich schon wieder auf dein Gesicht. Deine Augen. Deinen Körper. Auf den nächsten Kuss.

Selbst mit einem, von Tränen befeuchtete, Gesicht sehe ich in dir das wunderschönste Wesen der Welt.

Welcome To The Black Parade.

ich habe in den letzten tagen immer viel zu wenig geschlafen … von montag bis dienstag eine halbe stunde, und jetzt dann immer „nur“ 6 stunden. eigentlich wollte ich gerade meinen verloren gegangenen schlaf nachholen. doch nun habe ich einige meiner word-dateien durchgelesen … und bin auf die texte „ich hasse dich“ und „in the arms of sleep“ gestoßen. und deshalb habe ich beschlossen. den längsten eintrag in der geschichte dieses blogs zu schreiben. über was? mein leben.

es ist die zeit des advents. die von vielen so glorreich als zeit der ruhe propagierte zeit des wohl vorprogrammiertesten streites. in der adventszeit ist die agression und die lust zu streiten um einiges höher als in allen anderen zeiten vorher oder nachher.

ich habe mich ja bekanntlich mit meinem vater gestritten, habe danach 3 wochen kein wort mit ihm geredet … dann wollte ich eigentlich nur wieder „hallo“ und „morgen“ oder „tschüss“ sagen. weil ich viel mit meiner mama geredet habe, und sie mir gesagt hatte, dass auch er es irgendwie wieder wünscht, dass wir wieder zumindest etwas miteinander reden. und ich wollte es anfangs gar nicht. diese wenigen worte zu sagen. aber … ich tat es. nach einigen tagen war wieder alles normal. wir sprachen „fast“ normal.

aber gestern habe ich mich wieder mit ihm gestritten. wieder einmal. ich hasse ihn. er ist eines der größten arschlöcher, die ich je auf dieser welt gesehen habe. und leider ist er auch … mein vater. oder nein, nennen wir ihn „erzeuger“, „produzent“ … obwohl ihm das doch schon wieder zu viel zuspricht. ein vater war er nie. er hat es vielleicht des öfteren versucht. aber … er hat es nie geschafft.

ich rede wieder nichts mit ihm, und ich möchte das jetzt auch mehr wochen, und monate durchziehen. ich dachte, er sollte etwas lernen, er sollte begreifen, dass er nicht handgreiflich werden kann gegen mich (nein, er hat mich nicht geschlafen, er hat mich nur brutal gegen die wand gedrückt, zu einem zeitpunkt, wo ich noch gar nicht wusste, was der sinn dieses streites war). er hat nichts gelernt. und er legt auch nicht darauf wert, dass ich mit ihm rede.

okay, familienteil 4 – mein papa: arschloch …

so, nun zu meiner schwester. sie ist dumm, beschissen und absolut unreif. ich darf von unreife nicht reden, ich bin 18 und drehe solche filme wie „adi tschetin superstar auf dem bauernhof“ … aber trotzdem … meine schwester ist 21, hat ein kind … aber nichts dazugelernt. sie ist dumm wie zuvor. und sie hat mit sicherheit einen niedrigeren intelligenzquotienten … tut mir leid, das klingt jetzt vielleicht hochnäßig von mir, aber sie wirkt auf mich einfach nur … dumm. mit ihr streite ich mich auch einigermaßen oft … und ich rede nur mehr die wichtigsten worte.

familienteil 3 – meine schwester: arschloch, dumm

nun zum timi. er ist der sonnenschein in unserer familie. immer gut aufgelegt. meistens ein lächeln auf dem gesicht. immer für einen spaß zu haben. und er mag mich, auch wenn er mich heute in die nase gekratzt hat. er mag mich, meine haare, meine brille (wenn ich sie auf habe), mein la-le-lu … mich. er ist wahrscheinlich noch zu klein. deswegen mag er mich.

familienteil 2 – mein neffe: noch zu klein um mich zu hassen

und nun zu meiner mama. sie ist … die konstante in der familie. sie trägt die lasten aller, jeder lässt seinen frust an ihr aus. sie kann sich meistens nicht mehr helfen, und oft anerkennt man ihre arbeit, ihr leben nicht. sie lebt für die familie. nicht so wie teil 4 und 3. sie ist die familie. wenn ich ein die „familie leitner, kufhausstraße“ denke … dann fällt mir zuerst meine mama ein. mein papa und meine schwester sind beiwerk. sie sind nicht unbedingt nötig. wenn sie nicht da wären, würde es auch nicht auffallen. aber ja, meine mama … wirft mir jeden streit mit meinem papa vor. jeden streit mit meiner schwester. ich streite mich auch oft mit ihr. aber das wird immer wieder passend. ich möchte nicht meine mama sein. ein solch schweres leben, wie sie hat … das möchten nur die wenigsten haben.

familienteil 1 – meine mama: die familie

und nun möchte ich zu meinen freunden kommen. fangen wir einmal bei denen an, mit denen ich fast täglich kontakt habe.

lukas … ihr kennt ihn ja. wir kommen uns schon öfters in die haare. aber wir sind auch schnell wieder draußen, was bei dem haarvolumen vom lucky doch sehr überrascht.

stefan … mein linker, linker platz ist frei … 😉 … er ist mr. gehirnaussetzer nr. 1 … und wir schreiben gerade immer die gleichen schularbeitennoten, geben matheschularbeiten zur gleichen zeit ab (80 minuten zu früh) … zurzeit die wichtigste männliche person in meinem engsten freundeskreis. nichts für ungut lukas, aber mit dem stefan gehts einfach besser.

elli … ja, meine beste freundin. ja … immer noch. jetzt, wo wir wieder eine wunderbare freundschaft haben … mit sinnlosen lachanfällen, dreharbeiten zum näga … und … tollen gesprächen über alles … das wunderbare sonntags-nachmittags-gespräch.

rosa … immer öfter sehe ich sie jetzt. immer wichtiger wird sie mir. der kreis, der freundeskreis … sie kommt noch weiter hinein. das finde ich schön …

laura … mit ihr habe ich mich gestern gestritten. ich war leicht reizbar, bin es immer noch, ich bin gerade nicht sehr gut drauf. aber ja, es ist cool mit ihr über alles und jeden 😉 zu reden …

andrea … auch mit ihr habe ich mich gestritten. nun passt wieder alles … das gute, ich kann nie jemandem lange böse sein. die wichtigste montags-kino-film-schauerin … 😀

und nun zu den leuten, mit denen ich mehr zu tun hatte, wo aber der kontakt bis auf wenige momente abgebrochen ist.

susi … wann haben wir uns eigentlich das letzte mal so richtig gesehen. wann sind wir zum letzten mal zum reden gekommen. alleine. wie geht es dir eigentlich. was machst du die ganze zeit. gibts dich überhaupt. ich finde es extrem traurig, dass gerade du jetzt irgendwie … ja, ich hasse es, das der sommer vorbei ist. dass wir nicht mehr am see liegen können. das … der sommer meines lebens vorbei ist. ich vermisse dich.

magdi … die schule verhindert irgendwie alles, der kontakt zu vielen freunden bricht ab. obwohl ich das überhaupt nicht will. doch obwohl es besser zu werden schien, wir wieder einmal ein langes gespräch hatten, ist jetzt schon wieder viel zu lange eine flaute. ich hoffe, das wird wieder.

das sind meine wichtigsten freunde. auch mit dem zachi ist es irgendwie gebrochen. mit der lea. mit … so vielen leuten, die im sommer alles für mich waren. die meine familie waren. aber vielleicht musste das ja auch so kommen, wie es in meiner familie passiert ist …

nun zu meiner liebe. es gab probleme. wahrscheinlich / vielleicht gibt es die noch immer. ich … ach vergessen wir das ganze. es gab riesige probleme. hoffentlich passt jetzt wieder alles. ich liebe dich, maria … if i lay here, if i just lay here, would you lie with me and just forget the world … 😉 …

schule. okay, 6 schularbeiten … davon 2 positive. deutsch, 5 und 2. französisch 5. latein 5. mathe 5. englisch 3. super, oder? chemie? 5. physik? glaube ich auch 5. das leben ist schön. ich möchte, dass wieder sommer ist. dass wieder ein sommer wie dieser ist. ich möchte wieder leben können. ich möchte wieder ich sein können. ich möchte lebe.

was könnte ich nocht schreiben. ich versuche einmal eine geschichte.

„i don’t love you“
er gab ihr einen kuss auf die wange. und ging. ohne sich umzudrehen. sie blieb stehen, presste die lippen fest zusammen und eine träne bildete sich in ihrem auge. langsam ronn sie die nase hinunter, die oberlippe und wurde schließlich von ihrer hand weggewischt. hatte er das wirklich gesagt? wie konnte er das nur. was fällt ihm denn überhaupt ein. ihre b
eine knickten ein. sie brach förmlich zusammen. und als sie ihr gesicht in ihre hände warf begann sie zu weinen …

er ging weiter. konnte nicht fassen, was er da gesagt hatte. sollte er noch einmal kehrt machen, sollte er seinen ausspruchen revidieren, sollte er sagen, er habe es nicht so gemeint? konnte er sie in diesem zustand alleine zuhause lassen. er stieg auf sein moped auf, setzt sich den helm auf, und fuhr los. er wollte nicht nachhause. mit seinem zuhause verband ihn nichts mehr. er hatte das bekannte „garden-state-gefühl“ … das gefühl, dass man irgendwann einmal in seinem leben fühlt. das gefühl, in dem man denkt, dass sein zuhause, das wohlbehütete zuhause, nicht mehr seine heimat ist. der er nicht mehr willkommen ist. so in der art ca. dieses gefühl hatte er schon lange. aber er musste dort wohnen bleiben, wie sollte er sonst über die runden kommen.

wo sollte er hinfahren? er wusste es nicht. und doch fuhr er los. schließlich blieb er an einem kleinen see stehen, stieg ab, legte seinen helm daneben hin. und ging zu diesem see hin. ein steg war dort. und er ging auf ihn zu. niemand außer ihm war zu sehen. rechts von ihm war ein volleyballplatz. doch er war leer und zugedeckt … es war halt doch schon herbst. zwei bänke versperrten den weg zum steg, aber mit etwas geschicklichkeit konnte er rundherumgehen. als er endlich am steg angekommen war, dachte er zurück. an den sommer. an sein „normales“ leben, jenes vor 4 monaten. die zeit von mai bis september, wo seine heimat der see war. wo er abwechselnd eigentlich bei verschiedenen freunden wohnte. die zeit, in der sein leben noch lebenswert war, in dem er seine freunden fast täglich sah. in den tagen, in denen die beziehung noch so frisch war, dass jeder tag etwas neues gebracht hat. jetzt war es so, dass sie sich nur noch wenige tage gesehen haben. vielleicht einmal in der woche. und dann waren sie auch nicht allein. manchmal freute er sich auf einen tag mit ihr, und sie … ging irgendwo anders hin.

was er gesagt hat? nein, er hat nich „i don’t love you“ gesagt. das ist nur gerade der song, den ich höre, während ich diesen text schreibe. von my chemical romance. das ist alles. was er wirklich gesagt hat? ich weiß es nicht. ich habe nur drauf losgeschrieben.

ich möchte jetzt schlafen, morgen soll ich singen, um 9 uhr. es wird bald mitternacht, ich möchte noch „elementarteilchen“ von michel houellebeq und „dr. jekyll und mr. hyde“ auf englisch lesen. ich lesen zurzeit nur mehr. für die matura, für mich. zum spaß. ich liebe zurzeit das lesen.

ich bin zurzeit leicht reizbar. ich werde schnell laut. ich schlage ohne grund mit voller wucht mit der faust gegen die wand. ich sage sachen, die ich nicht sagen wollte. ich fühle mich sofort persönlich angegriffen. das leben mit mir ist nicht leicht. vor allem zurzeit nicht.

das war es nun, das soll mein längster eintrag sein. er ist nicht besonders sinnvoll. morgen schreibe ich mehr. und auch mehr sinnvolles.

The Places You’ve Come To Fear The Most.

so liegen wir. meine hand. ja, meine hand sucht den weg zu meinem gesicht. ein grashalm belästigt es. ich versuche ihn zur seite zu schieben. doch er kommt zurück. ich drehe mich um. sehe ihre wange. richte mich etwas auf. küsse sie nur kurz auf die lippen. küsse sie noch einmal. öffne meine augen. und sie öffnet die ihren. diese momente erzeugen bei mir die gänsehautstimmung. ich schließe die augen wieder … und …

… falle zurück in die zeit, als all das noch nicht da war. als ich noch der traurige, depressive single war. stets auf der suche nach der perfekten frau. mit dem gedanken, dass sich sowieso keine frau für mich jemals interessieren würde. scheiße drauf. einer, der bald abreißt, auf einer party, nur weil sich mehr und mehr die pärchen bilden. und ich bleibe übrig. ich schließe auch hier die augen … und …

…. lasse sie erst einmal zu. vor 3 jahren wusste ich noch gar nicht, was richtige freundschaft bedeutet. ich hatte so etwas wie liebe, eine so unglaubliche und furchteinflösende liebe noch nie durchlebt. ich rede von der liebe, die man für einen freund empfindet. mit dem man durchs feuer gehen kann. mit dem man auch einen streit haben. einen solchen freund habe ich erstmals in der person elli gefunden. und nun immer öfter. und die freundschaften werden immer … fester. immer wichtiger. mir werden die freunde immer wichtiger. wichtiger als alles andere. ich höre zu denken auf. öffne die augen …

… und blicke auf die lider ihrer geschlossenen augen. ich küsse sie noch einmal. lege meine hand auf ihren bauch. drehe mich wieder zurück. wir sehen in die sterne. suchen den großen wagen. blicken, arm in arm, dem nächsten tag entgegen. voll vorfreude. voll ehrfurcht. denn, selbst wenn es allen unmöglich erscheint, jeder tag den wir miteinander verbringen wird schöner und schöner. jeder nachfolgende tag ist um ein mächtiges schöner als der vorangegangene. das ist unglaublich. über uns die sterne. unter uns die erde. in uns die liebe.

denn da alle liebenden
innerlich immer noch kind
und die die reinen herzens handeln
unsre größten helden sind
rett‘ ich die welt mit deiner liebe in mir
denn ich bin für dich da,
nein ich bin wegen dir hier.
da dir die fähigkeit zu lieben,
geblieben ist, und die kraft zu vergeben,
ein bestandteil deines lebens ist,
wurde ich erweckt,
und was tief in mir schlief
führt nun feder und
schreibt dir diesen liebesbrief.

sage ich ihr. und sehe ihr noch einmal in die augen. die ein so unglaubliches glitzern beinhalten. diese wunderschönen augen. ich küsse sie noch einmal. blicke wieder hinauf zum himmel. und lächle.