Wir sollten beenden, was nicht ist, um nicht zu enden, wie wir sind.


via  David Barrie (Flickr)

Du hast es gespürt, schon seit einiger Zeit, und einige Gedanken später formulierst du dein Abschiedskonzept als kleine Ode an das Ende. Wie ein kleiner Junge sitze ich vor dir, erhebe dich langsam auf eine Bühne und ziehe mich in die Mitte des einsamen Publikums zurück. Es ist die Ruhe vor dem Sturm und in mir türmt sich die Vorstellung, wie es denn werden würde. Ob die Inszenierung passt, ob die Pointen sitzen, ob der Vorhang denn nun wirklich fällt.

Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir’s, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bisschen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich’s immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. (1)

Hör‘ ich dich sagen und weiß eben doch, dass du nicht der Werther bist und ich nicht dein bester Freund bin. Du stehst immer noch vor mir und ringst nach Worten, und immer wenn du darum ansetzt, loszulegen, versagt deine Stimme. Ich will mir nichts ankennen lassen, und doch werde ich etwas unruhig und bestürzt über die Unprofessionalität der Akteurin.

Wo es hinführen soll? Dort, wo es hinführt. Würde es nicht dort hinführen, dann soll es auch nicht dort hinführen. Also führt es ohnehin dort hin, wo es hinführen soll. (2)

Und wieder nicht, wir sind kein Leo und keine Emmi, keine E-Mail-Bekanntschaft. Wir sind wahrscheinlich nicht einmal ungefähr so fesselnd wie sie. Dein Souffleur scheint versagt zu haben, immer noch stehst du vor mir und unruhig hältst du den Zettel in der Hand. Bis ich schließlich endlich bemerke, dass wir auf der Couch liegen, du auf meinem Bauch, ich unter dir, im TV läuft irgendein Mist. Du blickst zu mir hoch und flüsterst.

Weißt du. Ich glaube, es hat keinen Sinn mehr. Ich glaube, es ist besser so.

Ich murmle ein „Mhm.“ und streiche dir durchs Haar. Und höre die letzten Verse auf der Bühne, genau wenige Momente bevor sich der Vorhang schließt und das Publikum von den Sesseln aufhüpft um zu applaudieren.

Vielleicht bedeutet Liebe auch lernen, jemanden gehen zu lassen, wissen, wann es Abschied nehmen heißt. Nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen, was am Ende wahrscheinlich besser ist für die, die wir lieben. (3)

1 – Die Leiden des jungen Werther – Johann Wolfgang von Goethe
2 – Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer
3 – Der träumende Delphin – Sergio Bambaren

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