Du hast mir keinen Zettel da gelassen, keine Nachricht, nicht einmal eine Ananas.

Und irgendwann bist du ganz einfach verschwunden. Hast deine Kleidung gepackt, dich im Flur angezogen, bist in die Schuhe hineingestolpert und so leise und unscheinbar die Tür auf und von außen wieder zugemacht. Du hast mir keinen Zettel da gelassen, keine Nachricht, nicht einmal eine Ananas.

Es dauert noch eine Stunde bis ich es bemerke, dass ich meine Nase nicht mehr auf deine Schulter lege, dass meine Hand nicht mehr deinen Bauch berührt. Dass da einfach nur mehr diese gähnende Leere bleibt und keine Zeit für einen Kuss, und keine Zeit für ein Wiedersehen.

via  BLW Photography (Flickr)

Gähnend quäle ich mich aus dem Bett, in Boxershot gehe ich in die Küche und gieße mir den Kaffee von vorgestern in die Tasse, mit der Milch von früher. Mein Kopf ist noch Opfer der vergangenen paar Nächte und das Wetter ist ja irgendwie auch nur für’n Arsch. Mein Handy vibriert, zwei Zimmer weiter, ich stolpere über Pizzaschachteln, eine Carrerabahn und einen Fleckerlteppich. Bis ich wieder auf mein Bett falle, die Tasse in meiner Hand schwappt gesellig über, und ich versinke mit dem Kopf unterm Lattenrost.

„Scheiße, verdammte!“, fluche ich noch, als ich die grüne Taste mit meinem Daumen einzudrücken versuche und irgendwie elegant verdreht den Weg zu meinem Ohr suche. „Ich?“ Erst jetzt bemerke ich, dass ich keine Ahnung habe, wer mich hier gerade mehrfach verletzt hat. Fahrlässig und so. ‚Mama‘ steht oben und ich denk‘ mir nur: Hey. Die alljährliche Siegerin für den beschissensten Moment um ihren Sohn anzurufen hat wieder einmal gewonnen. Tadaa! Meine Mama. „Nein, Mama. Nicht du.“ „Und?“ „Alles scheiße, Mama. Hab‘ grad Kaffee ausgeschüttet im Bett, hab‘ keine Smacks mehr, kein Marmelade, kein Nutella.“ „Scheiße, verdammte!“ Ich lasse das Handy wieder fallen, lege mich parallel zum Äquator ins Bett, den Kopf auf einen Arm liegend, und schlürfe den eiskalten Kaffee.

Manchmal ist es so auch einfach einfacher. Wenn man nicht betteln muss, um endlich das Bett verlassen zu müssen. Die weißen Wände scheinen mich schön langsam zu erdrücken. Und nein, ich erwarte mir jetzt nicht, dass du dich meldest, mir eine SMS schreibst, oder mich einmal anrufst. Weil du wohl genau weißt, dass es jetzt wohl das Beste ist, wenn nichts ist. Wenn wir nur mal wieder Gesicht an Gesicht einschlafen, wenn wir unsere gemeinsame Zeit genießen. Wir wagen uns nicht zu tief hinein, tapsen vorsichtig voran. Warum sollten wir auch mehr versuchen? Warum sollten wir den Schein erhalten, als wär‘ da mehr.

Wir laufen uns schon wieder über den Weg und vielleicht gehst du auch wieder einmal mit mir nach Hause. Und trotzdem ist das ein Scheißtag heute! Man denke nur an diesen Kaffeefleck hier im Bett. Beim Blick aus dem Fenster fällt er mir auf, dieser außergewöhnlich blaue Fleck zwischen all dem Grau des Frühherbstes, oder Spätfrühlings (oder beschissenen Sommers). Ich versenke meine Nase in deine Polster, sauge den Duft deiner Haare auf.

Eigentlich sollte ich nicht zu viel nachdenken. Eigentlich. Und …

Oh. Kuchen. Am Boden. Wie gesagt, das wird ein guter Tag!

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