„Was tust du denn hier?“, fragte sie mich, die Hände in einem Geschirrtuch abwischend, die Tür gegen die eigene Schulter gelehnt, die Stirn leicht verschwitzt. ‚Ich hätte also doch anrufen sollen.‘, denke ich mir und um den Moment nicht noch peinlicher werden zu lassen, würde ich jetzt am liebsten gehen. Oder einen Rewind-Button suchen, und dann hätte ich mich selbst daran gehindert, anzuläuten. Doch jetzt stehen wir hier. Wir beide, lange haben wir uns nicht mehr-. „Hallo?“
Oh, ja. Antworten muss ich jetzt. „Was tust du denn hier?“, wiederholt sie, nun schon in etwas besorgterem Ton. „Ääää. Ähm. Also. Ich wollte nur mal Hallo sagen.“ Komm, los. Nimm meinen Kopf und schlage ihn bitte mit voller Wucht gegen die Tür. Das wäre zumindest die perfekte Reaktion auf dieses absolut dummen Satz. „Ach.“ – „Nein, also. Hm.“, ich muss mich erst wieder richtig sammeln. Was ist nur los mit mir, heute? „Ja, du … ich war in der Nähe und dachte, ich könnte ja mal vorbeisehen. Dich besuchen oder so.“ Puh: Zwei Sätze in Folge. „Stör‘ ich gerade?“
Und obwohl ich es genau weiß, dass sie lügt, akzeptiere ich ihr Nein. „Komm rein. Ich habe nur noch nicht aufgeräumt.“ Den Satz mit ‚Aber was hast du denn? Im Gegensatz zu meinem Zimmer ist das doch perfektestens aufgeräumt.‘ erspare ich mir. Das ist doch nur ’ne dumme Floskel. Ich ziehe mir tranceartig die Schuhe aus, hänge die dünne Sommerjacke an die Garderobe. Sie hat sich kaum verändert. Älter ist sie geworden. Ich folge ihr in die Küche.
„Kaffee?“ – „Mhm.“ Und schon beginnt die Maschine zu brodeln und zu pfffzen. Nach einer kurzen Stille, beinahe etwas beunruhigend, die nächste Frage. „So wie immer?“ Und ohne daran zu denken, dass es schon Monate aus ist, als wir zum letzten Mal gemeinsam Kaffee tranken, bejahte ich. Diese zwei Stück Zucker würde ich wohl auch verkraften. Und irgendwann sitzen wir uns gegenüber. Ihr Lächeln ist noch das Gleiche. Und obwohl ich sie bei irgendetwas gestört habe, scheint auch sie etwas froh zu sein, mich zu sehen.
„Na, wie gehts?“, beginne nun ich einmal die Konversation. „Gut.“, meint sie nur, doch dann beginnt sie zu erzählen. Und ich höre zu. So wie früher eben. Nur, dass irgendwann auch ich zu reden beginne und wir schlussendlich nach Stunden und einigen Kaffees alles wissen. Alles, vielleicht sogar zuviel. Und irgendwann, es ist schon dunkel, kurz vor Mitternacht, ergreife ich die Flucht. Bedanke mich, stelle die Tasse in das Spülbecken und wir beide, sie und ich, gehen zur Tür. Als sie mir dann den letzten Satz hinterher wirft, zaubert sie mir ein kleines Lächeln aufs Gesicht. „Komm ruhig mal wieder vorbei, wenn du mal kurz ‚Hallo‘ sagen willst.“

Klingt schön. 🙂
Vielen Dank. 🙂