
„Wir sind zu weit gegangen.“ Verdutzt blicke ich dich an, kann kaum verstehen was du meinst. Liegen hier seit Stunden an diesem See, trinken Wein, der immer mehr an erfrischender Kühle verloren hat. Es waren schöne Stunden. Wir haben geredet, haben uns manchmal tief in die Augen gesehen, bis irgendjemand eine Grimasse schnitt und es lachend ein Ende fand. Vollkommene Sorglosigkeit, einfach nur das Leben, in seiner vollen Pracht und ganz ohne irgendeine negative Ablenkung.
„Was haben wir gemacht?“, frage ich. „Ach, nein. Nicht wir haben etwas falsch gemacht. Nicht wir, nur ich. Ich und meine Gefühle.“, blubbert es aus dir heraus, doch plötzlich machst du Halt. Sprichst nicht zu Ende und hinterlässt mich mit fragender Miene hier auf dieser Wiese. Du gehst zum Steg, drehst dich nicht mal um. „Gefühle irren nicht. Die machen nichts falsch.“, sage ich in deine Richtung, du lässt dich auf dem Holz nieder und die Füße sanft ins Wasser baumeln. „Wir sind zu weit gegangen.“, wiederholst du dich.
„Warum mag ich dich nur? Warum nur liebe ich es, Zeit mit dir zu verbringen, mit dir über so viele Dinge zu reden. Warum nur habe ich es zugelassen, warum nur? Warum habe ich dich zu einem Menschen gemacht, der du vielleicht gar nicht bist?“ Ich scheine nur langsam zu verstehen. „Warum hast du es zugelassen, dass ich mich verliebt habe? Das ich mein Herz an dich verloren habe? Weißt du, was ich für dich aufgegeben habe?“ Fragende Blicke. „Alles habe ich aufgegeben. All die unsichtbaren Barrieren, die ich um mich aufgebaut habe, um noch etwas Schutz zu haben. Du hast sie eingerissen, ich habe dich hinter die Barrieren eingeladen. Du hast mich verletzlich gemacht, weißt du?“ – „Aber-…“ – „Aber ja, natürlich liebe ich dich und natürlich fühlt es sich gut an. Es fühlt sich großartig an. Aber ich habe Angst.“
„Ich werde dich nicht verletzen.“ Du lachst. Vielleicht hast du das schon viel zu oft gehört, vielleicht sagen das auch irgendwie alle Menschen in solchen Situationen. Vielleicht hat es bei mir hier einfach nur zu einer 08-15-Antwort gereicht. „Das glaube ich dir. Also: ich glaube dir, dass du mich nicht mutwillig verletzen willst. Aber du kannst es mir nicht versprechen. Du weißt nicht, was sein wird.“
„Ist das wirklich so schlimm? Dadurch, dass du deine Barrieren aufgegeben hast, hast du dich mir geöffnet, hast dich weiterentwickelt. Du lächelst viel mehr, weißt du?“ Ein Grinsen huscht über dein Gesicht. „Ich glaube-„, lege ich nach, „Ich glaube, dass man das in Kauf nehmen muss. Dass mit der Liebe eine Verletzbarkeit einherzieht. Dass es das nur im Doppelpack gibt. Und wenn du es gut erwischt, hält sich diese Verletzbarkeit in Grenzen, weißt du?“ Du nickst. „Und ja, du hast recht. Ich kann nichts versprechen, will es auch gar nicht. Aber wenn die Liebe einmal ein Ende findet, werde ich sorgsam mit dir umgehen, okay?“ Du nickst, und zum ersten Mal scheint es so, als ob ein Ende keine Möglichkeit mehr für dich ist. Vorerst zumindest.

Ich nehme mal an, du stellst die Texte hier rein, weil du leser finden möchtest, weil du deine geschichte jemandem erzählen möchtest. das bedeutet immer auch, feedback zu erhalten. daher erlaube ich mir meine assoziation zu posten, die ich bei der lektüre hatte:
ich fragte mich: wer redet eigentlich so miteinander? welche jugendlichen oder alten verliebten sprechen derart stets auf einer metaebene befindlich miteinander? nicht, dass dies etwas über die qualität des textes aussagt. etwas kann total realitätsfern und exzellent sein. und es kann nah an der wirklichkeit sein und dennoch stumpfsinn verbreiten. es kam mir nur als frage. und plötzlich wusste ich, an wen mich diese art der konversation erinnert: an die dialoge in dawson’s creek. nun weiß ich nicht, ob dir die serie überhaupt etwas sagt. die lief mal im tv als ich ein teenager war. die sprachen ähnlich: stets auf der metaebene.
wie gesagt: nur eine freie assoziation.
viel erfolg beim projekt, ich hoffe, du finalisierst die geschichte und findest einen verlag.
Hej! Vielen lieben Dank für dein Feedback. Literarische Gehversuche wie diese sind meist gespickt mit solchen Gesprächen auf Metaebene. Da sagen die Charaktere das, was man sich vielleicht normalerweise nur denkt. Ich mag das. Der Vergleich mit Dawson’s Creek ist schmerzhaft … natürlich kenne ich die Serie, und genau diese frühjugendliche Altklugheit der Charaktere ging mir schon bald gehörig auf die Nerven. Haha.
Aber, wie gesagt: danke für die Anregung. Und vor allem für deine Erfolgswünsche für mein Projekt. Das wird schon, ich bin zuversichtlich!
Danke für deine Antwort.
Um nochmals den richtigen Esprit zu versprühen: Schreib, schreib, schreib und mach die Sache fertig. Und zwar genau so, wie Du es Dir vorstellst. Wie du hier auf deinem Blog siehst, gibt es viele Menschen, denen dein Stil und deine Art, Geschichten zu erzählen, gefällt. Und auch ich muss ja einer dieser Menschen sein, sonst würde ich hier nicht regelmäßig lesen. 😉
Aber ich versteh und bin „erfreut“ darüber, dass du den Vergleich mit Dawson’s Creek „schmerzhaft“ nennst. Ich glaub, ich kann nun genauer beschreiben, was mein Gefühl bei der Lektüre war: Ich lese diese Blogposts gerne, aber wie würde ich bei einem ganzen Buch in diesem Stil empfinden? Es ist so ungeheuer dicht. Würden mich die Charaktere nicht irgendwann nerven/überfordern?
Wunderbar geschrieben und Ängste ehrlich auf den Punkt gebracht. Beendete Beziehungen bringen oft nochmal mindestens genauso viel an Gefühlen und Erfahrungen, als frisch begonnene.
Soweit es geht, versuche ich immer von Anfang an diese Gefahr des Entäuscht- und Verletztseins besprochen zu haben.