
Es ist mir wohl irgendwann in diesem Jahr passiert. Als ich bemerkt habe, dass das Leben mit all seinem Alltag nicht unbedingt das große Grau-in-Grau mit sich bringen muss. Viele Projekte, das Studium, meine Pläne und Träume. Irgendwann brauche ich auch mal Zeit für mich. Daraus entstand, es war wohl in Stockholm, die Idee des Schreitens. Gemeinsam mit dem „Fuck it!“-Lebensratgeber begann ich mich darauf zu konzentrieren. „Schreiten“, es gibt wohl kaum einen Namen, der es biederer beschreiben könnte, worum es geht. Aber nachdem auch Graz unter diesem Motto gestanden ist, und auf meine Tweets oft nur Replies mit Fragezeichen kamen, möchte ich es hier endlich einmal erklären.
Nur … wie erklärt man etwas, das man einfach so tut? Vielleicht sollte ich erzählen, wie es mir in den vergangenen Monaten half. Und es half mir wirklich sehr oft und oftmals auch auf überraschende Weise. Im Schwedenurlaub fiel mir auf, wie schön es ist, nicht von einem Platz zum andern zu laufen, sondern sich wirklich mal die Zeit zu nehmen, um sich alles genauer anzusehen. Um mal einfach nur die U-Bahnstationen zu betrachten, oder an einem Wolfsgehege für einige Minuten stehen zu bleiben. Wir haben doch alle Zeit der Welt, oder?
„Fuck it“ bringt es auf den ersten Seiten sehr gut auf den Punkt. Ich bin einer unter 6,7 Milliarden, meine Befindlichkeiten sind von so geringer Relevanz, ja, selbst ich bin von kaum vorhandener Bedeutung. Das könnte man jetzt natürlich sehr negativ auslegen, aber in Wahrheit bringt es die Sache auf den Punkt. Denn genau diese Ansicht hilft einem dabei, nicht unbedingt „funktionieren“ zu müssen. Diese Einstellung offenbart, dass es nicht darauf ankommt, wie man ankommt. Es kommt auf den Weg an, und den darf man sich so schön wie möglich gestalten.
http://twitter.com/#!/just4ikarus/status/79597377341751296
Und auch das ist wichtig:
http://twitter.com/#!/just4ikarus/status/79597621232156673
Was ist also nun genau dieses Schreiten? Es ist ein „Sich-Zeit-Nehmen“. Ein Ende der unbändigen Geschwindigkeit. Es ist ein Ausbremsen der Realität. Wirklich überrascht hat sich meine gewandeltete Einstellung zum Leben beim großen Prüfungsfail vor nunmehr fast einem Monat: Ich hätte in ein Loch fallen können, vielleicht wäre es sogar meine Aufgabe gewesen, nur um den Annahmen aller anderen zu entsprechen. Aber ich habe weitergelebt, und vielleicht viel intensiver als viele Tage zuvor. Ich habe schöne Abende mit großartigen Freunden erlebt, habe, obwohl ich keinen Plan für die Zukunft zu haben schien, einfach in den Tag hineingelebt. Und irgendwann neue Pläne gefunden und einen neuen Schwung für meine Träume heraufbeschworen.
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Schreiten hilft. Stockholm war ein Ausdruck der Spontanität … auf ein „Ich war noch nie in Stockholm.“ ein „Cool, wann hast du Zeit?“ – Und genau darauf kommt es an. Vom Grazurlaub wusste ich mal ganz grundsätzlich nur die Zugabfahrtszeit in St. Pölten. Und in den Tagen dazwischen, eigentlich seit dem Beginn des Jahres lebe ich mein bisher glücklichstes Leben.
Und nein. Schreiten bedeutet nicht ein Ende der Gedanken. Timis Geburtstag traf mich in diesem Jahr wohl mit überraschend heftiger Wucht, und auch Schmetterlingsgeflatter erhält noch genügend Platz in mir drinnen. Aber neben all den Gedanken, die so oder so ähnlich ganz einfach dazugehören, es ist wichtig, sich nicht unterkriegen zu lassen. Wer hat etwas davon, wenn man am Boden zerstört ist? Wenn Pläne nicht klappen und alles plötzlich anders ist? „Es wird sich schon etwas ergeben.“, waren meine häufigsten Worte. Und genau daran glaube ich auch. Ich kenne meine Talente, weiß, was ich richtig gut kann. Und da kann mich ein neuer Zeitplan meines Lebens auch nicht wirklich aus der Bahn werfen.
Vielleicht ist Schreiten eine Umschreibung des Akzeptierens. Man nimmt alles so an, wie es passiert. Sich nachher Vorwürfe zu machen, in der Vergangenheit etwas falsch gemacht zu haben? Fehlanzeige. Denn dadurch würde die Gegenwart zu einem unaustehlichen Ort werden. Man lebt. Man lebt nur einmal. Und da können manchmal eben auch Wege anders verlaufen, als man es sich gewünscht hat. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Solange man an sich selbst glaubt, ist die Welt wohl in Ordnung.
Und ja, auch das. Ich entspreche keinem Schönheitsideal, folge keinen Modetrends (und wenn, dann mit zweieinhalbjähriger Verspätung). Aber ich fühle mich seit 2011 zum ersten Mal so lange Zeit in meinem Körper wohl, bin stolz, genau diese Person zu sein und komm mit all meinen Makeln besser zurecht als je zuvor. Das bin nämlich ich, und vielleicht macht auch dieses sogenannte „Glück“ einen Menschen noch etwas schöner.
Schreiten ist toll. Es ist eine Offenbarung, für mich wohl das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin spontaner, aufmerksamer und wohl auch awesomer als je zuvor. Probiert es auch mal aus. Es wird sich für euch lohnen.
http://twitter.com/#!/Salvator_Mundi/status/79978095305699328
Und es stößt also auch auf Interesse. Kann man daraus irgendein Projekt für Twitterer und Blogger starten? Gibt es da irgendwelche Möglichkeiten? Ich weiß es nicht, wäre aber über Mithilfe von eurer Seite sehr erfreut. Und überhaupt: Was haltet ihr davon? Alles nur Gedankenwirrwarr, Einbildung oder doch das Nonplusultra?

Danke.
Dass du schreitest. Und mich daran teilhaben lässt.
Schreibe ein Manifest zu ‚Schreiten‘. Oder eine Anleitung. Vielleicht eine eigene Seite dazu, auf die andere verweisen können, wenn sie Schreiten. Ein Aufruf zu einer Lebenseinstellung. Jeder kann Schreiten. Jeder sollte seine Erfahrungen teilen. Es muss nichts großes sein. Vielleicht reicht schon dieser Beitrag.
Danke für den Hinweis zu dem Buch. Ich glaube, das werde ich mir mal zu Gemüte führen. Schade, dass ich das nicht schon eher mitbekommen habe, irgendwie ist es an mir vorbeigezogen und jetzt bin ich schon in meiner Lernphase und komme wahrscheinlich erstmal nicht mehr raus aus dem Stress. Dem Stress, der nur in meinem Kopf ist. Deswegen find ich es aber umso schöner, dass du es geschafft hast und du deine Lebensphilosophie ein wenig umgestellt hast. Ich bin mir sicher, dass einem sowas schon hilft, Dinge lässiger zu sehen. Ich glaube, das würde mir Kontrollfreak auch mal ganz gut tun. Vielleicht erzählst du einfach ein bisschen vom Schreiten. Von deinem Lebensgefühl. Ein paar kurze Texte, Gedichte, längere Geschichten, Momente aus deinem Leben. Alles, was ein bisschen Entspanntheit vermittelt. Denn irgendwie entspannt mich das auch, wenn ich deine Texte lese und sehe, wie entspannt du mit deiner ganzen Zukunftsgeschichte umgehst. Ich glaube, so eine gewisse Relaxtheit kann helfen und bringt einen meistens viel weiter als Panik und Angst. Denn die nächsten Jobs kommen sowieso irgendwann wie von selbst und es wird sich irgendwas finden, einfach nur, wenn man sich dessen sicher ist. Also weiter so, ich les mit:)