
Wir waren wie Helden. Waren Vorlage für schöne Geschichten, Inspiration für die Intros der Anderen. Manche hielten uns für ewig, manche nur für lange. Nur wir, hörten auf. Uns zu halten. Hielten uns nicht mehr und gaben uns auf.
Heute wissen wir es. Die Ewigkeit ist ein Arschloch. Die Inspiration pure Verblendung. Das Heldentum ein Traum. Und das Leben bohrt weiter genüsslich in meiner Nase und spült mir Popel aus den Ohren. Hier sind wir, Leute. Und hier leben/liegen/feiern/kotzen/schlafen wir. Hier küssen wir uns und fühlen rein gar nichts dabei. Hier heulen wir uns aus, weil dieser eine Typ ein Arschloch ist. Das ist es, was das Leben birgt und das war es, was ich so lange Zeit vermisst habe.
Es ist hart und manchmal tut es auch weh. Weil Angst/Wut/Enttäuschung oder manchmal auch eine Riesenpackung Dummheit gegen einen wettlaufen. Und man eben doch meistens verliert. Aber (und das ist vielleicht die Quintessenz des Lebens im Allgemeinen und der Beginn meiner großen philosophischen Karriere): Es ist egal. Man ist nicht aus Zucker und im Regen, nicht aus Porzellan und im Wäschetrockner. Oder was auch immer. Es ist scheißegal, einfach weil es im Paket inklusive ist. Und mit Apfeltasche dazu.
Und deshalb sind auch nicht alle Parties gleich scheiße. Und jeder Regenschauer gleich nass. Manchmal gibt es Sommersturmrabatt, manchmal Spontanitätsbonus. Und manchmal schmeckt sogar die metaphorisch ins Gesicht geschleuderte saure Torte.
Weil die Gespräche wieder da sind. Und die Oberflächlichkeit und die Flüchtigkeit endlich wieder verloren gehen. Weil die Nähe, die mal da war, Heimweh bekommen hat und weil wir uns nicht grundlegend verändert haben. Wir sind immer noch die Gleichen, wir sind immer noch die Vollpfosten und die Zahnstocher-Fechter. Wir sind es geblieben, die Helden.
Die wir zu werden nie geträumt, zu bleiben nie erwartet hätten. Wir atmen tief ein und wir bleiben kurz stehen. Lassen das offene Zigarettenpäkchen auf den Boden fallen, stolpern beim Versuch, es aufzuheben und bleiben sitzen, an die Hauswand gelehnt. Kratzen eine herrenlose Zigarette neben uns auf und entfachen mit einem Zündholz wunderschöne Hundertstel-Erinnerungen. Atmen ein und atmen aus.
Und vielleicht werden wir auch wieder einmal Vorlage sein, für all die anderen. Werden ihnen wieder zeigen, wie Intros auszusehen haben. Vielleicht aber auch nicht. Es reicht schon, wenn man uns so in Erinnerung behält, wie wir sind. Als Giganten. Als Helden. Als uns.
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ein sehr schöner text. und ich liebe das theme!