
„Und ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll.“
Und das nach ellenlangen Erklärungen, warum die Beziehung schon vor Wochen, oder gar Monaten tot ist oder zumindest in einem komatösen Schlaf, oder beinahe so wie der Zustand zwischen dem Schlucken der Überdosis Schlafpillen und dem Nicht-mehr-Aufwachen sei.
‚Schluss machen. Die Sache beenden. Das Buch schließen. Die Postkarte abschicken. Das wars. Lass‘ es sein. Es hat, wie du ja schon ausführlich erklärt hast, keinen Sinn mehr. Jetzt tust du nur noch dir und deinem Partner, aber vor allem dir weh. Du kannst dir vieles einreden, kannst so tun, als wäre alles pipifein, nur um irgendwann mit einer außergewöhnlich stärkeren Wucht zu kapieren, dass es eben doch nicht so ist.‘
„Hm. Ich weiß auch nicht. Probier‘ es weiter. Vielleicht wird’s ja wieder.“
Und das passiert meistens, wenn man schon seit Jahren sein Bett an manchen Abenden mit dieser einen Person teilt. Wenn man vielleicht sogar schon auf Hochzeiten von Verwandten mit ihr war. Wenn man eigentlich vor allem nur mehr mit ihr in Verbindung gebracht wird. Aus euch zweien eine (vollkommen unpassende und durch und durch verschrobene, autonome) Zweisamkeit geworden ist. Dann will man nicht die Wahrheit hören. Dann will man sie zuallererst selbst einmal erfahren. Will selbst erkennen, dass es keinen Sinn macht (aber sowas von keinen) sich noch einmal in die Sache zu stürzen. Auch wenn alle Freunde es schon Wochen, Monate vorher bemerkten. Manchmal dauert es länger, aber irgendwann kapiert man es und dann wagt man sich auch über den mutigen Schritt, die Verbindung zu kappen.
Und wahrscheinlich liegt es auch an der Angst. Der Angst vor dem Zurück. Vor dem Aufwachen, vollkommen alleine, vor dem Darauf-angesprochen-Werden, vor dem fehlenden Sex. Und da ist man mal einfach zu feig, auf all das zu verzichten. Nimmt dafür das Weiterleben einer kaputten Beziehung in Kauf. Und widerspricht somit all meinen Grundsätzen meiner Theorie des perfekten Moments. Ab einer gewissen Zeitspanne fällt sie aber vielleicht sowieso automatisch flach. Ich weiß es nicht.
Jedenfalls tut diese mutlose Überbrückung kurzzeitiger Endzeitstimmung niemanden gut. Und man kann sich sicher sein. Irgendwann kommt es zum Showdown. Zum brachial-komischen und in der Magengegend schmerzenden Showdown. Und ja. Dann macht man eindeutig mehr kaputt, als man es eigentlich wollte. Aber hey.

Das ist sehr wahr.
Es sind Dinge, die, wenn man sie bei Freunden beobachtet, sehr leicht zu sagen sind. Man sieht es, man erkennt die Probleme und man sagt dem- oder derjenigen all diese Sätze. Stellt all diese Fragen, die der Person eindeutig zeigen, dass die Beziehung nicht mehr den Wert hat, den sie zu Beginn hatte. Von außen ist alles großartig einzuschätzen, man weiß, was zu tun ist.
Aber was, wenn man selber derjenige ist, der diese Worte gesagt bekommt? Du hast Recht. Man hört sie, aber man will sie nicht wahrhaben. Man hält (meistens gemeinsam) an den Lügen fest und je länger man es tut, desto schlimmer wird meistens das Ende. Dabei ist der Moment, in dem man vor sich selber steht, und es sich eingesteht, und einfach sagt ‚Ich belüge mich selber, es wird nicht besser werden‘ manchmal der Erleichterndste. Auch wenn es hinterher noch schlimmer werden kann, was die Angst angeht. Am Ende steht immer die Erleichterung, wenn es wirklich nicht mehr ging. Und das ist das beste Gefühl. Wenn nur der Weg dorthin nicht so verdammt schwer wäre, nicht wahr?
Wenn der Weg dorthin nicht so verdammt schwer wäre, könnte die Liebe ja vielleicht auch mal ganz einfach sein. 😀