
Er lächelt, als er sich in diesem wunderschönen Park, mit herbstlichen Farben und bestrahlt von dieser wärmenden Sonne, auf der Bank niederlässt. Das Lächeln war überraschend und erzählte die Geschichte der Schmetterlinge, die sich in seinem Bauch breit gemacht hatten. Er blickt in den Himmel, der sich mit kuschelig weichen Wolken zu füllen beginnt. Lange schon war er nicht mehr in dieser Stadt gewesen und selbst dieser Ausflug heute war eher spontan entschieden worden. Er wollte nur mal wieder den See sehen und die Natur, die an diesem Plätzchen der Erde so einzigartig und wundervoll ist.
Wie lange hatte er sie nun schon nicht mehr gesehen? Jahre müssen das sein. Seit fünf Jahren war er ständig unterwegs, kam nur mehr kurz nach Hause, in seine Wohnung. Alleine, in einer Großstadt, Stunden von seiner Heimat entfernt. Und dann zieht es ihn zufällig mal wieder nach Hause und er erblickt sie. Sie, deren braune Augen so berührend, deren Lächeln so entwaffnend ist. Sie, die ihm vor so vielen Jahren den Kopf verdreht und anschließend auch das Herz gebrochen hatte. Er hatte lange gebraucht, um über sie hinweg zu kommen. Aber obwohl Jahre ins Land einzogen und sich alles verändert hatte, selbst der Park hier schien erst vor kurzem angelegt worden zu sein. Obwohl nichts so ist, wie es damals war, haben sich die Beiden beim ersten Aufeinandertreffen der Blicke wiedererkannt.
Zwischen all den Büchern. Er kramte gerade, um ein Buch einer Freundin zu finden. Erst kürzlich sagte sie, dass ihr neuer Roman erscheinen würde, und um nichts wollte er ihr neues Werk versäumen. Und während er so suchte, versuchte er zudem, nicht daran zu denken, dass auch der Verlag von ihm ein neues Buch erwartete. Er konnte nie auf Kommando schreiben, und das hatte er dem Vorstand auch schon erklärt. Wenn es Zeit wäre, und vor allem wenn er die richtige Eingebung hatte, dann könnten sie in Kürze schon seinen neuen Roman lesen. Aber das konnte dauern. Und während er suchend und über seine nahe Zukunft nachdenkend im Bücherladen umherirrte, stellte sich plötzlich eine Frau in den Weg.
Dunkle Haare, so natürlich wie eh und je. Und es kam ihm vor, als würden sie auch noch immer so riechen. Ja, es war der Geruch, der ihn aufblicken ließ und im seine erste Vermutung bewahrheitete. „Hey.“, sagte er, etwas zu impulsiv. Sie blickt überrascht auf und das war er dann. Der Moment der sich begegnenden Blicke. „Hey!“, antwortete sie freudig und das Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht. Jetzt im Nachhinein, die Sonne kitzelte ihn immer noch im laubverschneiten Park, erkennt er erst, wie jung sie doch noch aussieht. Sie mag jetzt … 28 Jahre alt sein. Ja, genau. Achtundzwanzig, ungefähr zwei Jahre jünger als er.
Und während er so in dieser Buchhandlung steht, neben ihm sie und dazwischen diese peinliche Stille möchte er beinahe schon mit diesem unsäglichen Smalltalk beginnen, als sie das in der Luft schwebende Wort ergriff. „Du … du schreibst über uns. Nicht wahr?“ Und schon ließ sie den Blick zwischen dem Boden und seinen Augen schweifen. Früher tat er das immer. „Ich hab‘ es gelesen. Dein erstes Buch. Es … es ist gut.“ Er schwieg, die ganze Zeit. Auch das tat er früher genauso. „Du schreibst doch über uns, oder?“ Er nickte und er fühlte sich gerade so, als wäre das womöglich der peinlichste Moment seines bisherigen Lebens, ausgenommen natürlich seiner Zeit des Bettnässens. „Ja. Stimmt. Ich schreibe von uns.“
„Denkst du eigentlich noch manchmal an mich?“, fragte er sie, einfach so frei heraus. „Nein. Und du?“ „Ne, nicht wirklich.“ Und er begann zu lächeln, ein ganz kleines Bisschen. „Wie geht’s es dir eigentlich? Was machst du denn so?“ „Musik.“, sagte sie. Schon damals spielte sie zwei oder drei Instrumene. Er hatte so etwas erwartet. Als er das nächste Mal den Blick schweifen ließ, erblickte er das Buch seiner Freundin. Er zog es heraus, drehte sich noch einmal zu ihr um. „Schön, dich wieder einmal getroffen zu haben.“ „Ja. Stimmt. Vielleicht sieht man sich ja wieder.“
Und da sitzt er also nun. Nach Jahren hatte er seine erste große Liebe wiedergesehen. Sie hatte bemerkt, dass sein erstes Buch zu einem Teil auch von ihr handelte. Sie hatte das Buch auch gelesen. Und. Und sie denkt noch an ihn. So wie er. Da ist er sich sicher. Aber er will sie nun einfach nicht wieder sehen. Es war ein schönes Aufeinandertreffen, aber ein Kaffee mit ihr wäre schon wieder zu viel gewesen. Und so blickt er hinaus auf den See. Als er gehen möchte, bemerkt er, dass sie nun von hinten auf ihn zukam. „Es ist. Es ist wunderschön. Das … das Buch. Die Geschichte. Von uns und dir und mir. Ich liebe sie.“ Sie wirkt etwas aufgewühlt. Er will jetzt einfach nicht zu viel sagen. Vielleicht wäre ein Kaffee doch nicht so schlecht. „Dankeschön.“
Foto von orangeacid
Und inspiriert übrigens von Bridschi

„Sie hatte bemerkt, dass sein erstes Buch zu einem Teil auch von ihr handelte.“
Könnte man eigentlich weglassen, wird ja schon im Dialog geschrieben. Ansonsten super, gut gelungen!
Hey
Super Geschichte, irgendwie.
Ich glaub ich les hier mal bisschen weiter.
Jan 😉
Hat mich sehr gefreut, dass ich dich zu was inspirieren konnte. Und schau … jetzt hast du dein DANKESCHÖN bekommen…
@Eugen und veljans Vielen Dank euch beiden.
@bridschi Warum glaubst du, habe ich diese Geschichte geschrieben. Nur wegen diesem Dankeschön zum Schluss. 🙂