
„Warte hier“, sagt sie. Er war stumm, schon seit einigen Sekunden. „Ich komme gleich wieder.“ Er beobachtet den Lebensweg seiner Zigarette. Glühend verliert sie mehr und mehr an Bedeutung. Es ist Nacht und in der Dunkelheit der Großstadt scheint er sein Leben gefunden zu haben. Er, der Tagmensch, der die Nacht nicht überzustrapazieren wagt. Jetzt sitzt er hier, den dritten oder vierten Tag in Folge, mitten in der Nacht und raucht eine Zigarette nach der anderen. Während.
Ja, während die ganze Welt vorbeizieht. Hier ruht niemand. Das Außergewöhnliche an einer Stadt. Das Pulsieren, hupende Autos, Lichter, die erst ganz spät nachts erlischen, Menschen, die durch die Straßen schreien, harmlose Spaziergänger. Hier vom Balkon sieht alles irgendwann mal wieder so klein aus, so klitzeklein, in dieser Welt des Unendlichen.
„Hier, dein Glas.“ Sie ist zurück, hat ihm seinen Drink mitgebracht. Whiskey Cola, gekühlt durch unzählige Eiswürfel. Den wievielten Tag in Folge sitzen sie nun schon hier, betrinken sich langsam und lassen die Kälte auf sich wirken. ‚Das ist das Leben.‘, denkt er. Was für ein Leben, wohl. Alkohol, Zigaretten und seit beinahe einem Jahr wieder einmal Lust auf einen Joint.
Um die Angst zu bekämpfen. Die Angst, die er gerade überall wittert. Wie ungewohnt doch alles ist, und wie gewohnt seine Reaktion darauf. Er kann mit Druck, mit selbst aufgebürdeten Druck nur sehr schwer umgehen. Jedes Mal, wenn eine Ära endet, fühlt er sich anfangs stark, beinahe unsterblich. Und irgendwann wird er sich wieder der Trivialität seiner selbst bewusst. Fühlt sich klein und hilflos. Vollkommen unselbstständig.
„Auf das Leben.“, meint sie, und man hört nur mehr zwei Gläser, die aneinander stoßen. Der Schluck, dieser Alkohol gemischt mit dem süßen Koffeingetränk. Ein Schluck. Ein zweiter. Langsam stellt er das Glas auf den Boden und wieder einmal kommt die Stille. Doch diesmal möchte er sie unterbrechen. „Weißt du eigentlich, wie sehr mir das gefehlt hat?“ – „Was?“, fragt sie, und selbst durch die Dunkelheit hindurch spürt er ihren unwissenden Blick.
„Das hier.“, meint er. ‚Das Leben.‘, führt er seine Worte in Gedanken weiter. Er legt seinen Kopf in ihren Schoß und erblickt dadurch die Sterne, die still und anmutig am wolkenlosen Himmel schweben. Langsam streicht sie ihm durch sein Haar, und blickt ebenso in den Nachthimmel. „Das hier, das Leben.“, wiederholt sie seine Gedanken und Worte, und lächelt dabei.
Foto: shnnn

WUN-DER-VOLL!!!!