
Als ich die Tür öffne, liegt das Leben zusammengekrümmt am Boden, ringt nach Atem und langsam schließe ich wieder die Tür.
Das Hauptnetzwerk der Luft ist zusammengebrochen. Viel zu wenig Sauerstoff befindet sich in dieser stickstoffüberfüllten Welt. Ich drehe den Schlüssel rum, bleibe aber trotzdem stehen. Durch das Glas der Tür sehe ich noch, wie es sich nicht bewegt. Ich habe Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war. Und doch.
Als ich mich auf die Couch lege, den Kopf in einen Polster begrabend, überlege ich, warum es soweit kommen musste. Ich fühle mich einsam und bin doch glücklich. Das Telefon läutet und ich hebe nicht ab. Meide alles und jeden. Und schließe die Augen. Schließe sie und sehne mich nach dem Licht, das normalerweise bei meinem Fenster hereinkrabbelt. Ich fühle mich alt, kalt, fahl. Ganz normal für diese Zeit. Fühle nichts und fühle mich doch schlecht. Nicht gut.
Ich fühle mich alt und doch scheint es, als wäre ich viel jünger. Jünger, als ich es geplantermaßen heute sein wollte. Wie ein kleiner Rebell sehe ich aus, seit Tagen unrasiert, einen kleinen Oberlippenbart und auch der Rest des Gesichtes ist mit Barthaaren übersät. Lange, (ver)störende Haare und der Blick, als könnte ich die ganze Welt töten, mit diesem einzelnen, einzigen Blick. Ich bin doch auch nur, denk ich mir. Und ihr seid nichts. Nicht besser. Nur ich, bin schlechter. Ich bin viel jünger, als es mein Alter mir zumuten könnte. Dass die Frage nach dem Wie und die Antwort auf das Warum sich ergänzen, beunruhigt mich.
Bin ich nicht der, welcher ich sein möchte. Ich kann es nicht ändern. Muss akzeptieren, dass die Welt so ist, und dass ich um keinen Geud besser bin. Vielleicht habe ich Fähigkeiten, viele Möglichkeiten. Ich werde sie nutzen, sofern ich es schaffe. Möchte leben und mich nicht unbedingt alt fühlen. Möchte jung bleiben und doch. Ich bin nicht der, welcher ich sein möchte. Und langsam verlasse ich mein Zimmer.
Schließe die Haustür auf, und lege mich zum Leben hinzu. Zusammengekrümmt. Auf den Boden.

solche Behaarung durch Alleinsein kann man in dieser Zeit immer gut als Winterfell rechtfertigen…;-)