
„Und warum gibst du nicht damit zufrieden, dass du einfach todtraurig bist, weil sie dir nicht das geben konnte, was du wolltest? – „… Ähm.“
Langsam hebe ich meinen Kopf. Ich sitze da, in diesem roten, gemütlichen Sessel. Beide Ellbogen auf die Lehnen gestützt, die Finger verschränkt, den Kopf darauf abgelegt. Bis eben eben. Ich blicke hoch und suche nach Antworten. Hieß es nicht noch vor kurzem, ich solle „Warum“-Fragen einfach streichen? Und was soll das nun bitte.
„Und was steckt nun hinter der Wut, den Vorwürfen und allem?“ – „Sie erwarten jetzt sicher, dass ich Liebe sage. Doch ich empfinde keine Liebe mehr.“ – „Ich erwarte erstmal gar nichts. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.“ Einige Sekunden überlege ich. Lege den Kopf wieder auf meine Finger. „Angst.“, sage ich. Der richtige Zusammenhang fehlt, baut sich erst langsam wieder auf. Ich habe Angst.
Überhaupt habe ich heute schon viel zu oft die Frage vergessen, nachdem ich lange um die Antwort herumredete. Ich fühle mich unwohl. „Etwas unkonzentriert heute, wie?“; Plötzlich meldet sich mal wieder meine innere Stimme zu Wort und kämpft sich durch die Stille, während ich versuche, mich an die Frage zu erinnern.
Die Zeit ist schon lange vorbei. Ich stehe auf. Begleite sie in die Küche, bis sie mich zum Ausgang begleitet. Wieder einma fühle ich mich besser und wundere mich darüber, dass sehr vieles ich selbst erreicht habe. Das Verständnis des Ichs. Meine „Probleme“. Zuhause angekommen, immer wieder diese Sätze im Kopf. Der Versuch, diese Stunden, diese Konversation zu rekonstruieren. Nach kurzer Zeit aussteigen und als aussichtlos betrachten. Immer mal wieder kommen mir Dinge unter. Bis ich sie zurück in den Kopf, in die Gedankenfabrik und -verarbeitungsstelle schicke.
Im Bett liegen. Hundemüde. Den dicken Tuchent hochgezogen, die Augen schließen. Augen auf, der Blick auf den Wecker. Immer noch zu früh, um aufzustehen. Und bemerken, wie ich mir immer wieder die Frage stelle. Ist es Wut, das ich empfinde? Habe ich Angst und ist das alles nur eine Abwehrreaktion? Oder bin ich wirklich nur todtraurig. (Man stelle sich das nur in Anführungszeichen vor, bitte). Was ist es. Was empfinde ich.
Aufgabe für Sitzung Nummer 3. Empfindungen aktiv empfinden.
