
Werf erstmal alles um.
Dieser kleine Raum dient uns als Tanzfläche. Das Licht blitzt kurz auf. Und erlischt. Die Musik, diese Schallplatte rotiert. Eine alte Dylan-Platte. Blood on the tracks heißt sie. Die wenigen Kratzer lassen die Nadel des Plattenspielers öfter mal abheben. Wir bewegen uns im Takt, im Einklang. Im Einklang mit Dylan. Dylan. Und der Welt.
Deine Hand. Leicht berührt sie meinen Rücken. Ich spüre, wie du dich etwas an meinem Shirt festhältst. Den Halt suchst, denn dir die Bewegungen nahmen. Dein Körper ganz nah an dem meinen. Ich spüre deine Brust. Dein Atmen. Das Heben der Lungenflügel. Das Senken. Dein Kopf liegt auf meiner Schulter. Deine Hände spüren meinen Körper.
Die Musik wird noch ruhiger, die Nadel bohrt sich in die Platte. Wir scheinen fast stehen zu bleiben, unsere tapsigen Schritte lassen uns aber doch noch kreisen. Ich schließe meine Augen. Ich atme dir einen Hauch von mir in deine Haare. Als wärst du eingeschlafen, lässt du dich geleiten von mir.
Bob hört für einen kurzen Moment der Platte auf zu singen. Du blickst mich an. Deine müden Augen suchen nach Worten, nach irgendetwas von mir. „Ich. I…Ich liebe dich.“ Du lächelst, und legst deinen Kopf wieder auf meine Schulter. Ich weiß, dass du diese Worte nicht hören wolltest. Und ich weiß auch, dass du nicht bereit bist, zu sagen, dass du mich liebst; nicht bereit bist, mich zu lieben.
Doch wir tanzen weiter. Nach einigen Minuten spüre ich die Tränen, deine Verlorenen auf meiner Schulter. Es ist meine Schuld, ich weiß. Aber du willst jetzt nichts sagen. Hältst dich an mir fest. Und langsam, viel zu langsam, drehen wir uns weiter. Doch irgendwann ist auch diese Platte zu Ende.
Kurze Gedanken zu Balu’s Zeile: „Ich fang an zu Tanzen; werf erstmal alles um“ von Kettcar.

Wie schön geschrieben. Gefällt mir gut. 🙂