Der See. Ein Moment.

Deine Jacke tropft sich aus. Über deinen Schuhen, die nun definitiv nicht mehr wasserdicht sind. Und. Übrigens.

„Ach, auch schon wieder hier?“, denke ich mir. Du nickst. Deine Haare, von kleinen Schneesternchen bedeckt, schmelzen unter der Last der Zimmertemperatur. Sprichst du eigentlich nichts mehr mit mir. Oder warum bist du so still. Doch während ich mir das denke, verlässt du schon wieder den Raum. Und diesmal gebe ich auf, dir nachzulaufen.

„Wo warst du?“, versuchen meine Gedanken dich zu fragen. Dein Blick zeigt es mir. Das Fenster vor dir offenbart mir ein Ambiente des Sees. Mit all den kleinen angezuckerten Häuser am anderen Ende des Ufers. Du atmest aus, und obwohl es hier eigentlich relativ warm ist, ist dein Atem ein weißer Rauchschweif. Dir scheint kalt zu sein.

Ich nehme dich an der Hand, und gehe mit dir diese vier oder fünf Kilometer durch die Schneelandschaft. Lege meine Jacke auf den Boden und wir beide setzen uns. An diesen für uns ungewohnten See. Der Wind ruht und Frau Holle bestäubt uns mit feinen Kristallen. Du schmiegst dich an mich, dein kalter Atem an meiner durch den Pullover gewärmten Brust. Da sind wir nun also.

Auf diesem Parkplatz mit den fünfzehn oder zwanzig Zentimeter hohem Schnee sitzen wir. Alleine. Selbst die Autos, die hinter uns den Weg rund um diesen See zu erschließen versuchen scheinen stehen geblieben zu sein. Keiner von uns beiden zittert, obwohl wir beide nicht ausreichend bekleidet sind. Doch obwohl wir nichts sagen, obwohl wir nur nebeneinander sitzen, spüren wir keine Kälte. Wir blicken bis ans andere Ende des Sees. Überall nur Berge. Und das leuchtende Weiß des Schnees. Die kleinen Häuser aus Holz. Unsere Gesichter färben sich, unsere Haut fleht nach Wärme. Du hast immer noch kein Wort gesprochen. Was ist nur mit dir los.

Doch ich genieße dein Schweigen. Genieße die Ruhe, die uns wie in Trance in dieses Meer aus Weiß blicken lässt. Diese Ansicht, dieses Ambiente ist so etwas Wunderschönes, so Einzigartiges. Ich möchte nie mehr weggehen. Möchte hier sitzen bleiben. Bis die Welt zerbricht, es dunkel ist. Ich lache, weil mir Juli’s Tage wie dieser in den Sinn kommt. Tage wie dieser, kommen nie wieder. Tage wie dieser, sollten nie vergessen gehen. Du blickst hinaus. Hinaus auf diesen See. So viel Unausgesprochenes liegt auf deinen Lippen. Eine Träne verlässt deine Augen. Mit den Zähnen beißt du dir auf die Unterlippe. Und deine Hand.

Deine Hand sucht den Weg zu meiner. Du nimmst meine Hand. Und wir bleiben so. Tage wie dieser, kommen nie wieder. Denke ich mir. Während die Kälte und der Schnee Überhand von uns nimmt.

Für alle, die mich und meine Umgebung kennen, möchte ich nur darauf hinweisen, dass ich nicht über meinen Heimatsee Traunsee geschrieben habe. Sondern über den Hallstättersee, der gerade so wunderbar und schön aussieht. Ich habe mich nämlich heute mal wieder so richtig schön verfahren. Aber dieses Ambiente. Wunderschön.

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