
Wir beide. ‚Eine Seele, aufgeteilt auf zwei Körper‘, denke ich mir. Freunde würde es Aristoteles wohl nennen.
Gestern. Freunde. Du lachst. Wenn wir doch nur Freunde wären. Nur Freunde. Wenn wir doch nicht auch noch ein Paar wären. Wenn unsere Freundschaft nicht von unserer nicht funktionierenden Beziehung negativ beeinträchtigt wäre. Das wär doch was. Höre ich dich sagen. Aber du liegst still da. An deinen Augen sehe ich es dir an. Die Nähe, dich ich gerade genieße, ist dir unangenehm. Wir haben es immer und immer wieder versucht. Haben den Tag, den Moment verpasst, an welchem es am besten gewesen wäre, wenn wir in Frieden auseinander gegangen wären. Ich sehe es dir an. Das Flehen nach einem Ende. Doch ich will es nicht wahrhaben. Wir liegen da. Du hier. Ich da. Und ich will es einfach nicht wahrhaben. Ich werde es vermissen, die für mich angenehme Nähe. Das zumindest wöchentliche Erblicken deines Gesichtes. Ich will es nicht wahrhaben. Nicht jetzt. Ich genieße die wenig verbliebene Zeit, die uns noch geblieben ist. Genieße die Zeit, die doch so viel Unbehagen in mir auslöst. Du scheinst schon lange damit abgeschlossen haben. Ich sehe es dir doch an. Du willst das ganze nicht. Willst es nicht.
Heute. Freunde. Ich lache. Habe ich damit, mit dem Abwarten, mit dem Hinauszögern des Endes unserer Beziehung nicht viel zu viel zwischen uns zerstört, als dass wir aristotelsche Freunde werden könnten. Zu wenigen Freunden habe ich zurzeit Kontakt. Dich ruf ich ja sogar ab und zu auch noch mal an. Freunde sind mir unglaublich wichtig, nur habe ich jetzt gerade unglaublich viel um die Ohren. Habe ich wirklich so viel zerstört. Was muss geschehen, dass wir uns wahre Freunde, auf lange Zeit, nennen können. Dass wir unsere Hände halten können, ohne auch nur den geringsten Gedanken an einen Wunschtraum zu verschwenden. Dass ich dir in die Augen sehen kann. Ohne dass diese Gefühle auftauchen. Telefonieren funktioniert ja schon ganz gut. Und der Gefühlshaushalt scheint auch unter Kontrolle zu sein.
Morgen. Freunde. Wir lachen. Nein. Es wurde nicht zu viel zerstört. Wir haben es geschafft. Mein Leben scheint nun in Ordnung zu sein, ein neuer Lebensabschnitt beginnt für mich. Dich will ich dabei haben. Als Freundin. Als rein platonische Freundin. Mit dir möchte ich über alles reden können, dir möchte ich den Kopf in den Schoß legen und mit dir möchte ich die Sterne ansehen. Dir möchte ich mein Buch vortragen, mit der möchte ich singend durch die Weltgeschichte springen. Mit dir als Freundin möchte ich alt werden. Ich weiß nicht ob es so sein wird. Ich weiß nicht, ob du das willst. Ich weiß nicht, wie wir uns entwickeln. Wie wir uns verändern. Lassen wir uns überraschen. Und lasse mir noch Zeit. Irgendwann einmal wird das Morgen vor uns stehen. Und dann werden wir es am Schopfe packen.
