
Und was ist jetzt? Was soll ich jetzt machen? Weißt du eine Antwort? Weißt du die Fragen?
Eigentlich dachte ich doch immer, ich wüsste, was Liebe ist. Aber was ist Liebe. Das Verlangen nach jemand anderen. Die Sehnsucht nach seinen Küssen, seinen Berührungen. Oder Sex. Was ist Liebe. Nichts von alledem. Liebe ist doch einfach nur ein Gefühl. Ein Gefühl, das nur dann eine Wirkung hat, wenn es wirklich von ganz tief drinnen kommt. Und natürlich muss es ernst gemeint sein.
Liebe. Ein Wort aus dem Mittelhochdeutschen. Das ist etwas „Gutes, Angenehmes, Wertes“. Für wen kann ich Liebe empfinden. Wann ist sie ehrlich gemeint. Ich habe mich einmal länger mit diesem Thema beschäftigt. Habe Erich Fromms Ansichten zum Thema Liebe gelesen. Er spricht von einer Kunst. Ist es eine Kunst, zu lieben. Oder kann man ein Gefühl nicht unter den riesig-erdrückenden Begriff „Kunst“ stellen.
Spräche ich jetzt von Mutterliebe, dann müsste ich hervorheben, dass diese bedingungslose Liebe, die (m)eine Mutter einem schenkt, auch nach hinten losgehen kann. Es ist doch nicht gut, wenn man ein Gefühl wie die Liebe einem Menschen schenkt. Egal was man gemacht hat, die Liebe bleibt. Vielleicht hält uns das längerfristig am Leben. Aber nimmt es uns nicht irgendwie den Sinn dafür, was falsch und was richtig ist. Wäre es nicht besser, die Mutter wäre mit bedingungslosem Vertrauen, bedingungslosen Zuspruch oder bedingungsloser Interesse an einem selbst ausgestattet.
Aber ich bin keine Mutter. Und die Liebe meines Vaters muss ich mir, so wie in Fromms Werken beschrieben, auch nicht mehr erarbeiten. Sie ist jetzt schon mal da. Und scheint nicht wegzugehen. Aber Vater bin ich ja auch noch nicht. Eigentlich wollte ich ja über die Liebe im Allgemeinen sprechen.
Ich habe schon bisher erst einmal geliebt. Mit all meinen innersten Gefühlen. All meinen Zweifeln, die einfach kommen mussten. Zwei Mal schrammte ich knapp daran vorbei, damals, so scheint es mir jetzt, kam ich über das „verliebt sein“ nicht hinaus. Aber dieses eine Mal liebte ich sie. Und es schien bedingungslos. Ich habe mich fallen lassen. In der Erwartung, dass sie mich auffangen würde. Mit der Hoffnung, sie wäre die Wolke, die mich auffängt, mit all meinen Sorgen, meinen Träumen, mit all meinen Fehlern und meinen Einstellungen. Ich war für sie so eine Wolke. Vielleicht mit ein paar Löchern. Und sie war es anfangs auch für mich. Ich konnte mich sorglos fallen lassen.
Aber was kann man machen, wenn die (scheinbar vorhandene) Liebe auf einmal verschwindet. Stimmt es denn, dass das einfach kommen musste. Ein weiser Mann sagte einmal: Liebe ist das, was übrig bleibt, wenn die Verliebtheit weg ist. Die ersten Monate waren großartig. Wir erlebten die ersten Tage mit unserer jeweils ersten großen Liebe. Verbrachten fast jeden Tag miteinander. Aber irgendwann einmal flogen die Schmetterlinge aus unserem Bauch. Sie folgen unaufhaltsam weg, und was übrig blieb, war ein Mädchen, welches noch von den letzten Flügelschlägen der Schmetterlinge gekitzelt war, und ein Junge, der glaubte, wirklich lieben zu können.
Liebe. Kenne ich sie. Ich dachte, ich habe sie damals zum ersten Mal empfunden. Es wird auch so gewesen sein. Aber ich denke, ich kann Liebe erst einmal richtig erfahren, wenn die Schmetterlinge weggeflogen sind, und eben die Liebe noch da ist. Auf beiden Seiten. Erst dann werde ich verstehen können, was die großen Leute meinen, wenn sie von Liebe sprechen. Wobei ich bezweifle, dass von den wirklich jeder schon einmal wirklich geliebt hat.
Manchmal, während meiner ersten Beziehung, dachte ich, dass durch Küsse, durch sexuellen Kontakt die Liebe wieder so groß, das Kribbeln wieder so toll werden würde, wie es eben schon einmal war. Es hätte nie mehr so werden können. Wir hätten schon viel eher aufgeben sollen. Uns, unsere gemeinsame Zeit. Es waren schöne 5 Monate. Die restlichen 4 waren. Voll mit Gedanken, Angst, Ungewissheit, Selbstzerstörung. Wir hätten früher aufgeben sollen. Viel früher. Sofort als die Schmetterlinge zum Flug angesetzt hätten, hätten wir es merken müssen. Aber wie hätten wir das merken sollen. So etwas kapiert man ja immer viel zu spät.
Jetzt, nachdem ich mit der ersten Liebe abgeschlossen habe, wird sie wohl auch irgendwann kommen. Die zweite Liebe. Aber wie kann man sagen, man habe damit abgeschlossen. Sie hat einen Teil meines Herzens. Und ich einen Teil ihres Herzen. Sie ist mit ihren Füßen in mein Herz, in meine Seele getreten und hat einen Fußabdruck auf mir hinterlassen. Der wird nicht verschwinden. Der wird bleiben. Für immer wahrscheinlich. Und deswegen kann man nicht abschließen mit so etwas. Wir beide werden uns neu verlieben, unser ehemals gemeinsames Gefühl Liebe werden wir anderen Menschen schenken. Werden uns verlieben, werden lieben. Und werden es schaffen, kein einziges Gefühl mehr füreinander zu empfinden. Außer platonischer, freundschaftlicher Liebe. Ich wäre bereit für eine Freundschaft. Meine Gefühle wären bereinigt.
Ich könnte jetzt noch über diese eine, über die freundschaftliche Liebe sprechen. Und über die Magie eben dieser Liebe. Eigentlich dachte ich ja, diese Liebe auch für zwei Jungs zu empfinden. Aber jetzt, an den Tagen, an denen ich mir meiner Gedanken, meiner Gefühle, meinem Leben erst mal wieder etwas mehr bewusst wurde, bemerkte ich, dass nur meine Freundinnen jene sind, die ich wirklich liebe. Die mir das schöne Gefühl geben, wichtig zu sein. Die mir Vertrauen schenken, mit mir über alles reden, mit denen ich einfach mal nur in der Wiese liegen oder hocken kann um über alles zu reden. Diese Art der Liebe ist großartig. Aber, wie immer, muss sie beidseitig sein. Aber wenigstens merkt man manchmal, dass man bei einigen „Freunden“ sich selbst viel zu sehr verrät, durch die Rolle, die man scheinbar gezwungen ist, zu spielen. Die freundschaftliche Liebe ist kostbar. Man darf sie nicht verschwenden.
Sie wird kommen, die zweite Liebe. Wir kommen, und wird mir den Kopf verdrehen. Ich werde mich fallen lassen wollen. Aber ich danke der ersten Liebe. Danke ihr von ganzem Herzen. Sie hat mir so viel gezeigt, so viel vor Augen geführt. Hat mich reifen lassen an ihr. Sie hat mir gelehrt, wie man richtig(er) liebt. Und sie hat mir nun auch gezeigt, wie schmerzhaft Liebe sein kann. Eines muss ich mir selbst jetzt versprechen. Ich darf jetzt keine Angst davor bekommen. Vor dem Schmerz. Vor gebrochenen Herzen. Vor Tränen. Und vor Kummer. Ich darf nicht Angst davor bekommen. Ich muss mich mit alledem konfrontieren. Um irgendwann einmal wirklich lieben zu können.
