
„Und wie ist er jetzt?“ – Wer? – „Na, der Sommer …“
Ich blicke dich an. Voll fragendem und nachdenklichem Blicke. Der Sommer. Irgendwann einmal hatte ich schon mal davon gehört. Hm. Vielleicht fällt es mir ja wieder ein. Aber warum fragst du mich das? Was soll mir an diesem Sommer so gefallen. Und ich denke nach und denke nach. Und es fällt mir nicht ein. Doch plötzlich. Ja. Der Sommer. Jetzt weiß ich es wieder. Der Sommer war es immer, von dem ich träumte. Wenn ich gelangweilt in einer Mathematikstunde aus dem Fenster blickte, als draußen noch der Schnee lag. Das wird der Sommer meines Lebens sagte ich mir immer. Der Sommer meines Lebens. Meines Lebens. Verdammt, wie konnte ich das nur vergessen.
„Er ist jetzt eigentlich schon da, der Sommer. Es ist Juni. Es ist heiß. Und der See wartet auf dich.“ Hm. Der See. Der See. Mein See. Er ist nicht mehr mein See. Viel zu viel hat sich verändert. Viel zu sehr habe ich mich von ein paar Freunden wegbewegt, als dass ich mich zu ihnen an den See legen würde wollen. Der See. Mein Zuhause, an den letzten 3 Sommern. Schaukelsessions. Pizza-Verschlingungen. Und Grillen. Es war mein Zuhause. Wir waren immer dort. Wachte ich frühmorgens auf, war meine Tasche schon gepackt für den See. Die Badehose konnte gar nicht mehr trocknen, so viel war ich unterwegs. Jetzt mache ich nichts mehr.
Nein. Es ist nicht nur die Matura. Die letzte große Prüfung vor … ja, vor dem „wahren Leben“. Es ist so viel mehr. Es sind Probleme in der Familie, und eben auch die Probleme mit Freunden. Auch Probleme in der Liebe, liegengebliebene Gefühle, die ich immer wieder aufgreife. Gedanken. Und die Suche nach jemand neuem. Ich bin nicht mehr der Typ, der sich jeden Tag mit seinen Freunden am See traf. Damals, in den Sommer meines Lebens. Meines Lebens.
Vielleicht kann ich mich mit dem Leben damals nicht mehr identifizieren. Vielleicht bin ich nicht mehr der Typ, der nur sein Leben genoss. Vielleicht habe ich jetzt auch Ziele. Oder einfach eine andere Vorstellung vom Leben. Vielleicht bin ich auch nur auf dem besten Weg, ein Einsiedler zu werden. Einsam, verlassen. Mir macht die Vorstellung nicht angst. Nein. Diese nicht.
Der Sommer ist da. Aber er muss sein Spiel ohne mir spielen. Ich spiele nicht mit. Zuviel Dreck, zuviel Müll muss ich erst einmal entsorgen, um wirklich wieder genießen zu können. Um ruhig einschlafen zu können. Dieser Sommer wird vielleicht der Sommer meines Lebens. So wie die letzten drei. Oder sogar die letzten fünf. Aber er wird anders werden, als all die anderen zuvor. Vielleicht werde ich mich auch mal wieder selbst überraschen.
