The Stories I Write

Hallo. Mein Name ist Dominik. Und ich habe ein Problem. Ich blogge.

Es hat bei mir lange gedauert, bis ich in den Genuss des World Wide Web gekommen bin. Erst vor vier Jahren war der regelmäßige Gang ins Internet für mich zur Möglichkeit der Flucht aus dieser Welt geworden. Und schon davor hatte ich dieses Problem. Ich schrieb. Tagebuch. Texte. Bücher. Geschichten. Schon damals war schreiben für mich etwas … Befreiendes. Schon damals offenbarte ich in den Texten meine Gedanken, meine Gefühle und meine Ängste. Nicht mit dieser sprachlichen Sicherheit wie heute, nicht mit denselben Worten, wie ich sie heute wähle. Aber ich schrieb.

Manchmal wundere ich mich, wie infantil meine geschriebene Sprache vor fünf oder sechs Jahren war. Mein Tagebuch sollte eigentlich mein Leben beinhalten. Und doch waren es nur gefüllte Seiten voll idiotischem Liebeskummer. Und ich schrieb so selten in diese kleinen Büchlein, dass die eine Liebe schon wieder vergessen war, und der neue Kummer sich auf ein anderes Mädchen bezog. Wenn ich jetzt darin lese, wundere ich mich kaum, warum … naja … früher alles so kompliziert war.

Doch ich entwickelte mich weiter. Die Texte wurden beinahe – ich möchte jetzt nicht sagen reifer – aber zumindest für mein Alter passender. Und dann begab es sich einfach zu der Zeit, dass mein Computer sich endlich mit dem Internet vertrug. Und mein Weg in die schier unendlichen Weiten des Netzes begann. Schnell hatte ich schräge Selbstbau-Homepages. Nur um mich selbst zu präsentieren. All das war für mich damals so kompliziert, nie und nimmer hätte ich viele Texte online stellen können. Und so lebte ich dahin, mit mehr als einem halben Dutzend verstaubten just4ikarus-Pages. Bis ich auf diesen einen Trend aufmerksam gemacht wurde. Bloggen nannten sie das im Fernsehen. Und im Internet schrieb auch jede größere Nachrichten- oder Informationsseite über diesen Hype. Online-Tagebuch nannten sie es. Und somit begann das, von dem ich mich jetzt nicht mehr losreißen kann.

Begonnen habe ich auf Blogigo. Ein einziger Eintrag. Doch als ich Blogger/Blogspot kennenlernte, zeigte er mir die Leichtigkeit des Seins. Und wie leicht es ist, wirklich ein Online-Tagebuch zu führen. Und so begann ich zu schreiben. Über mein Leben. Meine Lieben. Meine Ängste. Meine Gefühle. Meinen Schmerz. Und alle wussten sie davon. Die Meisten sagten mir sofort, dass sie dieser Art von Offenbarung für die gesamte Menschheit nichts abgewinnen können. Fragten mir, warum ich das nötig habe. Warum ich mit diesen Gedanken, diesen Problemen nicht zu meinen Freunden kommen könnte. Ich konnte es einfach nicht. Und ich kann es immer noch nicht. Ich kann über meine Gefühle nur sehr schwer reden. Selbst wenn ich Vertrauen zu jemandem habe, habe ich doch diese Angst, irgendetwas Falsches zu sagen. Und bei einem Gespräch auf verbaler Basis habe ich immer vor einer Sache Angst. Der Antwort. Nichts lässt mich öfter schweigen, als diese Angst.

Hier im Internet ist das nicht so. Hier schreibe ich. Veröffentliche es. Und vielleicht, dann und wann, bekomme ich einen Kommentar. Oder die Leute da draußen, sie reden mich auf diesen oder jenen Text an. Die Meinungen meiner Freunde sind immer noch gleich, wenn nicht sogar noch kritikfreudiger. Nachdem es zwei meiner Freundinnen einmal selbst versucht haben, und bemerkt haben, dass es nichts für sie ist, erfreuen sie sich immer mehr an einer Kritik an dem ganzen Blogging-System. Ohne überhaupt zu verstehen, wie wichtig mir das ganze ist.

Keiner meiner Freunde schreibt so gerne wie ich. Und ich bin auch anders als meine Freunde. In jedem Punkt. Und deswegen ist mir jedwede Kritik von ihnen einfach nur egal. Sie werden mich nie verstehen können. Sie werden nie erfahren, was das einfach für ein befriedigendes Gefühl ist, wenn man sein Online-Tagebuch hier führt, und so viele Menschen es lesen. Wenn man sein Leben mit so vielen Menschen teilt.

Nun ja, nach ca. 140 Einträgen bei Blogspot wechselte ich, aus Design-Gründen, zu WordPress. Und dort führe ich seit Ende Dezember meinen neuen Blog. 222 Einträge sind es mit dem heutigen Tag. Und ich sage es auch, ich werde es nicht aufgeben. Nicht heute. Nicht in den nächsten Tagen und Wochen. Das Bloggen und das Schreiben im Allgemeinen begleiten mich jeden Tag. Auch wenn ich weiß, dass auch hier viele nicht Freunde von Blogs sind: Ich wette mit euch, dass ihr trotzdem in verschiedenen Blogs liest. Einfach aus purem Interesse. So wie es meine Freunde tun. „Bloggen ist einfach nur doof.“, sagen sie. Und doch kennen sie jeden einzelnen Text von mir. Mir mag es recht sein. Ich schreibe den Blog nicht für sie. Nicht für euch. Sondern für mich.

Und ich lasse es mir nicht nehmen. Wer will, kann man ganzes Leben erfahren. Ich habe kein Gefühl von Scham, wenn es um geschriebene Gefühle geht. Ich schreibe so vieles und veröffentliche so vieles. Es ist doch einfach nur schön, in ein oder zwei Jahren zurückblickend durch die ganzen Blogs zu klicken. Zu sehen wie mein Leben war. Um zu vergleichen mit dem Leben, wie es jetzt ist.

Dann beginne ich noch einmal: Guten Tag. Mein Name ist Dominik. Und ich habe ein Problem. Ich habe viel zu wenig Zeit zum Bloggen.

2 Gedanken zu „The Stories I Write“

  1. nachdem ich Dein Blog nun eine Weile verfolgt habe, dann vonhinten nach vorne durchgelesen habe und mitten in Deiner Novelle stecke, ist dieser Eintrag geanu der richtige, endlich einmal einen Kommentar abzugeben:
    In Deinem Alter habe ich getextet, wie Du es heute tust, aber da gab es nur Stift und Papier. Deine Sprache und Deine Gedanken sind sehr ähnlich wie das, was ich heute Abend nachgelesen habe. Aber Du hast den Ehrgeiz etwas zu erschaffen und das machst Du in wunderschönem Schwanken zwischen Zweifeln und Selbstsicherheit. Und ich hoffe, dass Du dabei bleibst. Ich möchte so gewesen zu sein.
    Viel Glück wünsche ich Dir weiterhin bei den Prüfungen! (Du brauchst kein Glück, der Glaube an Dich reicht)
    phil

  2. vielen dank. für alles. fürs lesen. für die komplimente. für den zuspruch. wieder mal ein kommentar der mich nachdenklich stimmt und mich irgendwie stolz macht. dankeschön.

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