
Anfangs wünschte ich mir, du wärst perfekt. Würdest alles perfekt machen. Würdest perfekt sein. Nun bin ich dankbar, dass du es nicht bist.
Die erste große Liebe. Ein Erlebnis. Ein Kampf. Zumindest bei mir. Alles, was ich mir vorgestellt habe. Den ersten Kuss, das erste Mal. Alles war wunderschön. Doch es gab auch andere Momente. An denen ich mich fragte, was das alles überhaupt soll.
Als ich dich letzten Sommer plötzlich täglich sah, am See. Als du Teil meines Lebens wurdest. Sozusagen neben mir auf der Liegewiese eingezogen warst, sah ich dich an. Dein perfekter Körper. Deine schönen Haare. Dein wunderschönes Gesicht. Dein Lachen. Wie du mit mir sprachst. Du warst es, die in meinen Träumen herumspukte. Die in meinen Gedanken wild umher sprang. Die mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern konnte, nur wenn ich an dich dachte. Ein Lächeln, wie es ehrlicher nicht sein hätte können. Ja, all das warst du.
Und dann war es soweit. Wir kamen zusammen. Schafften den Sprung in die Beziehung. Vielleicht hätten wir uns wirklich vorher noch etwas mehr kennen lernen sollen. Alles ging so schnell. Plötzlich warst du nicht mehr nur neben mir auf der Liegewiese. Du warst bei mir. Die ersten Tage verbrachten wir nur gemeinsam. Statt unnötig die Gedanken an uns zu verschwenden verbrachten wir einfach so viele Stunden miteinander. Und mehr und mehr verliebte ich mich in dich.
Ich hatte immer eine Vorstellung von einer perfekten Freundin. So viel sprach dafür, dass du jene sein würdest. Perfekt. Unglaublich. Ohne einen einzigen Fehler. Einfach eine Freundin, mit der man sich nie streiten würde. Wo man sich nie fragen würde, wieso das Ganze. Ich dachte, du würdest so eine Freundin sein.
Aber in den ersten sechs Monaten kam es fast monatlich zu größeren Auseinandersetzungen. Wir schienen immer wieder irgendetwas zu finden, was einen Streit wert gewesen wäre. Wir wollten uns ausreden. Wollten unsere Sorgen, unsere Bedenken, unsere Meinung einfach aus uns rauslassen. Das haben wir zumindest am Telefon gesagt. Als wir uns dann wieder sahen, freuten wir uns einfach nur, uns wieder zu sehen. All die Probleme schienen vergessen. Und doch führte das Aufstauen von all den Problemen in den sechs Monaten zu deiner Entscheidung, die Beziehung fürs Erste zu beenden.
Dann wusste ich. Du bist nicht perfekt. Du bist in keinster Weise perfekt. Und dafür danke ich dir. Danke, dass du nicht perfekt bist. Ich bin es doch auch nicht. Es gibt keine perfekte Freundin. Du liebst mich. Das ist die Hauptsache. Du liebst mich, wie mich noch kein Mädchen zuvor geliebt hat. Du schenkst mir Liebe, die mich am Leben hält. Die mir Halt gibt. Unsere Beziehung ist nicht perfekt. Aber warum danke ich dir? Weil ich mich deswegen immer frage: „Wieso das Ganze?“. Und dann denke ich nach. Denke nach. Mache mir so viele Gedanken über dich. Über uns. Und dann weiß ich es. Wegen dir. All das wegen dir. Weil ich dich liebe.
Liebe ist zwar so ein schweres Wort. Aber ich würde alle Energie in diese Beziehung investieren. Weil du nicht perfekt bist. Weil ich nicht perfekt bin. Niemand kann perfekt sein. Wir wollen es auch nicht. Lass uns einfach eine Beziehung führen, in der wir beide glücklich sind.
