Weil Es Liebe Ist

Der leuchtende Mond ließ die Zeit nicht vergehen. Wir saßen nur da. Du und ich.

Ich hoffe du kommst. Das waren meine Gedanken vor der Abfahrt. Der Abfahrt zu unserem Chorausflug. Ich hoffe du kommst. Nur wegen dir fahre ich mit. Mit dir möchte ich Zeit verbringen. Du bist es, warum ich überhaupt noch in den Chor gehe. Nur du. Und du kamst. Mit deinem wunderschönen braunen Haar. Mit deinen Augen voll Ehrlichkeit. Mit deinem Lächeln, als du mich erblicktest. Im selben Auto fahren wir. Du sitzt vorne. Ich hinten. Ich sehe dir zu. Lausche deinen Erzählungen. Drei Tage würden wir nun miteinander verbringen. Wir und ein Dutzend anderer Chormitglieder. Meine beste Freundin ist auch dabei. Und du. Überall bist du.

So oft suche ich die Nähe zu dir. Wir sitzen nebeneinander. Reden. Haben Spaß. Du bist bei mir. Ich bin bei dir. Ich fühle mich wohl. Und spüre die Liebe. Auch meine beste Freundin merkt es, wie ich dich ansehe. Spürt, wie sehr ich etwas für dich empfinde. Doch ich rede nicht mit ihr. Ich rede nur mit dir. Wir machen Ausflüge. Sind immer gemeinsam unterwegs. Du lächelst, als ich als einziger im Regen in den Teich springe.

Ich weiß es schon. Du hasst es, dass ich rauche. Doch du kommst mit. Am ersten Abend, als meine beste Freundin und ich eine rauchen gingen. Raus. Eher heimlich. Eigentlich war es ja verboten. Aber mir konnte das ja niemand verbieten. Aber du warst da. Ich fühlte mich unwohl, mit der Zigarette in meiner Hand. Und doch genoss ich auch hier jeden Zug. Denn du warst da. Hast uns nach draußen begleitet.

Am zweiten Tag gingen wir am Nachmittag auf einer Brücke über einem kleinen Bach. Du, ich, meine beste Freundin und eine weitere gute Freundin. Wir reden. Ich rauche wieder eine Zigarette. Du fragst mich, aus welchem Grund ich aufhören würde. Wenn ich eine Freundin hätte, die Nichtraucherin wäre, dann würde ich aufhören, habe ich gesagt. Und habe mich an diesen Satz gebunden. Gesagt ist gesagt. Und es ist auch schon fast versprochen.

Immer und immer war ich bei dir an diesem Abend. Um zehn Uhr abends gingen wir noch einmal nach draußen. Spazierten herum. Es begann zu regnen. Wir stellten uns unter, in dieser Kapelle. Es waren zwei kleine Bänke. Ich hätte mich neben dich sitzen können. Doch ich hatte Angst. Was, wenn all die Gefühle nun doch nicht da waren. Wenn nur ich etwas für dich empfinde. Du aber nichts für mich. Und so saßen wir. Sprachen über alles. Ich erkläre dir mein Leben. Warum ich so bin. Warum ich kiffe. Warum ich rauche. Warum ich Alkohol in überhöhter Dosis an manchen Abenden wirklich schön finde. Warum ich noch nie eine Freundin hatte. Warum ich so bin wie ich bin. Und du erzähltest mir auch aus deinem Leben. Es war etwas so schönes. Wir tauschten uns aus, obwohl wir eigentlich nur zwei von Millionen von Sternen waren. Es war schon dunkel geworden. Uns war das egal. Wir sprachen. Sprachen von uns, unserem Leben. Bis eine Taschenlampe uns ins Gesicht leuchtete. Es war halb 2. Man hat uns schon gesucht. Wir bekamen eine Standpauke. Doch es war uns egal. Dieser Moment. Da, in dieser Kapelle. Er hat uns so viel gegeben. Mir das Gefühl, dass die Gefühle richtig sind. Wir gingen in das Matratzenlager. Alle anderen schliefen schon. Nur nicht meine beste Freundin und die gute Freundin. Wir redeten. Tranken noch schnell einen Kakao. Legten uns ins Bett. Normalerweise lagen wir ja so: meine beste Freundin, ich, meine gute Freundin und du. Doch wir mussten noch so viel reden. Du kamst zu mir. Mit deinem Schlafsack im Gepäck. Wir redeten. Und redeten. Nachdem wir die anderen störten, legten wir uns zu dir rüber. Wir redeten. Lachten. Und fühlten uns einfach nur wohl. Und die ganze Zeit dachte ich mir, ich möchte dich so gern küssen. Und gleichzeitig dachte ich mir, das würde so viel zerstören. Den ganzen Tag. All das schöne. Und so küsste ich dich nicht. Wir schliefen ein. Drei-, viermal wachte ich auf. Und beobachtete dich beim Schlaf. So ist es also, das Gefühl, neben einer Frau einzuschlafen, und neben ihr aufzuwachen.

Dann war der Tag gekommen, um die Heimreise anzutreten. Du saßest nun auch hinten, hinten neben mir. Und zuhause angekommen kam der Zeit des Abschiedes. Ich ging auf dich zu. Wollte dich küssen. Wollte … dich mein ganzes Leben lang in den Arm nehmen. Du kamst zu mir. Umarmtest mich. Es war wunderschön.

Eine Woche später kamen wir zusammen. Sechs Monate waren wir zusammen. Dann kam die Trennung. Ein Monat später beschlossen wir, es wieder zu versuchen. Bauen gerade wieder eine funktionierende Beziehung auf. Ich bin reifer geworden. Im August hatte ich zu rauchen aufgehört, wegen meinem Versprechen, im Dezember fing ich wieder an. Wegen einem Streit. Bis jetzt tat ich es. Nun rauche ich nicht mehr, aus eigener Überzeugung. Ich kiffe nicht mehr. Aus eigener Überzeugung. Und ich habe einen Weg gefunden, dich zu lieben, ohne mich in kompletter Selbstaufgabe zu verlieren.

Aber diese drei Tage, ich werde sie nie vergessen. Du und ich. Wir waren zumindest für diesen Moment in der Kapelle eins.

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